Bald neuer Vertrag: «Toprak hat den Killer-Instinkt»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Phil Marron (li.) mit Toprak Razgatlioglu

Phil Marron (li.) mit Toprak Razgatlioglu

Toprak Razgatlioglu aus dem Team Puccetti Kawasaki fährt erst die zweite Saison Superbike-WM, kann aber bereits fünf Podestplätze vorweisen. Für seinen Crew-Chief Phil Marron ist der Türke ein kommender Weltmeister.

Nach Platz 2 in der Superstock-1000-EM 2017 (hinter Michael Rinaldi) wurde Toprak Razgatlioglu im Team Puccetti Kawasaki in die Superbike-WM befördert. Mit dem zweiten Platz in Donington Park und Rang 3 in Argentinien verblüffte der Schützling von Supersport-Rekordweltmeister Kenan Sofuoglu bereits in seinem Rookie-Jahr 2018.

Toprak hatte vom ersten Tag an fast identisches Material wie die Kawasaki-Werksfahrer, «aber das Team hat nicht professionell genug gearbeitet», erzählte Sofuoglu. «Deshalb haben wir für 2019 einiges geändert. Toprak muss nicht im Werksteam fahren – mein Ziel ist, dass er mit Puccetti Weltmeister wird.»

Inzwischen ist durchgesickert, dass Puccetti den Vertrag mit Razgatlioglu für 2020 verlängern wird. Das soll noch vor dem letzten Rennen vor der Sommerpause Mitte Juli in Laguna Seca verlautbart werden.

Teamchef Manuel Puccetti hat zahlreiche Gründe, mit dem WM-Sechsten weiterzumachen: Nach 19 Rennen hat er nur 32 Punkte weniger auf dem Konto als Werksfahrer Leon Haslam, mit erst 22 Jahren ist Razgatlioglu der jüngste Spitzenpilot in der Superbike-WM und die Türkische Motorrad-Föderation trägt maßgeblich zur Finanzierung des Projekts bei. Deshalb heißt das Team dieses Jahr auch offiziell Turkish Puccetti Racing.

2019 hat Toprak für Puccetti bereits drei Podestplätze errungen: Er wurde Dritter in Imola und Jerez und zuletzt Zweiter in Misano.

Einen wichtigen Teil zum Erfolg trägt sein neuer Crew-Chief bei. Phil Marron hat jahrelang mit dem 13-fachen Laufsieger und ehemaligen Vizeweltmeister Eugene Laverty gearbeitet, er kann ihn wie kaum sonst jemand beurteilen. «Er macht vieles auf dem Motorrad sehr gut», lobt der Nordire. «Dabei hat er uns sein wahres Potenzial noch gar nicht gezeigt.»

Kann er dieses in einem Privatteam wie Puccetti entfalten? «Das Werksteam ist das Werksteam», grübelte Marron im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Entscheidender ist aber, dass Toprak einen speziellen Charakter hat. Er genießt weder den Pitwalk, noch die Medien – er ist schüchtern. Im Werksteam hätte er mehr Verpflichtungen und würde es deshalb vielleicht nicht so genießen. Das Puccetti-Team ist wie seine Familie, deshalb ist er tiefenentspannt.»

Vom durchschlagenden Erfolg trennen Razgatlioglu nur seine Leistungsschwankungen. «Seine Stärke ist, mit dem Motorrad die Kurven anzudriften und es dann schnell aufzurichten», erklärte sein Crew-Chief. «Gleichzeitig ist das seine Schwäche, wenn die Strecke mehr Grip bietet – daran muss er arbeiten. Deshalb hat er auch im Qualifying so große Probleme. Oft ist er mit dem Qualifyer nicht schneller als mit Rennreifen. In Misano fuhr er mit dem Qualifyer um 0,2 sec schneller – Tom Sykes eine Sekunde. Oft muss er aus der vierten Reihe starten. In Misano kam er aus der zweiten Reihe und wir haben gesehen, was er dann leisten kann.»

In Misano kämpfte er im zweiten Hauptrennen mit dem vierfachen Weltmeister Jonathan Rea um den Sieg, kommendes Wochenende steht mit Donington Park eine Rennstrecke an, auf welcher der Türke seine Klasse bereits bewiesen hat.

Ist er ein kommender Weltmeister? «Ohne Frage, ja», antwortete Marron. «Das ist eine starke Aussage, ich glaube aber, dass ich Recht habe. Toprak fährt nicht so präzise wie Laverty, auf diesem Level ist er noch nicht. Sein Motorrad wackelt die ganze Zeit, er fährt sehr aggressiv. Aber er hat denselben Killer-Instinkt. Wenn er überholt wird, kommt sofort der Konter. Diesbezüglich haben beide Fahrer denselben Charakter. Aber wie sie fahren, und was sie von ihrem Motorrad verlangen, ist gänzlich verschieden.»

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