Josef Chara: Motocross-Kosmopolit, der Grenzen überschritt
Der Tscheche Josef Chara gewann 1986 im Talkessel. Doch seine wahre Geschichte handelt von Rennen in Westeuropa, Preisgeldern und Motorrädern, die trickreich über den eisernen Vorhang gelangten.
Josef Chara gehörte in den 1970er und 80er Jahre zur Elite der tschechischen Motocross-Fahrer. 1986 gewann er auf einer Suzuki RM250 im Talkessel von Teutschenthal. In dieser Zeit gab es allerdings so viele erfolgreiche tschechische Fahrer, dass man leicht die Übersicht verlieren konnte. Jaroslav Falta. Zdenek Velky, Jiri Churavy, Miroslav Halm, Petr Kovar – um nur einige zu nennen. Sie alle fuhren in der WM um Top-Platzierungen. Die
Alle tschechischen Stars fuhren für Dukla Prag
Alle namhaften tschechischen Motocrosser fuhren für den in Kostelec ansässigen Armeesportclub Dukla Prag, so auch Josef Chara. Die Athleten waren zwar im engeren Sinne Werksfahrer für das CZ-Werk in Strakonice, aber formell waren sie Armeeangehörige. Training und Saisonvorbereitung waren bei Dukla militärisch straff organisiert. Somit waren die Fahrer zwangsläufig auch Teil des Systems – zumindest auf dem Papier und nach außen.
Blockdenken gegen Sportsgeist
Im Kern wollten sie alle natürlich nur ihrem Sport nachgehen. Die große Geopolitik jener Zeit war ihnen komplett egal. Trotzdem ist die Beziehung zwischen Sport und Politik wichtig, wenn man die Situation von damals verstehen will. Die Fahrer wurden als Repräsentanten ihres Staates angesehen, die auch die Produkte ihres Staates präsentieren sollten. Und die Produkte der CSSR waren nun einmal die Motorräder von CZ, die ja in den 1970er Jahren auch weltweit erfolgreich waren. Sie wurden auch in den USA und in Westeuropa erfolgreich auf den Rennstrecken bewegt. 1968 war zum Beispiel auch der westdeutsche Willy Bauer für das Team von CZ-Importeur Neckermann unterwegs. Ein tschechischer Fahrer, ein Angehöriger des Militärs einer Armee des Warschauer Vertrages auf einer Suzuki oder Yamaha grenzte zu jener Zeit an Landesverrat.
Warum Josef Chara trotzdem in Frankreich starten durfte
In den 1980er Jahren gerieten die tschechischen CZ technisch immer weiter ins Hintertreffen und selbst die Dukla-Werksfahrer merkten, wie ihnen die Kontrahenten mit ihren wassergekühlten und zentral gefederten Hondas, Suzukis und co. auf den Geraden davonzogen. Dass tschechische Fahrer auf einheimischem Boden mit fremden Material antraten, war anfangs undenkbar. Wenn ein Athlet aber eine Leistungsbilanz vorweisen konnte und das Alter von 28 Jahren erreicht hatten, ließ man sie in Westeuropa fahren. Chara erzählt, wie das ging: «Ab 1983 wurden zwei Gruppen gebildet. Falta, Velky, Stodulka und ich – wir durften mit West-Material fahren. Wir hatten auch die Möglichkeit, für westeuropäische Teams zu starten. Andere Fahrer wie Jiri Churavy, Radek Macourek mussten mit CZ in der CSSR bleiben. Um in Frankreich und der BRD antreten zu können, musste ein Fahrer aber zweimal die tschechischen Meisterschaften gewonnen haben und mindestens einen WM-Punkt geholt haben.» Bis 1983 bekamen nur die Top-10 WM-Punkte. Erst ab 1984 wurde die Punktevergabe auf die Top-15 erweitert. Josef Chara beendete den 7. Lauf der 125er Motocross-WM in Strbo (CSSR) auf den Plätzen 7 und 6 und war damit in Sachen WM-Punkte auf der sicheren Seite. Außerdem mussten die Fahrer mindestens 28 Jahre alt sein. Vermutlich setzten die Entscheider damals wie heute auf die Jugend. Mit 28 war man zu alt und somit konnte man den Cross-Veteranen noch ein paar Nettigkeiten zum Abschluss ihrer Karriere gönnen. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden fanden in den 1970er- und 80er-Jahren unzählige Motocrossrennen statt – teilweise sogar an Wochentagen. Für gute Platzierungen gab es Preisgelder in westlichen Währungen. Diese Devisen waren in den sozialistischen Staaten Osteuropas besonders begehrt.
Der dritte Mann
Chara war ab Mitte der 1970er Jahre der 'dritte Mann' hinter Falta und Velky, die in der Weltmeisterschaft unterwegs waren. «Ich musste in Polen, Jugoslawien und anderen osteuropäischen Ländern starten. Ab 1981 bin ich dann mit Falta in der 250er WM gestartet.»
Businesschancen genutzt
Da sich Chara ab Mitte der 1980er Jahre in Westeuropa aufhielt und mit seinen Rennerfolgen Geld verdiente, hatte er auch die Möglichkeit, an begehrtes Material heranzukommen. Er versorgte Sportfreunde in Osteuropa und in der DDR mit gefragten Zubehörteilen wie Helme, Handschuhe, Scott-Brillen oder Mefo-Reifen. Zum Schluss wurden sogar ganze Motorräder trickreich über die innerdeutsche Grenze gebracht und vor der Rückfahrt gegen ältere Motorräder eingetauscht.
Erfolgreiches Reifen-Business
Nach seiner aktiven Karriere nutzte Chara seine Kontakte in der internationalen MX-Szene und baute ein erfolgreiches
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