Nach Horror-Crash: Zarco bereut, dass er wieder an den Start gegangen ist
MotoGP-Routinier Johann Zarco erlebte am Sonntag einer der schwierigsten Tage in seiner Karriere. Wie er den folgenschweren Crash erlebte und weshalb es besser gewesen wäre, gar nicht anzutreten.
Die MotoGP-Community erlebte am Sonntag in Barcelona einen turbulenten Tag, an dem die Schutzengel alle Hände voll zu tun hatten. Zuerst erwischte es im Grand Prix Alex Marquez, als er in der zwölften Runde mit voller Geschwindigkeit in KTM-Werksfahrer Pedro Acosta krachte. Der Gresini-Pilot hatte viel Glück im Unglück – er zog sich bei dem Horror-Crash «nur» eine Randfraktur des Wirbels C7 und einen Bruch im rechten Schlüsselbein zu.
Johann Zarco: «War nicht mehr bei der Sache»
Beim Sturz von AM73 wurde seine Ducati komplett zerstört. Trümmerteile flogen durch die Luft und trafen auch einige der nachfolgenden Fahrer – etwa den späteren GP-Sieger Fabio Di Giannantonio, Raul Fernandez und Johann Zarco. «Ich konnte den größten Teilen ausweichen, bin aber dennoch von einem Teil am linken Fuß getroffen worden», erzählte Zarco in einem Interview mit der französischen Sport-Tageszeitung L'Équipe. «Als ich in der Box zurück war, hatte ich höllische Schmerzen. Ich habe meinen Stiefel und meinen Helm ausgezogen, mein Fuß war bereits lila angelaufen. Wir haben Eis auf die Prellung gelegt, und der Schmerz ließ etwas nach. Da hätte ich die Entscheidung treffen sollen, den Rest des Rennens aufzugeben. Die Bilder von Alex’ Unfall und dieser Schlag auf den Fuß haben mich aus der Bahn geworfen. Als wir wieder an den Start gingen, war ich nicht mehr bei der Sache.»
Zarco: «Ich schreite vor Schmerzen»
Zarco bereut somit, dass er beim Neustart wieder dabei war. In Kurve 1 krachten dann der Franzose, Pecco Bagnaia und Luca Marini ineinander. Der zweite Start gelang dem Franzosen nicht so gut wie der erste. «Dadurch hatte ich noch mehr Motorräder um mich herum. Ich wurde von (Luca) Marini im Windschatten mitgerissen und konnte nicht mehr bremsen, um ihm auszuweichen», schilderte der 35-Jährige die Situation. Beim Crash verkeilte sich das Bein von Zarco im Heck der Ducati von Bagnaia. Bis zum finalen Einschlag im Kies blieb der älteste MotoGP-Pilot mit der roten Desmosedici verbunden. «Ich überschlage mich mit seinem Motorrad und mein linkes Bein bleibt zwischen Rad, Sitz und Auspuff eingeklemmt. Ich stecke im Kiesbett fest, schreie vor Schmerzen, und alle, die um mich herum sind, trauen sich nicht, mich anzufassen – aus Angst, meine Verletzungen zu verschlimmern. Also ziehe ich an meinem Bein, und schließlich helfen sie mir. Sie lagern mich, schneiden meinen Anzug auf, geben mir eine Infusion, damit die Schmerzen nachlassen... so etwas hatte ich noch nie erlebt – es war echt beängstigend.»
Langer Weg zurück
Wie Alex Marquez hatte auch Johann Zarco bei seinem Crash riesiges Glück. Er erlitt aber Verletzungen am vorderen und hinteren Kreuzband sowie am Innenmeniskus. Zudem zog er sich einen kleinen Riss im Wadenbereich zu. Am Montag trat der LCR-Honda-Pilot die Heimreise nach Frankreich an. Am Dienstag suchte er den renommierten Kniespezialisten Dr. Bertrand Sonnery-Cottet in Lyon auf, um seinen Zustand weiter untersuchen zu lassen und die nächsten Schritte seiner Genesung festzulegen. «Nach einer gründlichen Untersuchung wird davon ausgegangen, dass er noch einige Wochen warten muss, bevor er sich einer Operation wegen seiner Bänderverletzungen unterziehen kann, damit das ursprüngliche Trauma und andere Verletzungen an seinem Knie vor dem Eingriff etwas Zeit zum Heilen haben. Nach der Operation wird ein detaillierter Rehabilitationsplan erstellt, anhand dessen das medizinische Team einen möglichen Zeitplan für seine Rückkehr einschätzen kann», hieß es in einem Statement des LCR-Honda-Teams. Wann Johann Zarco in den MotoGP-Zirkus zurückkehrt, ist somit ungewiss.
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