Binotto (Audi): «Ferrari imitieren? Die haben seit 2008 nichts gewonnen»
In einem Interview mit unseren französischen Kollegen von L’Équipe kann sich Audi-F1-Projektleiter Mattia Binotto einen kleinen Nadelstich gegen seine frühere Scuderia Ferrari nicht verkneifen.
Audi ist anständig in die erste Formel-1-Saison gestartet: Gabriel Bortoleto wurde beim WM-Auftakt in Australien Neunter, und Nico Hülkenberg hätte in China gepunktet, hätte ihm nicht ein 16 Sekunden langer Boxenstopp einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht.
Audi schwimmt mit dem in der Schweiz gebauten Chassis und der Antriebseinheit aus Neuburg im vorderen Mittelfeld. Projektleiter Mattia Binotto ist vor kurzem von unseren französischen Kollegen von L’Équipe befragt worden.
Der 56-jährige Binotto arbeitete von 1995 bis Ende 2022 bei Ferrari in Maranello, zunächst als Motorentechniker, später als Technikdirektor, schliesslich als Teamchef. Als Ferrari auch 2022 den WM-Titel nicht gewann, musste Binotto gehen. Für ihn kam der heutige Teamchef Fred Vasseur.
Binotto hat schnell gemerkt: Bei Audi wird anders gearbeitet als bei Ferrari. Mattia sagt: «Meine Rolle hier ist nicht schwierig, sie ist einfach anders. Die Arbeitskultur hat sich geändert.»
Mattia Binotto: «Bei Ferrari gab es keine echten Pläne»
«Bei Ferrari gab es keine formellen Abläufe, eher ein ständiges Ausprobieren mit Versuch und Fehler. Es gab keine echten Pläne, um gewisse Ziele zu erreichen. Bei Audi, geprägt von der deutschen und Schweizer Kultur, kommt zuerst der Plan. Und das passt mir, denn ich finde – ohne Plan kannst du nicht vernünftig vorgehen.»
Auf die Frage, ob Binotto wie zuvor bei Ferrari ein Super-Team zusammenstellen wolle, kann sich der Italiener einen Nadelstich nicht verkneifen: «Wieso sollte ich Ferrari imitieren wollen? Die haben seit 2008 nichts gewonnen, und ich will mit Audi siegen.»
«Bevor ich Maranello verliess, habe ich Dinge gesehen, welches es mir erlaubten, Vergleiche anzustellen. Aber es muss jedem klar sein – Erfolg kommt in der Formel 1 nicht über Nacht. Unser Plan besteht darin, über die Zeitspanne von drei Jahren das Team aufzubauen, dann wollen wir das zwei Jahre umsetzen, um danach ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitzureden. Wir haben mindestens 57 Projekte mit Meilenstein-Charakter aufgegleist.»
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