Sebastian Vettel: Motorrad als Mittel zur Freiheit
«Mit 16 Jahren habe ich mein gesamtes Konfirmationsgeld in eine Cagiva 125 Mito investiert», erinnert sich Sebastian Vettel, «das schärfste Gerät auf dem Schulparkplatz.»
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Sebastian Vettel, der beste Formel-1-Pilot der Gegenwart und seit Sonntag vierfacher Weltmeister, pflegte stets eine Liebe zum Motorrad.
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Immer präsent, doch oft versteckt und viel zu selten ausgelebt. ?Was lag also näher, als dem vierfachen Weltmeister eine Freude zu machen: Auf einer wunderbaren Alpenstraße hinauf aufs Furkajoch in Vorarlberg/Österreich, hatten die Hauptdarsteller bei schönstem Sonnenschein und herbstlicher Luft ihren großen Auftritt: Handverlesene Motorräder mit eleganten Namen wie Brough Superior, Norton Commander und Scott Flying Squirrel.? Angeliefert direkt aus dem Museum, keine Maschine unter 70 Jahre alt und gerade deshalb so reizend charmant, wurden alle Raritäten vom Museumsdirektor persönlich betreut. Sebastian Vettels aufregender Ausflug auf zwei Rädern: Es ist eine Liebe zu Freiheit, Technik und Schönheit der Form, eine Liebe zum Einfachen, Handgemachten, schlicht Genialen. Steigen Sie auf! (Die ausführliche Story finden Sie in der November-Ausgabe des Magazins "The Red Bulletin").
Am Furkajoch in Vorarlberg dreht ein junger Mann in stylischer Lederjacke, Jeans und mit silbernem Helm seine Runden auf einem Motorrad, das selbst die anwesenden Insider nur anhand seiner Embleme dechiffrieren können: Scott Flying Sqirrel, Baujahr 1938. ?Und man muss noch viel genauer hinsehen, um hinter dem breiten Grinsen unter dem Helm Sebastian Vettel zu erkennen, den vierfachen Formel-1-Weltmeister und Motorradfan der zweiten Stunde.
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"Ich konnte grad erst Rad fahren, da hat mein Vater eine Mini-Vespa für meine Schwester und mich gekauft", erzählte der 26-Jährige. "Bei meiner ersten Fahrt im Hof war es eiskalt, und ich habe so stark gezittert, dass ich infolge des Lenkerpendelns gestürzt bin."?
Sebastian erlebte eine normale, gesunde Jugend mit dem Zweirad als selbstverständlichem Mittel zur Freiheit: "Man konnte in die Stadt fahren, ins Freibad, Freunde treffen. Das Fahrrad war das Erste, was mir Unabhängigkeit gegeben hat." Als Teenager fuhr Sebastian Kart, da war der Mofa-Ausweis logisch: ein Rennfahrer, der mit dem Fahrrad zur Schule kommt, das ging gar nicht. "Mit 16 Jahren habe ich mein gesamtes Konfirmationsgeld in das erste Motorrad investiert, eine Cagiva 125 Mito. Von vorn hat sie ausgesehen wie eine Ducati. Es war mir ein bisschen peinlich, damit zur Schule zu kommen. Die Mito war mit Abstand das schärfste Gerät auf dem Schulparkplatz im Vergleich zu den Rollern der Mitschüler."
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Wir wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist: Die Mito stand schon aus dem Grund selten vor der Schule, weil Seb hauptsächlich damit beschäftigt war, durch diverse Nachwuchs-Rennserien zu stürmen und in weiterer Folge direkt nach (trotzdem) erfolgreich erledigtem Abitur in der Formel 1 zu debütieren. ?Die Motorrad-Gespräche daheim hörten dennoch nie auf: Sein Großvater hatte von seiner NSU Max und seiner BMW R 51/3 geschwärmt, und wie es der Zufall will, hat Sebastian erst kürzlich den Scheunenfund einer ebensolchen BMW aufgetrieben, wie sie der Opa einst fuhr. Noch ist sie nicht einsatzbereit. "Genau genommen muss man sie neu aufbauen", meint er. Seb will das eigenhändig angehen, mal schauen, wann Zeit dafür ist. ?Sebastian Vettels aktueller einspuriger Fuhrpark umfasst mit einer alten Vespa ein zweites Restaurationsobjekt, dazu einen modernen Roller für Alltagsfahrten ("unschlagbar in der Stadt"), eine KTM 690 Duke für Kurvenspaß und eine BMW S 1000 RR als ernsthaften Supersportler. ?Wer mit dem Bewegungstalent eines vierfachen Formel-1-Weltmeisters gesegnet ist, hockt sich auf jedes beliebige Gerät und sieht gut dabei aus. "Ich gewöhne mich sehr schnell an Geschwindigkeit und Bewegungsabläufe und bekomme Oberwasser. Wegen meiner mangelnden Praxis wird’s ab diesem Punkt gefährlich." Das weiß der Champion, diese Grenzen respektiert er, daher: "Ich bin keiner, der seine Reifen bis auf die letzte Kante abfährt." "Bei Motorrädern herrscht die Illusion..." Es sind eher die leichten, harmonischen Momente, die Vettel am Motorradfahren schätzt, da kann er richtig philosophisch werden: "Motorradfahren gibt einem ein Gefühl von Freiheit, das man im Auto nicht hat. Die Sinne bekommen eine andere Bedeutung. Man hat kein Radio, aber man braucht es auch nicht. Man riecht die Umgebung und nimmt sie noch stärker wahr als im Cabrio. Man kann jederzeit absteigen, auch in der Stadt. Gerade da gibt es nichts, was dem Motorradfahren das Wasser reichen kann. Man ist nicht ans Fahrzeug gefesselt. Ich finde es schade, dass das Motorrad gerade unter jungen Menschen nicht mehr den Stellenwert hat, den es früher einmal hatte."
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Die Diskussion kippt ins Grundsätzlich-Philosophische, wie das unter Bikern eben so dazugehört: "Optisch finde ich Rennmotorräder sehr ansprechend. Die kann man einfach hinstellen und anschauen, wie ein Bild, das man sich an die Wand hängt. Dann gibt es unheimlich schöne Naked Bikes, wo man mehr von der Technik sieht. Darum finde ich alte Bikes so interessant: Da kann man noch nachvollziehen, wie sie funktionieren und wie sie gebaut sind. Bei Autos ist das inzwischen sehr abstrahiert. Bei Motorrädern herrscht hingegen die Illusion, man könnte das selbst reparieren – oder wüsste zumindest, wo man angreifen muss. Ich finde es interessant, zu sehen, wie etwas funktioniert, wie Antrieb entsteht." Sollte Ihnen demnächst also ein junger Mann mit breitem Grinsen auf einem alten oder neuen, großen oder kleinen, jedenfalls aber schönen Motorrad begegnen: Grüßen Sie ihn freundlich. Es könnte sich dabei um Sebastian Vettel handeln. Sebastian Vettels aufregender Ausflug auf zwei Rädern: Die ganze Geschichte finden Sie in der November-Ausgabe von The Red Bulletin. Verfügbar als E-paper auf iTunes oder Google Play und als Red Bulletin App. Mehr zum "Red Bulletin" unter: www.getredbulletin.com
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