Speedway-GP-Sieger Martin Smolinski setzt Gegner K.O.

Von Ivo Schützbach
Speedway-GP

Es war der stolzeste Moment für den deutschen Speedway-Sport seit Egon Müller 1983 in Norden Weltmeister wurde: Martin Smolinski gewann den Neuseeland-GP in Auckland!

Trotz Sturz in seinem vierten Vorlauf schloss Martin Smolinski die Vorläufe in Auckland mit zehn Punkten als Dritter hinter Nicki Pedersen (15) und Krzysztof Kasprzak (13) ab. Zwar war der Bayer punktgleich mit drei anderen Fahrern, hatte aber die beste Majorität der Plätze.

Die erste Sensation war perfekt!

Im Halbfinale führte «Smoli», ließ sich aber von Kasprzak überrumpeln. Rang 2, die zweite Sensation. Martin Smolinski in seinem ersten Grand Prix als Fixstarter im Finale!

Im Finale war der 29-Jährige nach dem Start von der äußersten Startposition Letzter. Erst schnupfte er Fredrik Lindgren, dann nutzte er das Gerangel zwischen Pedersen und Kasprzak und fuhr innen durch an die Spitze! Smolinski gewann den Grand Prix von Neuseeland. Zum ersten Mal seit 31 Jahren ertönte nach einem Weltfinale oder Grand Prix wieder die deutsche Nationalhymne. Die wenigen anwesenden deutschen Fans flippten aus, waren zu Tränen gerührt – Smoli machte sich zum Gott. In der Weltmeisterschaft liegt er jetzt auf Rang 3!

SPEEDWEEK.com sprach exklusiv mit dem Sensationssieger.

Martin, das Halbfinale war dein Ziel. Wenn du dort erst einmal bist, ist alles möglich. Aber sei ehrlich: Du hast doch nicht mit dem GP-Sieg gerechnet, oder?

Ich fahre ja nicht raus, um zu verlieren. Das Ziel ist immer zu gewinnen. Aber im GP muss ich die Kirche im Dorf lassen. Wichtig sind Punkte und nicht der Sieg bei der Veranstaltung. Mir kam entgegen, dass es keinen Bahndienst mehr gab. Meine Motoren funktionierten innen wie außen. Viele haben mich in den letzten fünf Jahren als dummen Innenfahrer belächelt. Aber wenn man clever genug ist und die Leistung zum rechten Moment auf den Boden bekommt... Ich bin von drei auf eins vorgefahren. Ich war fast nur innen, habe ein- oder zweimal Schwung aufgebaut. Wenn man die Konkurrenz lesen kann...

Da muss ich auch ein riesiges Dankeschön an meinen persönlichen Fitnesstrainer aussprechen. Ich habe im Winter beim Boxtraining gelernt, in Extremsituationen kühlen Kopf zu bewahren, einen Schritt zurück zu machen und im richtigen Moment zuzuschlagen. Ich habe nicht in der zweiten oder dritten Runde zugeschlagen, sondern erst in der vierten. Ich habe sie mir hergerichtet. Die vorne haben sich stark bekämpft, sie haben einen Fehler gemacht, die Deckung war offen und dann kam der K.O.-Schlag und ich war durch.

Hast du dich bei Pedersen bedankt, dass er Kasprzak aus dem Weg geräumt hat?

Die haben sich einfach gegenseitig ein bisschen... that’s Racing, dafür sind wir da. Es war extrem hart und fair. Ein dickes Kompliment an Nicki. Es macht extrem Spaß mit ihm zu fahren und zu arbeiten. Er ist extrem hart, aber sobald der Helm herunter ist, kann man die besten Freunde sein. Wir sind aber nicht hier, um uns Freunde zu machen, sondern für Business.

Du hast auch im Speedway-GP von Anfang an den Mund aufgemacht und gesagt, was dir nicht gefällt. Das haben dir viele andere Fahrer nachgetragen, deine Woche war nicht einfach.

Wir wollen einen Schritt nach vorne machen. Es gab in den letzten Tagen einige Schwierigkeiten, speziell im Fahrerlager mit ganz vielen Angelegenheiten. Ich hatte aber einen sehr guten Rückhalt von den oberen Leuten, ein Dankeschön an BSI und die FIM, sie standen zu 100 Prozent hinter mir. Man sieht: Die deutsche Professionalität wird auch hier im Grand Prix bekannt, die Leute haben es gesehen. Wir sind aber nicht nur professionell und perfekt in der Box und in der Vor- und Nachbereitung, sondern waren auch brutal schnell auf der Rennbahn.

Wie gehst du jetzt mit dem Erwartungsdruck um? Niemand kann erwarten, dass du dieses Jahr, zwei, drei oder fünf Grand Prix gewinnst.

Ich habe gezeigt, was ich kann. Ich habe keinen Druck, den habe ich mir jetzt selbst genommen. Es gibt andere Fahrer, die haben fünf oder acht Jahre gewartet, bis sie einen GP gewinnen. Ich habe gleich den ersten gewonnen, was soll ich da sagen?

Es war dein zweiter Grand Prix.

Ja, richtig. Aber der erste als fester Grand-Prix-Fahrer. Mein Team und ich haben die letzten Wochen Tag und Nacht gearbeitet: an der Box, an den Maschinen, an meinem Körper. Bevor das Material verladen wurde, stand ich noch einen ganzen Tag in der Werkstatt und habe das Material durchgecheckt und noch Zündanlagen umgebaut. Man sieht jetzt, dass sich die akribische Arbeit, die Zielstrebigkeit und geradlinige Arbeit, nicht links und nichts rechts schauen, auszahlt.

Damit kommen zwar viele Menschen nicht zurecht, aber es funktioniert. Viele verstehen meinen Weg nicht, weshalb ich so direkt und ehrlich bin. Geht ins Kino und schaut euch den Film «Rush» über Niki Lauda und James Hunt an. Ich bin ein brutaler Fan von Motorsport und solchen Leuten. Was Lauda an den Tag legt, seine Professionalität, hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Ich bin Deutscher, er Österreicher, wir sind nicht ganz so weit von einander entfernt. Der Weg funktioniert.

Ist dir bewusst, dass dein Sieg das Größte im deutschen Speedway-Sport seit Egon Müllers WM-Titel in Norden 1983 ist?

Ich weiß es. Und es ist faszinierend für mich. Ich habe gezeigt, wo es langgeht. Mich würde es freuen, wenn die deutsche Presse davon mitbekommt. Ich werde mich nachher noch mal mit Herrn Bellamy von BSI zusammensetzen und besprechen, wie es mit einer Speedway-Übertragung in Deutschland aussieht. Vielleicht kann ich meinen Teil dazu beitragen. Ich werde alles daran setzen, dass der Sport in Deutschland wieder im Fernsehen kommt. Wenn es hilft, werde ich auch Sponsoren suchen, die dafür bezahlen

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