Unfaire F1-Regeln? VSC-Opfer Lando Norris warnt vor voreiligen Änderungen
Die virtuelle Safety-Car-Phase im Rennen auf dem Madring kostete Polesetter Lando Norris wohl den Sieg. Dennoch hütet sich der Weltmeister davor, Änderungen zu fordern. Aus gutem Grund, wie er betont.
Lando Norris machte bei der Formel-1-Premiere auf dem Madring alles richtig – und wurde dennoch nicht mit dem Sieg belohnt. Der Titelverteidiger eroberte bereits am Samstag im Qualifying die beste Ausgangslage, als er sich mit einer Zauber-Runde die Pole-Position sicherte. Auch im Rennen machte er alles richtig – dennoch musste er sich mit dem dritten Platz begnügen. Vor ihm kreuzten Sieger und WM-Leader Kimi Antonelli sowie Red Bull Racing-Star Max Verstappen die Ziellinie.
Norris hatte keine Chance, denn die virtuelle Safety-Car-Phase, die in Runde 15 nötig wurde, als Lance Stroll seinen Aston Martin-Renner wegen Bremsproblemen in Kurve 20 abstellen musste, kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für den 26-Jährigen. Während die Konkurrenz die Gelbphase nutzen konnte, um die Reifen ohne grossen Zeitverlust zu wechseln, war Norris wegen seiner Position auf der Strecke nicht in der Lage, gleich abzubiegen.
Er holte den Stopp zwar gleich nach, doch da war das Rennen wieder freigegeben und der Zeitverlust etwa doppelt so hoch wie bei seinen direkten Gegnern. «Ich war der Einzige, der während der VSC-Phase nicht stoppen konnte, und das war einfach Pech. Das ist nicht das erste Mal, dass dies passiert, ich habe auch schon vom Timing profitiert, und manchmal war es auch ein Nachteil. Aber diesmal ging es zum ersten Mal um den Sieg. Das ist natürlich frustrierend, speziell nach der starken Performance im Qualifying und meiner guten Form beim Start des Rennens. Ich habe natürlich das Gefühl, dass ich mehr verdient hätte. Gleichzeitig haben die Gegner aber auch gute Rennen gezeigt, und das muss man auch anerkennen», seufzt der 13-fache GP-Sieger.
Eine komplexe Angelegenheit
Trotz aller Enttäuschung reagiert der McLaren-Star verhalten auf die Frage, ob man die Regeln für die virtuellen Safety-Car-Phasen nicht anpassen sollte, um sie fairer zu gestalten. «Das wurde schon oft thematisiert, von unterschiedlichen Fahrern. Aber es gibt auch ein paar Dinge, die dagegen sprechen», wiegelt er ab. «Wie gesagt, ich habe vom VSC-Timing schon profitiert und es kam mir auch schon in die Quere. Und im Laufe einer Saison gleicht sich das vielleicht auch aus. Natürlich schmerzt es besonders, wenn man dadurch einen Sieg verliert. Ich hätte heute nichts besser machen können, um den Sieg zu holen. Und das macht es so schwierig, dass es ausserhalb meiner Kontrolle lag. Ich denke nicht, dass man so ein Rennen gewinnen sollte. Aber ich denke, da stimmt mir auch jeder zu. Aber so ist es im Racing, ich kann mich darüber aufregen, aber ich kann mich nicht wirklich beklagen.»
«Es gib Ideen, wie etwa die virtuelle Safety-Car-Phase so zu gestalten, dass jeder stoppen kann, oder dass man die Boxengasse schliesst und nur in Ausnahmefällen, wie etwa bei einem Plattfuss, reindarf. Es gibt ein paar Sachen, die man machen kann, damit es für alle fairer ist. Aber das ist eine grössere Diskussion, die geführt werden muss. Was macht man etwa, wenn es regnet, darf man dann rein, wenn man auf Slicks ist? Es ist also ein komplexes Thema. Und das ist nichts, was ich fordern kann, das müssen wir als Kollektiv besprechen. Klar, ich beschwere mich heute. Aber nächstes Mal könnte ich davon profitieren. Ich muss das also einfach hinnehmen, und hoffen, dass es niemandem mehr widerfährt, denn so sollte man ein Rennen nicht verlieren», betont der aktuelle WM-Vierte.
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