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DTM

Kolumne

Vor 25 Jahren starb «John Winter»

SPEEDWEEK.com-Kolumnist Rainer Braun erinnert zum 25. Todestag von «John Winter» alias Louis Krages an einen ganz besonderen Hobby-Rennfahrer, der auf der ganzen Welt Erfolge und Pokale sammelte.

Rainer Braun

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Doppelsieg auf der Avus 1984: «John Winter» und Hans J. Stuck
Doppelsieg auf der Avus 1984: «John Winter» und Hans J. Stuck
Foto: Archiv Braun
Doppelsieg auf der Avus 1984: «John Winter» und Hans J. Stuck
© Archiv Braun

Als sein vermutlicher Todestag gilt ein Zeitraum zwischen 10. und 17. Januar 2001, so genau ist das von den US-Behörden nicht überliefert. Er starb mit 51 Jahren nach einem Suizid in seiner kleinen Wohnung im Bundestaat North Carolina, als offizielle Todesursache gilt eine Schussverletzung. Als man ihn fand, war er laut US-Staatsanwaltschaft schon mindestens drei bis fünf Tage tot.

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Mit bürgerlichem Namen hieß «John Winter» Louis Krages. Der Holz-Kaufmann aus Bremen hatte sich das Pseudonym mit Rücksicht auf seine Mutter zugelegt, der er versprechen musste, auf die Rennerei zu verzichten. Überdies wollte er seine Rennsport-Aktivitäten bewusst vom Geschäftsbetrieb seines Holzhandels trennen. Dazu hat er mir mal gesagt, dass es «fürs Geschäft besser ist, wenn die Kundschaft nichts von meiner Rennerei weiss».

Als die schockierende Nachricht Deutschland erreichte, war ich gerade dabei, ein Portrait über ihn zu schreiben. Dazu hatte ich einige private Fotos unter seiner US-Mailadresse angefordert. Als die Bilder auf sich warten ließen, schickte ich ihm eine freundliche Erinnerung.

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Daraufhin witzelte er in einer seiner vermutlich letzten Mails (Absender lk@evertoys.com) mit dem ihm eigenen, beissenden Spott: «Lieber Rainer, alles Gute Dir und Deiner Familie für 2001. Die Weihnachtszeit hatte offensichtlich grossen Einfluss auf die Geschwindigkeit der UPS Ruderboote auf dem Atlantik. Bilder sind seit Jan. 6 auf dem Weg. Sollten sie nicht in dieser Woche eintreffen, melde Dich doch bitte noch einmal damit ich dir eine Kopie schicken kann. Louis.» Als die Fotos wenig später eintrafen, war Louis vermutlich schon tot.

Zwischen 1976 und 1995 sammelte der stets gut aufgelegte Norddeutsche fast 20 Jahre lang auf allen Rennstrecken dieser Welt Erfolge und Pokale, zumeist mit seiner Hausmarke Porsche, zum Schluss auch auf Mercedes und Opel in der alten DTM.

Beim Le Mans-Sieg 1985 (zusammen mit Klaus Ludwig und Paolo Barilla) kam durch die TV-Bilder von der Siegerehrung alles raus. Die Mutter war entsetzt, der Sohn in Erklärungsnot. «Danach habe ich den ‚John Winter‘ einfach behalten, denn unter meinem richtigen Namen hätten die Zuschauer nichts mit mir anzufangen gewusst.»

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Als weitere Höhepunkte in der Karriere des Edel-Amateurs galten der Gewinn der Interserie und des hochdotierten Porsche-Cups. Louis Krages war zu seiner Zeit der Mann mit den meisten Rennen im Porsche 956/962 (insgesamt 123). Alles in allem kam er sogar auf über 250 Porsche-Starts, zuerst bei Porsche Kremer und danach bei seinem Freund Reinhold Joest.

Danach zog es ihn in die DTM, wo er nach zwei frustrierenden DTM-Jahren im Opel-Calibra 1995 seine aktive Laufbahn beendete. Der Wechsel vom Sportwagen in die DTM war für ihn sowieso schon mehr Frust als Lust, denn weder mit Mercedes noch mit Opel gelangen ihm nennenswerte Resultate. Stattdessen musste er erkennen, dass es in den von den Werks-Profis beherrschten DTM-Sprints für ihn nicht viel zu gewinnen gab.

Als Tiefpunkt gilt sein furchterregender Feuer-Unfall im DTM-Calibra 1994 auf der Berliner Avus, «der mir», so Krages mit dem ihm angeborenen Sarkasmus, «nochmal zu einen richtigen Popularitätsschub verholfen hat.» Der Calibra krachte im Highspeed-Bereich in die Streckenbegrenzung und er konnte sich gerade noch mit eigener Kraft aus dem explosionsartig im Vollbrand stehenden Auto retten. Die Frage, wie es ihm geht, beantwortete er auf seine Art: «Gut soweit, fühle nur ein bisschen angebrannt oder besser gesagt angekokelt.»

Durch die Behebung der unfallbedingten Streckenschäden war das Rennen auf der Avus damals für fast drei Stunden unterbrochen und sorgte mit fünfeinhalb Stunden Gesamtsendezeit auch für die vermutlich längste TV-Übertragung der DTM-Geschichte. Denn 3sat blieb durchgehend auf Sendung und verbrauchte dabei sämtliche Vorräte der Füll-Beiträge im gut gefüllten Archiv.

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Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der Bremer im US-Bundesstaat North Carolina als Berater einer amerikanischen Firma für Holzspielzeug. Die beruflichen und menschlichen Enttäuschungen nach dem Ende seiner Motorsport-Karriere hatten ihm jedoch schwer zugesetzt und tiefe Narben in seiner Seele hinterlassen.

Das Lachen war dem fröhlichen Norddeutschen mit der Gabe, stets die besten Witze der Branche parat zu haben, gründlich vergangen. Zuerst erzwang die finanzielle Schieflage seines Bremer Holzhandelsbetriebs einen Besitzwechsel und wenig später zerbrach auch noch seine zweite Ehe. Drei Töchter und ein Sohn erinnerten ihn an die besseren Tage seines Lebens.

Er hatte alle Verbindungen nach Deutschland gekappt, nur mit seinem Freund und Vertrauten Reinhold Joest gab es noch regelmässigen Kontakt. Aber der Motorsport fehlte ihm sehr, noch in einem seiner letzten Telefongespräche kurz vor Weihnachten gestand er mir, wie gerne er wieder «irgendwas in der Racing-Szene machen würde, egal ob nun hier in den USA oder in Deutschland».

Zwar schaute er sich die NASCAR-Rennen an und besuchte die Formel 1 in Indy, aber das Leben der einstmals so sorglosen hanseatischen Frohnatur war ernster und einsamer geworden. «Wie es einem halt so geht, wenn man alles verloren hat und allein in einem fremden Land wieder bei Null anfangen darf.»

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Der Tod kam schneller als die vermissten Fotos. «John Winter» alias Louis Krages hat uns als Sportler und als Mensch immer viel Freude und Spass vermittelt. Er war einfach ein sensationell guter Typ, an den man sich auch nach einem Vierteljahrhundert noch gerne erinnert.

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