Superbike-WM: Zweites BMW-Team steigt aus

Exklusiv: Die Rennversion der neuen Honda Fireblade

Von Ivo Schützbach
Am morgigen Dienstag beginnt für Honda in der Superbike-WM eine neue Zeitrechnung, dann kommt erstmals die neue Fireblade SP2 zum Einsatz. SPEEDWEEK.com erklärt den Entwicklungsplan.

Am 6. Januar 2017 bekam Ten Kate Racing, in der Superbike-WM seit vielen Jahren für den Honda-Auftritt verantwortlich, die neue Fireblade SP2 in die Werkstatt nach Nieuwleusen geliefert. Seither hat das Team von Nicky Hayden und Stefan Bradl unermüdlich am neuen Motorrad gearbeitet, auch am heutigen Montag sind die Mechaniker in der Honda-Box auf dem Circuito de Jerez vielbeschäftigt.

SPEEDWEEK.com setzte sich mit dem Technischen Manager Pieter Breddels zusammen, um über die Arbeit der letzten Wochen zu sprechen.

Pieter, was habt ihr die letzten 17 Tage am neuen Motorrad gearbeitet?

Von der Verkleidung hatten wir vorab CAD-Zeichnungen, diese konnten wir vorbereiten. Trotzdem war das ein Riesenaufwand, alles herzubekommen. Das haben wir geschafft.

Das Erste, was wir gemacht haben, war die Motoren aus den Serienbikes auszubauen und diese zu zerlegen. Die Zylinderköpfe haben wir zu unserem Motorenpartner Cosworth geschickt, sie haben sie bearbeitet und uns zurückgeschickt. Dann haben wir den ersten Testmotor gebaut, diesen bei uns auf dem Prüfstand laufen lassen und ihn dann zu Cosworth geschickt. Bei Cosworth lief der Motor dann Vollgas auf dem Prüfstand, um zu sehen, was die erste Stufe des Tunings bringt.

Natürlich brauchen wir mehrere Zylinderköpfe. Das war auch ein großer Aufwand alles herzubekommen, um die Motoren bauen zu können.

Wie groß war deine Freude, als ihr den Motor zum ersten Mal zerlegt habt? Ist er der erhoffte Fortschritt?

Zuerst gingen wir mit dem Standardmotor auf den Prüfstand. Dieser war eine große Überraschung, auf unserem Prüfstand hat er fast 20 PS mehr als das Vorgängermodell – Standard gegen Standard.

Während wir jetzt reden, sind wir mit Cosworth noch im Gespräch, welches Mapping wir am Dienstag verwenden wollen. Wir sind mit dem Motor auch noch nicht ganz fertig, mit der ersten Tuning-Stufe, die wir Spezifikation 17.0 nennen. Wir haben es geschafft in Jerez zu sein, voll da sind wir aber noch nicht – für Phillip Island haben wir noch keine gute Motor-Spezifikation. Auch die Drehmoment-Mappings sind noch nicht fertig.

Deine Hoffnung war, dass ihr mit dem neuen Motor 10 bis 15 PS mehr haben werdet gegenüber 2016. Bei wie viel mehr bist du mit Version 17.0?

Wenig über dem 2016-Motor. Die Spitzenleistung ist ähnlich, im mittleren Drehzahlbereich ist er aber schon jetzt um 3 oder 4 PS stärker.

Ihr seid bei der Leistungssuche konservativ vorgegangen?

Ja, bei Spezifikation 17.0 waren wir konservativ. Bei Version 17.1, die nach den beiden Überseerennen kommt, vielleicht für den Europaauftakt in Aragón, werden wir ans Limit gehen.

Abgesehen vom Mapping: Ist die Version, die Hayden und Bradl diese Woche fahren, die gleiche, die ihr in Australien und Thailand einsetzen werdet?

Nein, weil wir mit 17.0 auch noch nicht fertig sind, da wird noch mehr kommen, Änderungen an der Auspuffanlage etwa.

Was wir hier in Jerez verwenden, ist wirklich der erste Versuch. Jeden Tag testen wir bei Cosworth und prüfen verschiedene Teile.

