Supersport-WM

Randy Krummenacher vor wichtigstem Tag seines Lebens

Von - 24.10.2019 09:48

Nach 14 Jahren hat mit Randy Krummenacher wieder ein Schweizer die Chance, einen WM-Titel auf der Straße zu gewinnen. Der Yamaha-Pilot hat vor dem Supersport-Finale in Katar acht Punkte Vorsprung.

Das verkorkste Rennen in Argentinien (Platz 7) und die anschließenden Vorwürfe an das Team Bardahl Evan Bros Yamaha, sein R6-Motor wäre deutlich langsamer gewesen als der von Teamkollege und WM-Widersacher Federico Caricasulo, haben an den Nerven von Randy Krummenacher gezehrt.

Inzwischen hat sich der 29-Jährige besonnen und sagte am Mittwochabend: «Ich bin mental völlig frei. Auf diesen einen Tag arbeite ich hin, seit ich Rennen fahre. Ich werde es ganz cool angehen, wie jedes andere Rennen. Ich weiß, meine Crew erledigt einen Hammerjob, wir sind von unserer Basis sehr gut. Und die Strecke kenne ich abgesehen von Cluzel wie kein anderer. Darum fühle ich mich gut und glaube daran.»

Am kommenden Samstag hat Randy die Chance Weltmeister zu werden; erster Schweizer Champion auf der Straße seit Tom Lüthi 2005 in der 125er-Klasse. Es soll der größte Tag im Leben von Krummi werden.

Gemeinsam mit SPEEDWEEK.com blickte er in Katar auf seine Zeit in der Supersport-WM seit 2016 zurück.

Randy, nach fünf Jahren in der Moto2-WM, in denen du es nie aufs Podest geschafft hast, folgte im Winter 2015 der Wechsel in die Supersport-WM und zu Puccetti Kawasaki. Im Februar 2016 hast du den WM-Auftakt in Australien gewonnen und führtest die Weltmeisterschaft an. Das war ein beeindruckender Klassenwechsel.

Für mich begann alles im Brünn-GP 2015. Ich habe mir wie immer das Herz aus dem Leib gefahren, habe alles gegeben und wurde 20. oder so. Am Sonntagabend sagte ich zu mir, dass ich das nicht mehr mache, dass ich etwas anderes brauche.

Ein gewisses Budget konnte ich aufgrund von Sponsoren, die an mich glauben und Rennsport-verrückt sind, generieren, wie jedes Budget hatte es aber sein Limit. Es ist mir nie gelungen das Limit so zu setzen, dass es für den Grand-Prix-Sport reicht.

Ich kann nicht verstehen, wie Grand Prix so teuer sein kann. Das haut jeden Normaldenkenden um.

Ich hatte schon vorher die Gedanken mit der Supersport-WM. Supersport ist super, weil es mit meinem Budget gereicht hat, um in ein Topteam mit einem Topmotorrad zu gehen – und mit genügend Tests. Ich habe dann angefangen das zu realisieren. Einfach war das nicht, weil meine Sponsoren sehr Grand-Prix-fokussiert sind, wie alle in der Schweiz. Das kommt im Fernsehen und nur das zählt – nur die sind schnell und brutal. Superbike, was ist das?

Ich konnte sie alle begeistern und habe mein Erspartes voll eingesetzt und meinen Joker gezogen. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt.

Ich hatte immer den richtigen Respekt vor der Supersport-Klasse. Man darf nicht denken, ich bin Moto2-Fahrer und fahre in der Supersport-WM deshalb locker in die Top-5. Das ist nicht so. Wenn du die Supersport-Zeiten siehst, dann haben wir in Jerez im Qualifying eine halbe Sekunde verloren. Mit einem Motorrad, das 30.000 Euro kostet – eine Moto2-Maschine kostet 120.000.

