Leon Camier (Red Bull Honda): «Fundamental falsch»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Leon Camier auf dem Chang Circuit in Buriram

Leon Camier auf dem Chang Circuit in Buriram

Im zweiten Rennen der Superbike-WM in Buriram sahen wir zum ersten Mal die neue Honda Fireblade auf Pole-Position. Es dauerte nur zwei Kurven, bis Leon Camier durchgereicht wurde – die Gründe dafür.

Nach seinem feinen vierten Platz im ersten Rennen durfte Leon Camier (Red Bull Honda) den zweiten Lauf von Startplatz 1 in Angriff nehmen. Der Engländer bog als Erster in die Startkurve ein, doch schon vor Kurve 2 bremsten sich die beiden Yamaha-Werksfahrer Michael van der Mark und Alex Lowes an ihm vorbei. Noch in der Startrunde passierten ihn auch Marco Melandri (Ducati) und Jonathan Rea (Kawasaki).

Ins Ziel kam das Honda-Aushängeschild mit 10,647 sec Rückstand auf Sieger Chaz Davies (Ducati) als Siebter.

«Wir hatten im Rennen das gleiche Problem wie im Warm-up», grübelte Camier im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Es fehlte an Motorleistung, das Bike fühlte sich langsam an. Was genau los war, wissen wir noch nicht. Auf der Maschine fühlte sich etwas fundamental falsch an, wir fanden nach dem Warm-up aber nicht heraus, was es war.»

Während Sieger Davies in seiner schnellsten Rennrunde knapp 1/10 sec schneller fuhr als Samstag-Sieger Jonathan Rea in seiner, war Camier gegenüber dem ersten Lauf gut 3/10 sec langsamer. Wir sehen die Nuancen, in denen ein Weltklassefahrer denkt und fühlt.

«Angesichts der Umstände ist das Ergebnis okay», hielt der 31-Jährige fest. «Positiv ist, das Chassis funktioniert sehr gut, im kurvigen Abschnitt fuhr ich die zweitschnellste Zeit. Hätten wir nur die Motorleistung wie am Samstag gehabt, oder das Bike noch eine Kleinigkeit verbessert, wir hätten sicher um einen Podestplatz gekämpft. Wir hatten sogar das Potenzial für den Sieg.»

2017 fuhr der damalige Sieger von Lauf 1 (Rea) die 20 Rennrunden (91,080 km) bei zwei Grad Celsius heißeren Temperaturen zirka sieben Sekunden schneller als die diesjährigen Sieger.

Die damaligen Honda-Piloten Nicky Hayden (9.) und Stefan Bradl (10.) verloren im ersten Rennen 33 und 35 Sekunden auf Platz 1, das zweite wurde nach Abbruch und Neustart verkürzt.

Camier büßte dieses Wochenende 2,981 und 10,647 sec ein, es sind also nicht nur die Honda-Platzierungen, die deutlich besser wurden. Übrigens: Das Team fuhr auch in Thailand mit der Elektronik von Cosworth, die Umstellung auf Magneti Marelli soll zum Europa-Auftakt in Aragón Mitte April erfolgen.

«Klar nerven mich Probleme», gab der Britische Meister von 2009 zu. «Aber unser Speed ist positiv. Und das auf einer Strecke, auf der ich es nicht für möglich hielt, dass wir so schnell sind. Ich sehe jede Menge Potenzial, kann es aber kaum erwarten, dieses in gute Ergebnisse umzumünzen.»

Wir sahen ungewöhnlich viele Fahrfehler von fast allen Piloten: Hängt das mit der Hitze zusammen? Camier: «Ja, mit der Hitze und den Bremsen. Die Bremstemperaturen waren so hoch wie nie zuvor. Viele der Fahrer mit Brembo-Bremsen hatten Schwierigkeiten – sogar Johnny Rea machte Fehler, die er normal nicht macht. Unsere Nissin-Bremsen arbeiteten dagegen ordentlich.»

Mit 23 Punkten aus Thailand hält Camier nun bei insgesamt 42 und liegt auf Gesamtrang 8. Zu Platz 5 fehlen ihm nur sechs Punkte.

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