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Wie frech ist Ferrari? SF-26 von Hamilton und Leclerc fährt in Fiorano

Am 23. Januar hat das Warten für die treuen Tifosi ein Ende: Die Scuderia Ferrari stellt den SF-26 von Lewis Hamilton und Charles Leclerc vor. Beide sollen am ersten Tag in Fiorano hinters Lenkrad.

Mathias Brunner

Von

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Das waren noch Zeiten, als Ferrari den neuen Grand-Prix-Rennwagen jeweils mit ordentlich Tamtam präsentierte. Vor einer handverlesenen Schar von Berichterstattern tummelten sich die Granden aus Politik und Wirtschaft, um zu erleben, wie Präsident Luca Cordero di Montezemolo eine launige Rede hielt und die Ferrari-Fahrer dann das edle Tuch von der neuen roten Göttin zogen. Rauschender Applaus im Saal.

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Ganz ehrlich: Mir fehlen die feurigen Worte von Montezemolo, stets frei von der Leber weg gesprochen, immer herzergreifend, immer nah am Volk und am Thema, nie überheblich, kein PR-Blabla, sondern mit viel Herzblut.

2026 ist das von Ferrari aufs Minimum heruntergefahren: Der berühmteste Rennstall der Welt beschränkt sich am 23. Januar 2026 auf eine knackig knappe Präsentation im Internet, die Italiener werden Interview-Schnipsel veröffentlichen mit den Hauptdarstellern – Teamchef Fred Vasseur, Superstar Lewis Hamilton, GP-Sieger Charles Leclerc. Und auch die Techniker werden zu Wort kommen, Chassis-Chef Loic Serra sowie Enrico Gualtieri, Leiter der Motoren-Abteilung.

Der Ferrari SF-26, quasi aus kulinarischer Sicht: In Sachen Bilder werden wir Computer-generiertes Material vorgesetzt erhalten, gewissermassen als Appetithappen. Die kalte Vorspeise folgt auf der Testbahn von Fiorano, mit den ersten Runden von Leclerc und Hamilton, beide sollen hinters Lenkrad, bei Temperaturen von höchstens vier Grad, einem bedeckten Himmel, Regen nicht ausgeschlossen.

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Die warme Vorspeise dann bei den Wintertests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya und auf dem Bahrain International Circuit, bevor beim WM-Auftakt in Australien der Hauptgang serviert wird. Ob das Anlass für Nachspeise und Champagner ist, wird sich zeigen.

Ferrari will ungefähr um 11.00 Uhr loslegen in Maranello, über 15 Kilometer Distanz werden Leclerc und Hamilton später nicht hinauskommen, mehr ist bei einem so genannten Shakedown (einem ersten Funktionstest) nicht gestattet. Ferrari verzichtet also auf einen Filmtag, bei dem 200 Kilometer erlaubt wären.

Ferrari: Wie frech wird das Rot?

Im Raum Maranello wird gemunkelt: Der Farbton des Rennwagens von Leclerc und Hamilton wird etwas heller als in den vergangenen Jahren. Ungewöhnlich ist das nicht. Ferrari hat immer wieder mit. Rot-Schattierungen gearbeitet oder mit andersfarbigen Stil-Elementen.

Rot ist durchaus nicht Rot, was Ferrari angeht. Das beste Beispiel erhielten die verblüfften Fans in Mugello 2020 serviert, als die stolze Rennmannschaft zum 1000. Formel-1-WM-Lauf antrat. Damals fuhren Sebastian Vettel und Charles Leclerc in einem so dunklen Rot an, dass einige Fans von Burgunder sprachen.

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In Wahrheit handelte es sich um den Farbton "Rosso Barchetta", also um die Farbe aus den späten 40er Jahren vieler Barchetta-Modelle wie des 125 S. Und auch beim Formel-1-WM-Debüt in Monaco trat Ferrari in dieser Rotschattierung an. Noch in der laufenden Saison 1950 korrigierte Ferrari nach, nun mit Rennfahrzeugen in einem etwas helleren Rot.

Ungewöhnlich ist ein abgeänderter Look bei Ferrari durchaus nicht. Immer wieder tauchen die Italiener bei speziellen Rennen mit geänderten Lackierungen der Rennwagen und frisch gestylten Overalls der Fahrer an.