Für das Honda-Rennteam geht es von Jerez direkt zum Test nach Portimao, wo kommendes Wochenende gefahren wird. Entwickeln in dieser Zeit die Leute bei Ten Kate Racing und Cosworth weiter?

Ja, beide. Beide haben einen Motor, sie arbeiten eng zusammen, um Verbesserungen zu erzielen. Vielleicht gibt es schon für Portimao etwas Neues.

Cosworth hat seinen Sitz in Northampton: Ihr transportiert ständig die Motoren hin und her?

Genau, teilweise mit Über-Nacht-Lieferung, letzte Woche hatten wir das zweimal.

Weshalb habt ihr bei der Auspuffanlage von Termignoni auf Akrapovic umgestellt?

Das hing auch damit zusammen, dass andere Honda-Teams, etwa in der British Superbike, damit gute Erfahrungen gemacht haben. So kam der Kontakt zu unserem Team zustande.

Wir waren mit Termignoni zufrieden.

Vor Weihnachten waren wir bei Akrapovic im Werk, deren Möglichkeiten sind fantastisch. Hoffentlich können sie uns bei der Suche nach PS helfen. Sie haben schon jetzt einen Riesenjob erledigt, um uns einen guten Auspuff zu liefern. Dabei stehen wir erst am Anfang, das war noch nichts Spezielles.

Wir werden auch noch mit einem Motor zu Akrapovic fahren, um dort Prüfstandsmessungen zu machen.

Bis zu welchem Rennen wird es dauern, bis ihr die Entwicklung von Stufe 17.0 abgeschlossen habt?

Kurz vor dem Phillip-Island-Test in einem Monat, denke ich.

Dann geht es weiter mit 17.1? Bringt ihr diese Ausbaustufe für den dritten Event in Aragón?

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich weiß es noch nicht. Jede Woche wird viel Arbeit geleistet.

Bis wann werdet ihr die 10 oder 15 erwünschten PS mehr erreicht haben?

Das wird eine Weile dauern, es gibt ständig Änderungen. Ich hoffe, bis Mitte der Saison.

Das volle Potenzial des Motorrads werden wir erst dann sehen?

Das wird sicher drei, vier oder fünf Rennen dauern.

Dann ist es vermessen vom WM-Titel 2017 zu reden?

Das weiß ich nicht. Schau dir mal letztes Jahr an. Ich weiß nicht, wie viel PS mehr wir brauchen, um auf Phillip Island vorne zu sein. Der neue Motor ist jetzt schon stärker, und wir haben noch so viel Arbeit vor uns. Oder in Thailand, da waren wir 2016 auch gut.

Wir sind spät dran, das ist Tatsache. Auf Aragón wird das einen Einfluss haben, wobei auch das noch nicht gesagt ist. Aber die anderen Rennen? Auf Phillip Island, in Thailand und Assen sind wir dabei.

Es war schon öfter so, dass wir in den Wintertests gegenüber Kawasaki im Nirgendwo waren und im Rennen dann knapp dran.

Wir haben dieses Jahr mehr Budget, können mehr machen, schneller entwickeln. Wir bekommen einen Ingenieur extra, der uns unterstützt.

Ist das neue technische Reglement für euch eher ein Vor- oder Nachteil? Jetzt müssen ja noch mehr Teile aus der Serie sein.

Wir verlieren die gesplitteten Drosselklappen, aber das ist für alle so. Für uns ist das mit den Regeln egal.

Abgesehen vom Motor: Was ist an der Rennversion des neuen Motorrads anders gegenüber 2016?

Auspuff und Verkleidung. Das Motorrad wird leichter sein, auch durch die Verkleidung. Einen neuen Kabelbaum haben wir geplant, dieser wird auch leichter. Eine ganz neue, leichtere Schwinge werden wir haben, diese entwickeln wir laufend, durch die Saison hindurch.

Beim Rahmen müssen wir noch einen Vergleich machen, um zu verstehen, was sich geändert hat. Für die erste Stufe haben wir als Basis die Steifigkeit des 2016er-Rahmens kopiert. Jetzt müssen wir schauen, was wir vom 2017-Chassis nehmen können. Die Bemaßung ist gleich, die Wandstärke des neuen Chassis’ ist anders.

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