Toni Elias’ Abrechnung mit MotoGP- und Superbike-WM

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Der Spanier Toni Elias gewann ein MotoGP-Rennen, insgesamt 17 Grands Prix und wurde Moto2-Weltmeister. Auf dem Superbike blieben ihm die Erfolge verwehrt – bis zu dieser Saison in den USA.

In der 250er- und Moto2-WM war Toni Elias eine große Nummer: Zweimal wurde er WM-Dritter, 2010 auf Moriwaki sogar erster Moto2-Weltmeister. Danach ging es steil bergab, weder in MotoGP, Moto2 noch in der Superbike-WM kam der heute 33-Jährige auf einen grünen Zweig.

Für 2016 wechselte er in die US-Superbike-Meisterschaft MotoAmerica und liegt dort zwei Rennen vor Schluss mit bislang fünf Siegen und elf Podestplätzen in 16 Läufen auf Gesamtrang 3 – hinter den Yamaha-Werksfahrern Cameron Beaubier und Joshua Hayes.

SPEEDWEEK.com traf sich mit Toni Elias (Yoshimura Suzuki) in Kalifornien zum Interview.

Toni, du genießt es, Rennen in den USA zu fahren?

Das ist eine unglaubliche Erfahrung – ich hätte niemals gedacht, dass ich das so genießen kann. Mir gefallen hier viele Dinge: die Werks-Suzuki, das Werksteam. Mit diesem Material kann ich jeden Sonntag um Siege und den Titel kämpfen. Das hat mir neue Motivation gegeben, jetzt investiere ich wieder viel Zeit in den Rennsport.

Vor dieser Saison war ich niedergeschlagen, wegen der Motorräder, die ich die letzten Jahre fuhr und den Teams, für die ich arbeitete. Viele Teams sind unseriös. Sie versprechen viel und halten wenig. Da ist es klar, dass die Motivation immer weniger wird.

Im Suzuki-Team ist das ganz anders. Auch die USA gefallen mir gut, ich lebe in Los Angeles ein bisschen den kalifornischen Traum. Für mich ist in den USA alles neu, ich lerne andere Orte kennen, das alles zusammen macht mich glücklich.

Mal sehen, was die Zukunft bringt, ob ich in den USA weitermache.

Du hast deinen Lebensmittelpunkt von Spanien nach Los Angeles verlegt?

Noch nicht ganz, aber ich bin dabei. Ich habe eine Wohnung in der Nähe von Santa Monica, ein ruhiger und schöner Ort. Dort kann ich mit dem Rennrad trainieren und zum Laufen gehen – manchmal sogar surfen. Ich habe dort Freunde, die Supermoto-Bikes haben, mit denen wir trainieren gehen. Jeden Tag denke ich mir, «das ist großartig!».

Das ist deine beste Saison, seit du 2010 Weltmeister wurdest.

Ja, absolut. Nach 2010 war es, als hätte mich jemand verflucht, ich hatte nur noch Pech. Es wurde immer schlimmer und schlimmer. Nicht nur im Rennsport, auch privat. Ich habe fünf Jahre voller Scheiße hinter mir.

Jetzt sind die guten Zeiten zurück.

Eine hübsche kalifornische Freundin hast du dir auch schon angelacht?

Nein, ich will keine. Zwei Monate, bevor ich das Angebot von Yoshimura Suzuki bekam, habe ich meine letzte Beziehung beendet.

Jetzt bin ich Single und konzentriere mich auf meinen Beruf. Ich genieße den Moment und nütze jede Gelegenheit.

Natürlich will ich die richtige Frau finden, das hat aber Zeit, im Moment ist das nicht mein Ziel. Wenn sie kommt, dann kommt sie. Ich habe zwei sehr nette und kraftvolle Freundinnen – meine Suzuki. Sie sorgen für gute Gefühle.

Hast du Interesse daran, in die Weltmeisterschaft zurückzukehren? Oder ist es auch vorstellbar, dass du deine Karriere in den USA beendest?

Keine Ahnung, was passieren wird. Wenn ich ein gutes Angebot von einem Werksteam aus der Superbike- oder MotoGP-WM bekomme, nehme ich das natürlich an. Das wird aber kaum passieren.

In den USA habe ich alles, was ich mir wünsche: Ein Werksmotorrad in einem Werksteam. Wenn ich in den Vereinigten Staaten bleibe, bis ich meine Karriere beende – kein Problem.

Mir geht es darum, dass ich glücklich bin und den Sport genieße. Wenn man die Rennen und das Training dafür genießt, dann läuft es auch.

Vor dieser Saison war ich am Boden zerstört. Jetzt habe ich ein eigenes Team in Spanien, in meiner Rennfahrerschule arbeite ich mit Kindern. Nach Laguna Seca flog ich nach Hause und habe zwei Wochen mit ihnen gearbeitet.

Am 11. September ist das letzte Rennen in New Jersey, dafür komme ich zurück in die USA. Danach werde ich mich wieder meiner Rennfahrerschule widmen. Die Kinder machen mich glücklich, ich bin aber immer noch Rennfahrer. In den USA bin ich ebenfalls glücklich.

Redest du mit Teams aus der Superbike-WM oder dem Moto2-Paddock über 2017?

Nein.

Du willst mit Yoshimura Suzuki in den USA weitermachen?

Seit kurzem gibt es die neuen technischen Regeln, jetzt können wir über die Fortsetzung des Vertrags reden. Wir haben Interesse, gemeinsam weiterzumachen.

Du bist MotoGP- und Superbike-WM gefahren. Arbeitet ein US-Topteam wie Yoshimura Suzuki auf einem ähnlichen Level?

Ich gebe dir ein Beispiel. Nicky Hayden war MotoGP-Weltmeister, 2015 musste er mit einem Schrottmotorrad darum kämpfen, in die Punkte zu fahren. So etwas ist nicht gut für die Motivation.

Jetzt fährt er Superbike-WM für das offizielle Honda-Team, hat ein Rennen gewonnen und ist dreimal aufs Podest gefahren. Aber der Wettbewerb ist hart.

So ist es auch in MotoAmerica. Wenn du die Topjungs schlagen willst, musst du hart arbeiten und kämpfen. Du kannst kein Rennen mit Vorsprung gewinnen, es streiten immer vier Fahrer bis zur Ziellinie. Cameron Beaubier ist sehr schnell, Joshua Hayes war Meister und mein Teamkollege Roger Lee Hayden ist viel besser als letztes Jahr.

Beaubier fuhr in Donington Park für Yamaha Superbike-WM, aber die neue R1 ist dort noch nicht siegfähig. Das Motorrad hat ihm nicht erlaubt, sein wahres Potenzial zu zeigen. Setz ihn auf die Werks-Kawasaki oder -Ducati und er kann gewinnen.

MotoAmerica wächst schnell, der Level steigt. Jetzt brauchen wir Honda und Kawasaki zurück, auch andere Marken, um mehr Topmotorräder zu haben. Im Moment klafft eine große Lücke zwischen den vier Superbikes von Suzuki und Yamaha sowie den restlichen Stockbikes. Auch bei den Fahrern gibt es große Unterschiede, einige von ihnen sind Amateure. Das ist manchmal gefährlich, wenn einer sechs oder sieben Sekunden pro Runde langsamer ist.

Wie in jeder anderen Meisterschaft ist auch in MotoAmerica das Wichtigste, dass du eine Werksmaschine hast. Hast du keine, leidest du wie in MotoGP oder SBK.

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