Kimi Antonelli nach Belgien-Sieg: «Leclerc hat mich auf Trab gehalten»
Kimi Antonelli hat den Belgien-GP gewonnen, vor Charles Leclerc und Max Verstappen. Der 19-jährige Mercedes-Pilot strahlt: «Ich bin so froh, wieder oben zu stehen. Aber es war hart gegen Leclerc.»
Das war die Leistung eines kommenden Weltmeisters: WM-Leader Kimi Antonelli hat sich den Sieg beim Traditions-GP von Belgien auf dem Circuit de Spa-Francorchamps gesichert, er gewinnt das Rennen in den Ardennen zum ersten Mal in seiner F1-Karriere.
Dies ist der sechste GP-Triumph von Kimi in der Saison 2026 und gleichzeitig sein elfter Podestplatz in der Königsklasse. Für seinen Rennstall Mercedes ist es der 139. GP-Sieg und der siebte auf der belgischen Rennstrecke.
Kimi hat nun gleich viele GP-Siege wie Tony Brooks, John Surtees, Jochen Rindt, Gilles Villeneuve, Jacques Laffite, Riccardo Patrese, Ralf Schumacher und Sergio Pérez.
Kimi auf der Auslaufrunde: «Auf geht’s! Vielen Dank der ganzen Mannschaft, das war prima Arbeit.» Antonelli liess sich in diesem Rennen nie aus der Ruhe bringen und zeigte für sein Alter einmal mehr verblüffende Reife.
Erstaunlich: Mit Sieg Nr. 6 wie Patrese ist Kimi der zweiterfolgreichste GP-Fahrer aus Italien – hinter dem grossen Alberto Ascari!
Antonelli ist nach seiner erstklassigen Fahrt hin und weg und erzählt: «Es tut so gut, wieder ganz oben zu stehen, nach einigen ganz schwierigen Rennen für mich.»
«Ich verlor in der virtuellen Safety Car-Phase die Führung und musste mich wieder zurückkämpfen. Ich bin sehr glücklich, dass mir das gelungen ist. Einfach war das heute nicht, weil Charles guten Speed hatte und mich bis zum Schluss in Atem hielt.»
Antonelli hat seinen Vorsprung in der WM weiter ausgebaut. «Aber ich will nicht an den Titel denken. Die letzten Rennen vor Belgien haben gezeigt, was alles schieflaufen kann. Heute hatte ich mal Glück, das nehme ich gerne an. Meine Taktik für die weiteren Rennen – einfach regelmässig Spitzenergebnisse einfahren, der Rest ergibt sich von selber.»
So lief das Rennen
Bei bewölktem Himmel und ein paar schüchternen ersten Tropfen auf Höhe der La Source, bei 16,8 Grad Lufttemperatur (die Bahn bei nur 28,1 Grad) machte Kimi Antonelli aus seiner Pole das Beste, er behielt die Führung, Max Verstappen ging nach La Source mit einem Batterie-Schub vorbei, aber der Italiener konterte vor Les Combes, auch Leclerc vorbei an Max.
Dahinter Berührung zwischen Hamilton und Russell, der Mercedes-Fahrer im Kies gestrandet und out, ganz wichtig für die WM, Safety-Car! Weiter hinten auch Ocon neben der Bahn, nach Berührung mit Bearman und einem Platten links vorne. Die FIA begann eine Ermittlung wegen der Kollison Hamilton/Russell.
Stand hinter dem Führungs-Mercedes von Bernd Mayländer: Antonelli, Leclerc, Verstappen, Piastri, Hamilton, Lawson, Lindblad, Colapinto, Bortoleto und Norris, Hülkenberg auf P13.
Hadjar wurde unter Gelb an die Box geholt, um dann auf harten Reifen theoretisch zu Ende fahren zu können.
Am Ende der vierten Runde (von 44) wurde das Feld wieder freigegeben. Antonelli gelang ein guter Re-Start, der Mercedes-Teenager zog sofort Leclerc davon.
Hamilton schnappte Piastri in La Source, aber der Australier konterte vor Eau Rouge, Ferrari-Fahrer Lewis hatte zu viel Batterie-Leistung verbraucht.
Antonelli hatte vorne alles im Griff. Verstappen krallte sich in Runde 6 Leclerc im Kampf um Platz 2, weiter hinten verlor Audi-Fahrer Bortoleto P10 gegen Gasly.
In Runde 7 attackierte Piastri den vor ihm fahrenden Leclerc, der Monegasse schmiss Oscar in der Busstop-Schikane die Tür zu. Piastri nahm einen neuen Anlauf – Berührung vor Les Combes! Aber beide konnten weiterfahren, allerdings flogen einige Kohlefaserteile des McLaren.
Piastri: «Charles hat mir nicht genug Platz gelassen, das hätte ein übler Unfall werden können.» Auch hier ermittelte die FIA, wegen Verursachens einer Kollision.
In Runde 9 ging Hamilton an Piastri vorbei, Lewis neu auf P4, der Wagen von Oscar offenbar beschädigt, rechts vorne am Unterboden.
In Runde 10 die Meldung der FIA: Fünfsekunden-Strafe gegen Hamilton, wegen der Kollision mit Russell.
Stand in Runde 10 (von 44): Antonelli 1,5 sec vor Verstappen, dann Leclerc, Hamilton, Piastri, Lindblad, Norris, Lawson, Colapinto und Gasly. Die Audi auf 11 (Bortoleto) und 13 (Hülkenberg).
