Nachruf zum verstorbenen Walter Lechner senior

Von Gerhard Kuntschik
Sportwagen
Walter Lechner senior erlag seiner kurzen, schweren Krankheit, die er vor wenigen Monaten erst bestätigt bekommen hatte. Im Gedenken an Walter Lechner: außergewöhnlicher Mensch, außergewöhnliche Karriere.

Eigentlich sollte er Gastronom werden. Denn diesen Beruf erlernte er an prominenter Ausbildungsstätte, im Wiener Hotel Sacher. Dass der Lehrling dort schnell in Englisch und Französisch sattelfest wurde, ebnete ihm später viele Türen. Doch Walter Lechner war auch begeisterter Musiker. Es verschlug ihn nach Faistenau im Salzburger Land, wo er eine Diskothek übernahm und dabei alles selbst machte: Vom Barkeeper bis zum DJ.

Dass er als «Spätberufener» und eigentlich nur aus Neugierde 1975 im Motorsport begann, weil er am nahen Salzburgring einmal einen Formel Ford «probieren» wollte, war alles andere als geplant. Überzeugend war seine sympathische, ehrliche Art: Straight forward, sagten dann später alle, die mit ihm im Rennsport zu tun hatten. Und wussten: Eine Vereinbarung mit Walter galt per Handschlag. Lechner war ein harter Verhandler, ob als Fahrer mit seinen Chefs, mit den Sponsoren, oder später als Rennschul- und Teambesitzer. Das wussten auch seine Söhne, Robert (43) und Walter jun. (39), deren Karrieren er förderte, aber in seinen «Zeugnissen» unbeeinflusst und beinhart war. Und er hatte stets die Rückendeckung seiner Gattin Christine.

Was Walter Lechner auszeichnete, war sein durch erhaltene Bodenständigkeit ausgeprägter Realitätssinn. So konnte der Formel-Ford- und Formel Super Vau-Europameister auch nach tadellosen Leistungen in der Formel 3 einsehen, dass es für den Traum Formel 1 nicht reichte. Doch er fand dennoch einen Weg, F1-Boliden zu «erfahren», als er einen March und einen Williams in den 1980ern erwarb, die Monoposti mit Verkleidung zu Sportwagen umbauen ließ und damit in der Interserie, der damaligen Sportwagen-EM, von Titel zu Titel fuhr – stets mit ausreichender wirtschaftlicher Rückendeckung durch Sponsoren, wie es kaum anderen heimischen Rennfahrern gelang.

Lechners Marketingtalent war so groß wie sein fahrerisches. Weil er mit Leistung zurückzahlte, wurde er von allen Partnern geschätzt. So schaffte er auch den Sprung nach Amerika, bestritt 1984 die CanAm-Meisterschaft und wurde dort Gesamtfünfter – nach einigen Abenteuern durch haarsträubende Unfälle, die er unbeschadet überstand. In der Sportwagenszene war der Faistenauer, der privat Porsche 956 und 962 auch in WM-Läufen einsetzte, längst eine fixe Größe, kam zur Teilnahme an den 24 Stunden von Le Mans – doch blieb ihm dort versagt, was Walter jun. 2002 sensationell schaffen sollte: Den Klassensieg bei den kleineren Prototypen. Da hatte längst auch der ältere Sohn Robert für Furore in Formel Renault, Formel 3 und im GT-Sport gesorgt.

Die eigene Karriere in der Formel 1 blieb dem Salzburger versagt, doch Talenten, die er in seiner Rennfahrerschule ausbildete, gab er das erste Rüstzeug mit: Von Stefan Bellof bis Roland Ratzenberger machten viele Karriere, die bei Lechner lernten (und oft auch schraubten).

So spät, wie Lechner in den Motorsport einstieg (mit 26 Jahren), so spät beendete er auch die aktive Laufbahn, als er 1995 zum «Drüberstreuen» die österreichische Tourenwagen-Meisterschaft gewann. Damit konnte sich Lechner ganz auf das Management seiner Teams konzentrieren. Die Verbindung zu Porsche wurde noch intensiver: Lechner Racing stieg in den Supercup ein und wurde dort Serienmeister als Team wie mit seinen Fahrern. Vor zehn Jahren gründete er den Porsche-Cup im Mittleren Osten, wurde zum größten Porsche-Kunden in der Cup-Szene. Sowohl bei den Renneinsätzen als auch in der Schule wurde er längst von seinen Söhnen unterstützt, die sich prächtig ergänzen: Walter jun. mit Technik-, Robert mit Marketingtalent.

Die Familie konnte Geheimnisse bewahren, denn als sie im April 2019 wieder Gast bei der Leonidas-Sportgala der 'Salzburger Nachrichten' war, wusste nur der Senior nicht, dass er dort den Preis für sein Lebenswerk erhalten würde – mit einer ergreifenden Laudatio seines früheren Rivalen und langjährigen Kumpels Hans-Joachim Stuck.

Der Musiker und Musikfan Lechner sagte unserem Kollegen Othmar Behr an seinem 60. Geburtstag: «Aufhören? Solang der Mick Jagger auf den Bühnen tanzt, kann ich nicht aufhören.»
Es ist sich leider nicht ganz ausgegangen.

Die Nachricht am Mittwochmorgen, der Anruf von Robert, ich wollte alles nicht glauben. Und doch war es so: Walter Lechner, Salzburger Motorsportlegende mit Bekanntheit weit über Österreich hinaus, erlag seiner kurzen, schweren Krankheit, die er vor wenigen Monaten erst, just an seinem 71. Geburtstag, bestätigt bekommen hatte.
Pfiat di, Walter.

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