Weshalb sich Johnny Rea gegen die Streikenden stellte

Von Gordon Ritchie
Superbike-WM
Jonathan Rea wollte fahren

Jonathan Rea wollte fahren

Drei von vier Fahrern in der SBK Safety Commission sprachen sich bei der Superbike-WM in San Juan am Samstag dafür aus, das Rennen zu verschieben. Weltmeister Jonathan Rea war anderer Meinung.

Sandro Cortese, Chaz Davies, Eugene Laverty, Leon Camier, Marco Melandri und Ryuichi Kiyonari verzichteten wegen «lebensgefährlichen Bedingungen» auf das erste Superbike-Rennen in San Juan.

Was zum Nachdenken anregen sollte: Davies, Laverty und Camier gehören zur SBK Safety Commission. Sie sind allesamt gestandene Rennfahrer, gehören zu den Besten ihres Fachs und gelten als nicht eben zimperlich. Viertes Mitglied ist Rekordweltmeister Jonathan Rea.

14 von 18 Fahrern waren sich anfänglich einig, dass bei den am Samstag herrschenden Bedingungen kein Rennen gefahren werden kann. Die Strecke war nicht nur extrem verschmutzt und bot kaum Grip, an frisch asphaltierten Stellen trat wegen der hohen Temperatur Teeröl aus dem Belag.

Dass letztlich nur sechs Fahrer in der Box blieben und das Rennen boykottierten, hatte verschiedene Gründe. Zum einen hatten diese sechs allesamt nichts zu verlieren, während es für Alex Lowes, Michael van der Mark und Toprak Razgatlioglu um WM-Rang 3 ging. Andere wollten die Situation zu ihrem Vorteil nützen.

Außerdem übten einige Teams massiven Druck auf ihre Fahrer aus. So war im Fahrerlager von San Juan zu hören, Kawasaki hätte seinen Werksfahrern Rea und Haslam mit einer 50.000-Euro-Strafe gedroht, sollten sie nicht fahren.

«Am Wochenende wurde definitiv zu viel geredet», hielt Rea im Gespräch mit SPEEDWEEK.com fest. «Ich wollte in all’ das nicht zu sehr eingebunden werden. Fest steht: Wir fuhren bei schwierigen Bedingungen, weil diese Rennstrecke kaum genützt wird. Es hat zu wenig Gummiabrieb auf der Strecke, im Zusammenspiel mit den hohen Temperaturen war das schwierig zu handhaben. Was am Samstag passierte, war eine Farce. Ich war dummerweise zur falschen Zeit am falschen Ort und bei einem Treffen der Fahrer dabei; ich wollte von diesem Chaos nichts wissen. Es war Lowes, der mich dahinschleppte, damit ich erfahre, was los ist. Wir waren dort, um Rennen zu fahren. Ich respektiere die Meinung jener, die nicht gefahren sind. Aber sie wollten mich als Weltmeister dazu bringen, dieselbe Meinung zu haben. Sie wollten ohne Lederkombi in der Boxengasse ihren Standpunkt darlegen. Dem stimmte ich nicht zu.»

«Ich bin froh, dass ich alle Rennen fahren konnte», ergänzte der 32-Jährige. «Die Streckenbedingungen sind, wie sie sind. Daraus müssen wir etwas lernen, so etwas darf nicht passieren. Aber alle haben ihr Bestes gegeben, damit der Event stattfindet. Die Regierung hat viel investiert, um alle Streckenteile neu zu asphaltieren, auf denen letztes Jahr der Asphalt kaputt ging. Der neue Asphalt ist eben, die Strecke ist breit und hat große Auslaufzonen, ich hoffe, dass wir zukünftig in San Juan gute Bedingungen vorfinden.»

Der fünffache Weltmeister weiter: «Jedem muss klar sein: Jeder Mensch hat eine Meinung. Die Fans zu Hause vor dem Fernseher, wir Fahrer, die Journalisten. So war es auch in dem Treffen am Samstag.»

Der Meisterschaft haben die Diskussionen keinen Gefallen getan. «Ich wusste das, deshalb wollte ich mich nicht daran beteiligen», unterstrich Rea. «Chaz Davies und Eugene Laverty sagten, ich sei der Weltmeister, ich sollte ihre Meinung teilen und mit ihnen zusammenstehen. Für mich waren die Bedingungen nicht perfekt, aber wir waren dort, um Rennen zu fahren. Jeder gestartete Fahrer kam ins Ziel. Ich musste mich selbst und mein Motorrad so im Griff haben, dass ich es ins Ziel schaffe. Trotzdem verstehe ich die Sichtweisen aller, ich will diesbezüglich keine negativen Kommentare von mir geben. Die niedrigeren Temperaturen haben dabei geholfen, dass die Strecke am Sonntag in einem viel besseren Zustand war. Es gab schon am Freitagnachmittag eine schmale Ideallinie, da war es aber sehr heiß und wir bekamen deshalb wenig Rückmeldungen vom Motorrad. Letztlich waren die besseren Bedingungen am Sonntag eine Kombination aus niedrigerer Temperatur und mehr Gummi auf der Strecke.»

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