Ich konnte mich im Winter auf 2016 gut vorbereiten und war mit meinem Mechaniker viel in Cartagena, bin viel gefahren und habe das sehr ernst genommen. Ich war extrem motiviert: Es war etwas Neues und ich wusste, dass ich mit einem guten Paket, das ich bei Puccetti hatte, zeigen kann, was ich wirklich draufhabe.

Natürlich fragte ich mich vor dem ersten Rennen in Australien, ob ich das alles bestätigen kann. Aber dann lief es schon bei den Tests super – mit dem Rennsieg habe ich nicht gerechnet. Kenan Sofuoglu war sehr stark, aber der Hinterradreifen war immer ein Thema. Ich habe die Hinterradreifen mit meiner Fahrweise schon immer geschont, das Supersport-Motorrad kommt mir entgegen.

So ging das Abenteuer los. Das war eine super Saison, ich bin Dritter geworden und war vielleicht zu stark. Kenan musste ganz klar gewinnen, dem ist nichts hinzuzufügen.

Gegen Ende Saison kamen schwierige Rennen, es lief nicht mehr so gut wie am Anfang. Aber ich war dankbar und habe gezeigt, dass ich ein schneller Motorradfahrer bin.

Wie bist du als Moto2-Pilot auf Puccetti aufmerksam geworden?

Das war mein Gefühl, ich habe das entschieden. Wir waren auf Facebook befreundet, also habe ich ihm geschrieben. Er hat sofort Gefallen daran gefunden, mit allen gesprochen und gesagt, dass er das macht.

Dann kam gleich die Idee mit der Superbike-WM 2017. Das war gut und eine sehr gute Erfahrung, ich liebe die 1000er. Aber dort war es mit dem Budget wieder so, dass wenn du das Minimumbudget nicht hast, es vergessen kannst. Du fährst dir das Herz heraus und es gibt trotzdem Rennen, in denen du 15. wirst. Das kann ich mir nicht erlauben. Ich habe als Schweizer einen sehr großen Nachteil, das sieht man auch dieses Jahr – gewinnen reicht nicht.

Ich bin eine Erfahrung reicher. Ich würde sehr gerne wieder Superbike fahren, aber nur, wenn ich ein Paket zusammenschnüren kann, wo ich wie in der Supersport-WM auf hohem Niveau fahren kann.

Superbike ist viel komplexer und von der Elektronik komplizierter. Es braucht eine größere Crew und eine, die viel Geld kostet, weil diese Leute wirklich gut sind. Deshalb habe ich die Pläne auch dieses Jahr wieder versenkt und bleibe sehr gerne in der Supersport-WM.

Nach dem Superbike-Abstecher hast du 2018 zum Team Evan Bros und Yamaha gewechselt.

Die Yamaha ist das beste Supersport-Bike. Evan Bros ist ein kleines Team, das keine große Show abzieht. Ich kann versichern, dass sie vom technischen Level und von der Vorbereitung des Motorrads alle überbieten.

Was für Reaktionen erwartest du im Fall des WM-Titels?

Ich habe eine große Fangemeinde in der ganzen Schweiz und spüre auch, dass ich ein Bisschen an Wichtigkeit gewonnen habe. Sie haben dieses Jahr sogar im Blick über mich geschrieben.

Den WM-Titel, den ich holen will, das mache ich für mich, für niemanden sonst. Ich freue mich sehr, dass ich viele Emotionen schenken kann. All den Leuten, die mich unterstützt haben, während der 24 Jahre, seit ich Motorrad fahre. Ich bin jedem Einzelnen extrem dankbar, auch wenn er heute nicht mehr in meinem Boot dabei ist. Es freut mich, wenn ich ihnen etwas zurückgeben kann.

Wenn ich gut bin, hilft das unserem Sport. In dem Sinn, dass mehr geht beim Nachwuchs oder in der Föderation. Weil ich als Schweizer beweisen kann, dass es geht, auf höchstem WM-Niveau zu fahren – und das nicht nur im Grand Prix. Ich hoffe, dass ich die Augen der Leute ein bisschen mehr aufmachen kann. Dass es eben nicht nur Grand Prix gibt.

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