MotoGP: Ducati-Erfolg kam nicht vom Motor

BMW gräbt altes Chassis aus

Kolumne von Ivo Schützbach
Marco Melandri wollte das 2012er-Chassis zurück

Marco Melandri wollte das 2012er-Chassis zurück

Letzten Herbst prophezeite der damalige BMW Motorsport-Direktor Bernhard Gobmeier, es sei ein Fehler, das Werksteam aus der Hand zu geben.

Stephan Schaller, seit 1. Juni 2012 Leiter BMW Motorrad, sagte Mitte Juli letzten Jahres zur Entscheidung, das Werksteam in Stephanskirchen zuzusperren und in die Hände von BMW Italia zu geben: «Unsere Entscheidung ist ein Bekenntnis von BMW Motorrad zum Motorsport. Die Superbike-Weltmeisterschaft bleibt auch im kommenden Jahr für BMW Motorrad die richtige Plattform, um unsere Kompetenz als Hersteller sportlicher Motorräder kundennah zu demonstrieren. Die neue Struktur mit der Fokussierung auf ein Einsatzteam ist schlank und effizient, das Konzept ist zielführend und schlüssig. Wir freuen uns, auf den bereits bestehenden Strukturen in München und Mailand aufbauen zu können.»

Schaller war der Versuchung erlegen, mit seiner ersten großen Entscheidung gleich Millionen einzusparen. Andrea Buzzoni, der Chef von BMW Italia, hatte ihm eingeredet, dass er für weniger Geld die gleichen Erfolge für BMW holen kann. So ein Angebot nimmt ein Manager, der sich nur an Zahlen misst, gerne an. Doch Rennsport auf diese Weise hat nur selten erfolgreich funktioniert.

Bernhard Gobmeier, der damalige Motorsport-Direktor von BMW und heute Rennsport-Verantwortlicher bei Ducati Corse, hatte verschiedene Konzepte präsentiert und mehrfach darauf hingewiesen, dass es ein Fehler sei, die Entwicklung des Motorrads aus der Hand zu geben.

Für 2013 wurde ein Kompromiss gefunden: BMW München kümmert sich weiterhin um die Motoren und Elektronik, Feel Racing, das Team hinter BMW Italia, ist für das Chassis zuständig.

Melandri liegt bereits 60 Punkte hinten

Nach sechs WM-Läufen liegt Superstar Marco Melandri aber nur auf Rang 8 der WM, hat bereits 60 Punkte Rückstand auf Leader Sylvain Guintoli (Aprilia). Bei BMW Italia hieß es nach Assen, Melandri fühle sich auf dem Motorrad nicht wohl, man habe es bislang nicht geschafft, die S1000RR für ihn richtig abzustimmen.

Die Probleme sitzen tiefer. Melandri ist so unzufrieden mit dem diesjährigen Chassis, dass er für Monza das letztjährige einbauen ließ. Eine Bankrotterklärung für die Entwicklungen der letzten Monate.

Schon letztes Jahr war bei BMW in München zu hören, dass BMW Italia respektive Feel Racing weder das Know-how noch die Manpower habe, um Chassis-Entwicklungen in dem Maß zu betreiben, wie es BMW seit dem Einstieg in die Superbike-WM 2009 getan hat. Sollte sich Melandri mit dem alten Material dauerhaft wohler fühlen, hat BMW Italia ein Problem: Die letztjährigen Quellen sind versiegt und nur schwer wieder aufzubrechen.

Es zeichnete sich schon früh in der Saison ab, dass sich BMW München stärker im Team einbringen wird, als ursprünglich vorgesehen war: Um die Konkurrenzfähigkeit zu garantieren. In Monza habe ich vier BMW-Techniker aus München getroffen, so viele wie noch nie in diesem Jahr. Das alles spricht nicht für die Kompetenz von BMW Italia und die Schlagkraft von Feel Racing.

Lassen wir uns nicht von den zwei fabelhaften Siegen von Chaz Davies im MotorLand Aragón blenden. Diese kamen zustande, weil der Waliser exzellent fuhr, ein extremer Spätbremser ist und die BMW dank des starken Motors selbst aus dem Windschatten heraus nicht zu überholen war. Doch auch Davies hat Sorgen, reagiert nur nicht so sensibel wie Melandri darauf. In Assen und Monza hat er im Training trotzdem jeweils einen Motorrad-Totalschaden abgeliefert.

Kein langfristiges Bekenntnis zum Motorsport

Kommt das Team erst einmal in eine Abwärtsspirale und bleibt der Erfolg aus, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Schaller weiteres Potenzial zum Geldsparen wittert – und das Superbike-Team zusperrt. BMW hat schon in der Vergangenheit mit Ein- und Ausstiegen in die Formel 1 und DTM bewiesen, dass es konzernintern kein langfristiges Bekenntnis zum Motorsport gibt. Echte Renngene und Leidenschaft wie bei Aprilia oder Ducati zuhauf vorhanden, vermissen wir bei vielen Entscheidungsträgern in München.

BMW und Marco Melandri stehen heute schlechter da, als zum vergleichbaren Zeitpunkt letztes Jahr. 2012 hatte der 30-Jährige nach sechs Rennen 66 Punkte auf seinem Konto, 15 mehr als vor Monza. WM-Leader Max Biaggi hatte aber 19 weniger als der heutige Führende Guintoli. Melandri lag damals nur 26 Punkte hinter der WM-Führung, heute sind es 60. Jetzt hofft er, dass ihn das alte Material auf die Erfolgsspur zurückbringt. «So ein gutes Gefühl für das Bike hatte ich schon lange nicht mehr», jubelte der Italiener nach seiner Quali-Bestzeit am Monza-Freitag. «Wir wissen, was zu Beginn der Saison falsch gelaufen ist.»

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