Beispiel Monza 2023: Ferrari kehrte im Juni 2023 nach Le Mans zurück, nach einer Absenz als Werksrennstall von 50 Jahren. Prompt gewannen die Italiener zum zehnten Mal den Langstreckenklassiker, erstmals seit 1965. James Calado, Antonio Giovinazzi und Alessandro Pier Guidi triumphierten mit dem Ferrari 499P Hypercar.

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Aus diesem Anlass trat der Formel-1-Rennstall von Ferrari im September beim Heimauftritt in Monza mit einem besonders lackierten GP-Rennwagen auf für Charles Leclerc und Carlos Sainz.

Schon 2022 waren am Auto des Monegassen und des Spaniers zahlreiche gelbe Stilmittel zu entdecken, dies, um sich nach 75 Jahren Ferrari bei der Heimatstadt Modena zu bedanken. Gelb, die Farbe von Modena, ist auch als Hintergrund auf dem weltbekannten Ferrari-Emblem zu sehen.

Die Lackierung der Autos von Leclerc und Sainz in Monza 2023 orientierte sich an der dynamischen Lackierung des Hypercar, an den Flanken, an der Nase, an der Motorverkleidung. Auch die Startnummern 16 von Leclerc und 55 von Sainz sind gelb.

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Dazu gab’s besondere Overalls für die Fahrer, eine Ferrari-Schriftzug in altem Auftritt und Sonderhelme – gelb für Leclerc, schwarz für Sainz.

Beispiel Miami 2024: Da machte Ferrari blau. Dies um die Ankunft des neuen Hauptsponsors hp zu feiern sowie 70 Jahre Ferrari in den USA. Diese Sonderlackierung war nur in Florida zu sehen, nicht bei den anderen USA-Rennen von Austin und Las Vegas.

Ein etwas anderer Ferrari-Auftritt in den USA ist nichts Neues: Ende 2023 fuhren Charles Leclerc und Carlos Sainz in Anlehnung an frühere Ferrari-Designs in Rot und Weiss, dies in Las Vegas.

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Was ist denn nun los? Ein Ferrari in Blau und Weiss!

Gar nicht in Rot, sondern in Blau und Weiss (also in den klassischen Rennfarben der USA) trat Ferrari in Watkins Glen und Mexiko 1964 mit John Surtees an. Und das kam so.

Enzo Ferrari hatte sich wieder mal mit dem internationalen Automobilklub verkracht, aus Protest trat Ferrari in Amerika nicht im traditionellen Rot an. Genauso war es kurz darauf beim Grossen Preis von Mexiko. Dort wurde Surtees Weltmeister, aber auch nicht mit einem roten Ferrari 158.

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Enzo Ferrari und der Verband hatten sich wegen der Homologation des neuen Mittelmotor-Ferrari vom Typ 250 LM gekabbelt. Der Firmengründer war empört, dass der italienische Verband ACI ihn nicht unterstützte, er gab theatralisch seine Rennlizenz zurück und verkündete kurzerhand, er werde nie wieder im Ferrari-Rot antreten. Natürlich wurde der Streit später beigelegt, und die Ferrari tauchten 1965 wieder in der gewohnten Farbe auf.

Enzo Ferrari hegte seinen Groll schon seit 1962. Damals wollte er das Modell 250 GTO für Einsätze im GT-Sport annehmen lassen. Gemäss des italienischen Rennsportverbands mussten zur Homologation hundert Fahrzeuge gebaut werden. Aber die hatte Ferrari nicht bereit. Der listige Enzo führte den Regelhütern eine Reihe von Fahrzeugen vor, dann gab’s einen Kaffee. Währenddessen wurden die Autos in einen anderen Bereich gefahren und nach der Kaffeepause den Funktionären als weitere Fahrzeuge präsentiert. Ob das Mythos oder Wahrheit ist, darüber diskutieren Tifosi bis heute leidenschaftlich. Aber genau solche Geschichten sind Teil der Faszination Ferrari.

Jedenfalls geht die Geschichte so weiter, dass sich der Verband nicht zwei Mal für dumm verkaufen lassen wollte und dem 250 LM kurzerhand die Homologation verweigerte. Worauf Enzo explodierte. Offiziell war nicht Ferrari im Einsatz bei den Formel-1-WM-Läufen der USA und von Mexiko 1964, sondern das Kundenteam NART (North American Racing Team), mit Ferrari-Importeur Luigi Chinetti als Einsatzleiter.

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