Althea-Boss Bevilacqua will offizielles Honda-Team

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Honda Japan schmiedet Pläne, um sich in der Superbike-WM neu aufzustellen. «Midori Moriwaki erzählte mir alles, sie braucht für dieses Projekt einen Logistikpartner», verriet Althea-Chef Genesio Bevilacqua.

Diese Woche wird bei einer Sitzung in Amsterdam entschieden, wie es mit Honda in der Superbike-WM weitergeht. Das japanische Top-Management denkt darüber nach, die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Partner Ten Kate Racing umzugestalten oder sogar zu beenden und das Superbike-Team neu aufzustellen.

Die Honda Racing Corporation (HRC), zuständig für die Werkseinsätze in MotoGP, der Japanischen Superbike-Meisterschaft, beim Suzuka Eight Hours, der Rallye Dakar, der Motocross-WM und in der US-MX- und SX-Meisterschaft, kann sich vorstellen, nach 16 Jahren Abstinenz in die Superbike-WM zurückzukehren. Dort war Honda letztmals 2002 werksseitig vertreten, als mit Colin Edwards der WM-Titel gewonnen wurde.

Seither gelang nur der Titel mit James Toseland 2007.

Nach den verkorksten letzten Jahren, Honda gewann im Trockenen seit Juli 2014 (Jonathan Rea in Portimao) kein Rennen mehr – seit 51 Monaten! – platzt dem japanischen Top-Management allmählich der Kragen. Dass sie mit der Fireblade seit vier Jahren in Folge beim prestigeträchtigen Langstreckenrennen in Suzuka von Yamaha vorgeführt werden, trägt ebenfalls nicht zur Stimmungssteigerung bei.

Um der werksseitigen Rückkehr in die Superbike-WM keinen allzu offiziellen Anstrich zu verleihen, soll das Moriwaki-Team vorgeschoben werden, dieses setzt in Japan Material von HRC ein.

Logistikpartner möchte das Althea-Team von Genesio Bevilacqua werden. Während des Saisonfinales in Katar arbeitete ein hochrangiger Moriwaki-Mitarbeiter drei Tage lang im abgetrennten hinteren Teil der Althea-Box, beobachtete alles genau und analysierte die Arbeitsabläufe.

«Mich verbindet eine lange und sehr gute Freundschaft mit der Moriwaki-Familie», erzählte Althea-Boss Genesio Bevilacqua SPEEDWEEK.com. «Ich hörte von den Moriwaki-Plänen und habe natürlich Kontakt mit ihnen aufgenommen. Midori Moriwaki erzählte mir alles, sie braucht für dieses Projekt einen Logistikpartner. Wir reden über eine Zusammenarbeit. Honda braucht gute Resultate in der Superbike-WM. Wenn sie mit mehr Engagement als zuletzt kommen, bin ich für alles offen.»

Seit 2016 trat Althea in der Superbike-WM mit BMW an. Bevilacqua machte schon früh in diesem Jahr klar, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem bayerischen Hersteller für ihn nur dann Sinn macht, wenn er für 2019 den Zuschlag als werksunterstütztes Team bekommt. Diesen bekam aber Shaun Muir Racing, die letzten zwei Jahre unter dem Banner Milwaukee Aprilia unterwegs. Bevilacqua bezeichnete die Gespräche mit Ducati als fruchtlos und ergänzte: «Mit Aprilia habe ich nie geredet.»

Klar ist: Der Keramik-Industrielle setzt alles auf eine Zusammenarbeit mit Moriwaki und Honda.

Dass mit der neuen Fireblade seit deren erstem Rennen im Februar 2017 nicht ein Podestplatz errungen wurde, schreckt Bevilacqua nicht ab: «Nach meinem Verständnis haben sich die Vorstellungen von Honda geändert, was das Motorrad in der Superbike-WM betrifft. Wenn Honda seine Denkweise ändert, dann profitiert die ganze Superbike-WM davon.»

Im Klartext: Wenn nicht mehr das Team für die Bikes zuständig ist, sondern die Honda Racing Corporation.

Was nur wenige wissen: Bevilacqua arbeitete schon 1999 mit Honda zusammen, damals mit dem zweifachen 125er-Weltmeister Kazuto Sakata. Als er 2006 in die Supersport-WM einstieg, tat er das mit Honda.

Honda hat für 2019 bereits Leon Camier unter Vertrag, Moriwaki kann sich vorstellen, Ryuichi Kiyonari auf die zweite Fireblade zu hieven. Der 36-Jährige fährt seit 2004 überwiegend in der Britischen Superbike-Meisterschaft, welche er 2006, 2007 und 2010 gewann. 2008 und 2009 startete er Fulltime für Ten Kate Honda in der Superbike-WM und eroberte drei Siege sowie sechs Podestplätze.

Aber Experten sind sich einig: Kiyonari gehört längst nicht mehr zu den Spitzenfahrern, ebenso wenig wie sein japanischer Landsmann Takumi Takahashi.

Die Verpflichtung von Marco Melandri wäre deutlich erfolgversprechender. «Ich habe bei HRC angefragt und nie eine Antwort erhalten», erzählte der Italiener. «Vielleicht machen sie etwas mit Moriwaki. Bevor sie so weitermachen wie jetzt, ist es besser zuzusperren. Rennen zu fahren ohne gute Ergebnisse, ist nicht gut für Honda.»

Bevilacqua möchte seinen Zögling Alessandro Delbianco in die Superbike-WM bringen, dieses Jahr wurde der 21-Jährige Siebter der Superstock-1000-EM. «Meine Teamstruktur ist gut genug, um ihn unterzubringen», hielt der Teamchef fest. «Ich habe Delbianco zugesagt, dass er in meinen Zukunftsplänen eine Rolle spielt – und ich stehe zu meinem Wort.»

Althea würde nötigenfalls drei Motorräder einsetzen.

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