Thierry van den Bosch: «Wäre froh über Schmerzen»

Von Markus Niegtsch
Supermoto-S1-WM
Thierry van den Bosch ist frustriert

Thierry van den Bosch ist frustriert

Mr. Supermoto Thierry van den Bosch wird 2014 zum ersten Mal seit über zehn Jahren nicht an der Supermoto-WM teilnehmen. SPEEDWEEK.COM traf ihn zum Exklusivinterview.

Bereits letztes Jahr konnte der vierfache Weltmeister Thierry van den Bosch am Auftakt nicht teilnehmen und ist erst später mit TM in die Saison eingestiegen. Ende der Saison hatte er Sensibilitätsprobleme in der rechten Hand. Dieses Jahr könnte die erste Saison seit Langem werden, in der VdB nicht in einer Zeitenliste der Supermoto-WM auftaucht.

Thierry, was macht deine Hand?

Das Problem ist leider immer noch da, beziehungsweise wieder aufgetaucht. Ich habe über den Winter eine Infiltration mit Kortison bekommen, sodass ich keine Probleme hatte. Jetzt habe ich für TM getestet und in meiner Supermoto-Schule Kurse gegeben, bin also ein paarmal gefahren. Jetzt fängt es wieder an, dass die Hand taub wird. Es ist leider die rechte Hand und es ist denkbar ungeeignet für einen Motorradfahrer, wenn er in der Gashand kein Gefühl hat.

Sind der Handbruch, den du dir 2012 in der Schweiz zugezogen hast, beziehungsweise die Unfälle, die du beim Training zu Saisonende 2013 hattest, die Ursache für das Problem?

Das haben wir auch erst in Erwägung gezogen. Ich war bei relativ vielen Ärzten und wir haben die Ursache lange nicht gefunden. Aber wie es scheint, wissen wir jetzt, woher es kommt. Ich habe mir 2005 die linke Schulter gebrochen. Dabei wurde auch ein Nerv im Bereich des Deltamuskels durchtrennt. Man hat mir zwar anschließend einen Nerv aus der Wade des linken Beins entnommen und oben eingesetzt, aber der Nerv konnte nicht wiederhergestellt werden. Durch diese Verletzung hat sich der linke Deltamuskel fast komplett zurückgebildet.

Wenn ich jetzt fahre, muss mein rechter Arm zusätzliche Arbeit leisten, um den Lenker zu halten, stabilisieren etc. Arbeit, die normalerweise der linke Arm mit übernommen hätte. Durch diese Beanspruchung ist es zu einer Entzündung gekommen, die wiederrum dazu geführt hat, dass sich im Bereich des rechten Handgelenks Flüssigkeit angesammelt hat, die auf den Nerv drückt. Durch die Kortison-Infiltration wurde die Entzündung gehemmt, dadurch ist die Flüssigkeitseinlagerung zurückgegangen und der Druck auf den Nerv hat nachgelassen – ich konnte wieder etwas spüren. Durch das Fahren ist es wohl wieder zu einer Reizung gekommen, welche die Entzündung, damit die Flüssigkeitseinlagerung und letztendlich den Druck auf den Nerv wieder verstärkt hat.

Wo genau ist der Schmerz?

Schmerzen habe ich keine. Ich wäre froh, wenn ich Schmerzen hätte, dann könnte ich Mittel nehmen. Aber so habe ich einfach kein Gefühl. Es ist, als ob der Arm, die Hand eingeschlafen wäre. Es ist in der Nähe des Carpaltunnels, aber etwas weiter oberhalb. Also nicht das klassische Carpaltunnel-Syndrom, an dem andere Fahrer leiden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ich habe am 29. April einen Termin bei einem Spezialisten in Frankreich. Da wollen wir eben genau das klären. Es kann sein, dass wir operieren werden, wenn wir uns davon Erfolg versprechen.

Welche Konsequenzen hat das für dich als Fahrer und für deine Karriere?

Es ist momentan keine einfache Situation. Ich sitze auf dem Motorrad, aber es macht keinen Spaß. Ich habe nicht die Kontrolle und kann nicht so fahren wie ich weiß, dass es möglich ist. Danach steigst du frustriert vom Motorrad.

Motorrad fahren ist mein Leben und ich habe schon schwierige Situationen gemeistert. Nach dem Unfall 2005 habe ich auch nicht aufgegeben und bin noch zweimal Weltmeister geworden. Aber so macht es keinen Spaß. Ich weiß auch nicht, ob ich auf die Strecke raus will, dabei mehr als eigentlich nötig wäre riskieren, um dann um einen achten Platz zu kämpfen.

Da die Situation aktuell so ist, habe ich schweren Herzens entschieden, in diesem Jahr vorerst nicht zu starten. Ich will abwarten, wie sich meine Hand entwickelt und hoffe, dass ich baldmöglichst wieder Gefühl darin habe, um dann wieder richtig fahren zu können. Solange werde ich mich verstärkt meiner Supermoto-Schule widmen und auch die Arbeit mit dem Französischen Verband intensivieren.

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