In Runde 12 bedrängte Hamilton seinen Ferrari-Stallgefährten Leclerc, erneut schmiss Charles die Tür zu. Norris ging an Lindblad vorbei und tauchte damit auf P6 auf.
In Runde 13 neue Attacke von Hamilton auf Leclerc, erneut fuhr der Monegasse die Ellenbogen aus, Lewis am Funk: «Ich bin schneller als Charles.»
Runde 14: zweiter Ausfall des Rennens, gebrochene Aufhängung am Cadillac von Sergio Pérez.
In Runde 16 endlich eine Antwort der FIA wegen Leclerc gegen Piastri – keine Strafe. «Seltsam», fand GP-Veteran Martin Brundle, «denn sonst kennt die FIA bei solchem Abdrängen in der Bremszone kein Pardon.»
Ende der 17. Runde Verstappen an der Box, für harte Reifen. Damit bei beiden Ferrari von Leclerc und Hamilton nun hinter Leader Antonelli, der die Anweisung erhielt: «Die Reifen sind in gutem Zustand, du kannst mehr Tempo machen, wenn du willst.»
Dann virtuelle Safety Car-Phase (Streckenposten in Blanchimont, wegen Trümmerteilen auf der Bahn). Kimi Antonelli an der Box, um auf den Stopp von Max zu reagieren, neuer Leader Leclerc.
Runde 19: Leclerc 3,1 sec vor Hamilton, dann Piastri knapp vor Norris, dahinter Antonelli 2 sec vor Verstappen. In der Busstop-Schikane liess Oscar Lando passieren, bestimmt nach einem Funkspruch von der McLaren-Box.
Piastri ging wieder an Norris vorbei, erneut VSC (wieder wegen Trümmerteilen), Ferrari holte Leclerc an die Box, ebenso Hamilton, der ja noch eine Fünfsekundenstrafe absitzen musste.
Ferrari nutzte die VSC perfekt, denn Leclerc nun hinter Norris (der nicht angehalten hatte), aber vor Antonelli und vor Verstappen.
Schreckmoment bei Ferrari: Hamilton riss mit dem rechten Vorderrad einen Mechaniker zu Boden, er war dort für eine Verstellung am Frontflügel und hatte die entsprechende Anweisung sehr spät erhalten, ausser Schürfungen nichts passiert. Lewis sofort am Funk: «Ist er okay?» – «Ja, er ist okay.»
Runde 22 von 44: Norris vor Leclerc, dann Antonelli, Verstappen, Piastri, Hamilton und Hadjar. Schwer zu sagen, wieso McLaren die VSC-Phase nicht für Norris nutzte.
Runde 23: Leclerc pfiff an Norris vorbei, zeitgleich erneute Ermittlung gegen Hamilton – wegen Losfahrens in unsicherem Zustand. Das wird nach dem Rennen untersucht. Dafür gibt es normalerweise eine Strafe von fünf oder zehn Sekunden.
Hamilton am Funk: «Habt ihr den Frontflügel verstellt?» – «Nein, dazu war keine Zeit.» – «Verflucht, ich kann nicht einlenken.»
Antonelli attackierte in Runde 25 Norris, aber Lando machte seinen McLaren sehr breit. Sehr zur Freude von Leader Leclerc. Silverstone-Sieger Charles auf harten Reifen nun mit sehr gutem Tempo im Ferrari.
In Runde 26 ging WM-Leader Antonelli endlich vorbei an Norris, Kimi machte sich auf die Jagd nach Leader Leclerc.
Dritter Ausfall im Rennen: Lance Stroll (Aston Martin), wegen Kupplungsdefekts.
Stand in Runde 28: Leclerc 2,8 sec vor Antonelli, der 2,4 vor Norris, Lando knapp vor Verstappen, der hatte Piastri im Nacken, danach Hamilton, Hadjar, Bortoleto, Lindblad und Lawson, Hülkenberg auf P12.
In Runde 29 schnappte sich Verstappen den McLaren von Norris, bei der Anfahrt auf Les Combes, Norris der einzige Fahrer ohne Reifenwechsel.
Anweisung an Norris am Funk: «Ich will kein Yoyo-Racing mit Oscar, ich erkläre später wieso.» Übersetzung: Halte Piastri nicht unnötig auf.
War auch nicht nötig, denn McLaren holte Lando endlich zum Stopp auf mittelharte Reifen herein – Norris fiel zurück auf P8 hinter Bortoleto im Audi.
Stand in Runde 30: Leclerc noch 1,7 sec vor Antonelli, Verstappen 5,4 sec dahinter Dritter, dann Piastri, Hamilton, Hadjar, Bortoleto, Norris, Lindblad und Colapinto in den Top-Ten.
Runde 32: Norris vorbei an Bortoleto für P7, Leader Leclerc monierte unsauber Schaltmanöver vom ersten zum zweiten Gang.
Antonelli hatte sich nun in den Windschatten von Leclerc vorgearbeitet, in Runde 34 ging Antonelli bei der Anfahrt zu Les Combes scheinbar mühelos vorbei.
In Runde 39 machte sich Hamilton im Rückspiegel von Piastri wichtig, es ging um P4 hinter Verstappen. Eine Runde später ging der Rekord-Champion am Australier vorbei.
Kimi schaukelte das nach Hause, mit Leclerc auf P2 und Verstappen auf P3. Hamilton musste als Vierter zur Rennleitung, da könnte es noch eine Strafversetzung geben für den Ferrari-Superstar.
P5 für Piastri, dahinter Hadjar vor Norris, Bortoleto im Audi auf P8, vor Lindblad und Colapinto in den Top-Ten.
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