Ducati hält die Panigale für schneller als die 1098R

Kolumne von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Weil die Erfolge mit der neuen Ducati 1199 Panigale R ausbleiben, haben Max Neukirchner und sein Team MR-Racing in den letzten Wochen viel probiert.

Statt mit der Elektronik von Magneti-Marelli wurde mit der Serienelektronik von Mitsubishi experimentiert, statt den Federelementen von Öhlins wurden welche von WP Suspension eingebaut. Doch in Moskau fährt Max Neukirchner mit dem gewohnten Material. «Die Mitsubishi-Elektronik ist leichter zu handhaben», erklärte Teamchef Mario Rubatto SPEEDWEEK.com. «Doch wenn ich schnell fahre, stoße ich mit ihr schneller an Grenzen», ergänzte Neukirchner.

Das Thema WP Suspension ist nicht vom Tisch, Moskau wäre aber der falsche Zeitpunkt für Experimente gewesen. Rubatto: «Wir haben keine Daten von der Rennstrecke. Wenn wir WP einsetzen, sind wir auf uns alleine gestellt.» So kann das Team zumindest die Daten nützen, welche Öhlins zur Verfügung stellt. Oder auch mal im Ducati-Werksteam nachhaken – auch wenn dort Öhlins-Werksmaterial verwendet wird.

Kein Umstieg auf die Ducati 1098R

Zu einem Umstieg auf den fünf Jahre alten Ducati-Oldtimer 1098R wird es nicht kommen, obwohl Neukirchner bei Tests in Misano mit diesem Motorrad auf Anhieb schnell war. Doch es stellt sich die Frage nach dem Potenzial. Die 1098R ist bis zum Ende entwickelt, schneller wird das Motorrad nicht mehr. Längerfristig sollte mit der Panigale mehr möglich sein. Wie viel in der Neuentwicklung steckt, vermögen aber nicht einmal die schlausten Köpfe bei Ducati zu sagen.

«Wenn Carlos Checa im ersten Rennen des Jahres Rundenrekord fährt und die Panigale auf Pole stellt, dann kann nicht alles am Motorrad schlecht sein», meint Ducatis Superbike-Direktor Ernesto Marinelli.

Weshalb das Motorrad heute nicht mehr so schnell ist wie zu Saisonbeginn, fragen Sie sich? Bei Ducati wird gemauschelt, dass die Entwicklung aus der Richtung lief, dass Schritte zurück statt vorwärts gemacht wurden.

Der GAU bleibt aus

Zuerst reagierte man bei Ducati mit Verärgerung auf die Experimentierfreudigkeit des deutschen MR-Racing-Teams; insgeheim war man jedoch froh. Soll doch das Privatteam all’ das probieren, was im Werksteam für öffentliche Aufregung sorgen würde. Stellen Sie sich vor, Carlos Checa würde mit der alten 1098R schneller fahren, als mit der neuen Panigale: Der Marketing-Chef von Ducati wäre suizidgefährdet. Wenn wir uns die Rennzeiten von Imola vor Augen halten, läge dieser GAU im Bereich des Möglichen.

Max Neukirchner hat für die Rennen in Moskau einen neuen Ölkühler erhalten, damit die Motortemperatur nicht wieder über 105 Grad Celsius schnellt, wie zuletzt in Imola geschehen. Beim kommenden WM-Lauf in Silverstone könnte dann auch erstmals das WP-Federbein zum Renneinsatz kommen.

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