Harley-Davidsons Vorstoß in die Elektromobilität ist eine Achterbahnfahrt. Nach exklusiven Preisen und homöopathischen Verkaufszahlen nun der Befreiungsschlag: Die LiveWire kostet noch 14.790 Euro.
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Es war das Jahr 2019, als in Milwaukee die Welt für Harley-Traditionalisten kurzzeitig stillstand. Harley-Davidson, die Marke der blubbernden V2-Motoren, präsentierte das Elektro-Motorrad LiveWire. Ein technisch beeindruckendes Naked-Bike mit 105 PS, bärigem Drehmoment und einem Sound, der eher an einen Kampfjet als an eine Fat Boy erinnerte. Es war ein Statement: Harley gestaltet die Zukunft. Doch das Preisschild von rund 33.000 Euro war eine Mauer, die nur wenige Enthusiasten überwinden wollten.
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Um die Elektro-Sparte agiler zu machen und die Kernmarke nicht weiter mit dem Elektro-Stigma zu belasten, gliederte Harley-Davidson die Sparte 2021 als eigenständige Marke LiveWire aus und benannte das einzige Motorrad im Modellprogramm um in LiveWire One. Die Technik blieb auf hohem Niveau: Ein 15,4 kWh großer Akku, Showa-Fahrwerk, Brembo-Bremsen und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in rund drei Sekunden. Doch während die Performance stimmte, blieben die Verkaufszahlen das Sorgenkind. Weltweit wurden 2024 lediglich 612 Einheiten abgesetzt, 2025 stieg diese Zahl nur minimal auf 653 Motorräder – Lichtjahre entfernt von den einstigen Träumen einer Massenproduktion.
Die Preisentwicklung der LiveWire One in Deutschland ist eine Geschichte der radikalen Entwertung. Bei der Markteinführung wurden 32.900 € aufgerufen, die Umbenennung in LiveWire One ging einher mit einer Preissenkung auf 24.990 €, aktuell nun ein kaum je gesehener Wertzerfall: Der Listenpreis in Deutschland wurde auf 14.790 € gesenkt. Damit ist die LiveWire One nur noch 2500 € teurer als die LiveWire S2, die aber als A2-taugliches Elektromotorrad halb so viel Leistung bietet und somit mindestens eine Klasse unter der LiveWire One angesiedelt ist.
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Die Verkaufszahlen in Deutschland waren zuletzt ernüchternd: 2025 wurden lediglich 66 Maschinen neu zugelassen. Mit dem neuen Preisgefüge positioniert sich die LiveWire One aus der Luxus-Nische zum Prohibitivpreis direkt unter die Honda WN7, die für 15.400 € angeboten wird, aber nur 68 PS bietet.
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Ob dieser massive Preisabschlag die Marke LiveWire rettet oder lediglich den Abverkauf zumindest der One einläutet, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Wer 100 Elektro-PS im hochwertigen Showa-Fahrwerk samt Brembo-Bremsen zum Preis eines Mittelklasse-Verbrenners will, sollte nicht zu lange zögern.
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