Befreiungsschlag: Leon Camier und Honda auf Platz 2!

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Zum ersten Mal seit Monaten sieht man bei Red Bull Honda wieder fröhliche Gesichter. Leon Camier brachte die Fireblade in den drei freien Superbike-Trainings auf Phillip Island am Freitag auf den zweiten Gesamtrang.

Platz 8 von Leon Camier bei den zweitägigen Tests auf Phillip Island war ordentlich, der Engländer fuhr aber nur um 0,4 sec schneller als Nicky Hayden an gleicher Stelle ein Jahr zuvor – bei fast identischer Bestzeit von Jonathan Rea (Kawasaki).

Das erste freie Training am Freitagmorgen fand auf nasser Strecke statt, Camier landete auf Platz 7. Im dritten Training am Freitagnachmittag war die Strecke nach vorhergehendem Regen erst in den letzten Minuten trocken und schnell.

Das zweite Training war das einzige, das bei komplett trockenen Bedingungen ausgetragen wurde, die Top-5 fuhren in diesem ihrem Bestzeit. Mit Lorenzo Savadori (Milwaukee Aprilia) auf Platz 1 und Camier auf Rang 2 gibt es zwei faustdicke Überraschungen an der Spitze.

Savadori unterbot die Testbestzeit vom Dienstag um knapp 2/10 sec, Camier fuhr in 1:30,722 min um satte 8/10 sec schneller als im Test.

SPEEDWEEK.com sprach mit dem neuen Teammanager Kervin Bos über die erfreulichen Entwicklungen bei Red Bull Honda.

Kervin, wie konnte sich Camier gegenüber dem Test so deutlich steigern?

Wir hatten schon am Dienstag die gleiche Pace, wir planten die Zeitenjagd aber für den falschen Moment. Am Dienstagnachmittag war es sehr heiß, nur vier Fahrer konnten ihre Zeit verbessern, Leon fuhr die gleichen Zeiten wie am Morgen. Die Verbesserung war da, man konnte sie aber nicht auf dem Zeitenmonitor sehen.

Danach hatten wir zwei Tage Zeit, um über das Motorrad und seine Wünsche nachzudenken und dann alles auf den Punkt zu bringen.

Was hat sich seit dem letzten Rennen 2017 in Katar am Motorrad geändert?

Viele Kleinigkeiten, auch viele Details an der Elektronik. Die ganze Art, wie sie aufgebaut ist, wie die Motorbremse und die Traktionskontrolle funktionieren. Die Kraftentfaltung ist jetzt sanfter, daran haben auch unsere Tuner getüftelt. Es wurde viel mit der Leistungs- und der Drehmomentkurve gespielt.

Das Paket der SP2 ist jetzt insgesamt vollständiger, als es letztes Jahr war.

Dass ihr einen sehr motivierten neuen Fahrer auf dem Motorrad habt, hilft zusätzlich?

Ja, jetzt greifen alle Teile ineinander.

Camier meint, dass seine Pace für eine schnelle Runde okay ist, für das Rennen ist er weniger optimistisch. Wie lässt sich das interpretieren?

Bezüglich der Rennpace jetzt etwas zu sagen, ist wirklich schwierig. Im Test gab es drei oder vier Leute, die außerordentlich schnell waren, sie konnten über viele Runden 1:31 min fahren.

Aber auf Phillip Island ändert sich mit dem Wind und dem Wetter jeden Tag alles. Da lässt sich schwer etwas voraussagen.

Glaubst du, dass im zweiten freien Training alle gepusht haben?

Das weiß niemand.

Unter normalen Bedingungen sehe ich Leon in den ersten zwei Startreihen, das ist unser Ziel. Wir kommen von weit hinten, wir müssen uns in die Gruppe zurückkämpfen, die um Podestplätze fightet.

Der erste Schritt ist ein Startplatz in Reihe 1 oder 2. Wie es dann im Rennen läuft, sehen wir. Bis Runde 11 fahren hier alle im Windschatten, danach lässt der Hinterreifen nach, dann wird es interessant.

Bei den Testfahrten in Jerez und Portimao konnten wir sehen, dass Camier den Extragrip des Qualifyer-Reifens gut nützen kann.

Ja, über die fliegende Runde ist er wirklich gut. Das ist wichtig. Wenn du im freien Training nicht von Anfang an eine gute Pace hast, dann startest du aus der dritten, vierten oder fünften Reihe. Das macht es schwierig, selbst wenn ein Fahrer in den Rennen ausgesprochen stark ist.

Das beste Resultat von Honda in Phillip Island war letztes Jahr Rang 11 von Nicky Hayden in Lauf 1. Was habt ihr euch für die Rennen am Samstag und Sonntag vorgenommen?

Erst einmal wollen wir es in die Top-5 schaffen. Wenn uns das gelingt, peilen wir den nächsten Schritt an.

Haben wir heute das wahre Potenzial von jedem Hersteller gesehen?

Nein. Das werden wir erst ab Aragón sehen. Phillip Island ist immer seltsam, jeder ist hier total aufgedreht, am ersten Testtag sind sogar Rea und Sykes gestürzt. Hinzu kommt die Lebensdauer der Reifen.

Phillip Island ist dein erstes Rennen als Teammanager. Dir ist heute sicher eine Riesenlast von den Schultern gefallen?

Ich habe echt Glück mit diesem Job. Ich bin stolz, dass ich das zusammen mit Ten Kate und Honda machen darf, ich gebe mein Bestes. Es ist nicht leicht, in die Fußstapfen von Ronald ten Kate zu treten, ich werde eine Weile brauchen, bis ich auf sein Level komme.

Ein Tag wie heute spornt das Team zusätzlich an?

Ja, das hilft allen. Wir hofften auf dieses Ergebnis und haben es auch ein bisschen erwartet. Wir waren in den Wintertest immer in den Top-8, es ist realistisch, was heute passiert ist. Wir sind viel schneller als letztes Jahr.

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