WM-Finale in Saudi-Arabien vor der Absage
Das für Ende November in Saudi-Arabien terminierte Rallye-WM-Finale steht aufgrund der unklaren Sicherheitslage auf der Kippe. Ein Ersatzlauf in Spanien gilt als wahrscheinlich.
Eine offizielle Absage der Rallye Saudi-Arabien gibt es noch nicht – doch sie dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Entscheidend ist dabei nicht allein die sich dauern veränderte Sicherheitslage. Toyota und Hyundai haben der FIA und dem WRC-Promoter Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass sie aufgrund konzerninterner Sicherheits- und Reisebeschränkungen nicht nach Saudi-Arabien reisen können. Ein WM-Finale ohne die beiden wichtigsten Hersteller wäre sportlich kaum vertretbar.
Eine für diese Woche erwartete Entscheidung der FIA und des World Motor Sport Council wurde kurzfristig vertagt. Hinter den Kulissen laufen weiterhin intensive Gespräche. Doch die Zeit drängt, denn die Teams benötigen Planungssicherheit – insbesondere in der WRC2, wo für die Teilnehmer die Anzahl der Wertungsläufe begrenzt sind und einige früh einen Start in Saudi-Arabien in ihre Saisonplanung aufgenommen hatten.
Die Situation wird zusätzlich durch die vertraglichen Vereinbarungen mit dem örtlichen Veranstalter erschwert. Die FIA und der WM-Promoter können den Saudi-Lauf nicht ohne Weiteres aus dem Kalender streichen, ohne vertragsbrüchig zu werden. Vielmehr muss zunächst der örtliche Veranstalter die Veranstaltung absagen. Auf diese Entscheidung wartet man derzeit. Erst danach kann eine formelle Streichung, beziehungsweise eine mögliche Alternative zum Saisonfinale auf den Weg gebracht werden.
Die Ungewissheit wirkt sich bereits auf den vorletzten WM-Lauf in Sardinien (1. bis 4. Oktober) aus. Die Nennfrist wurde bis Donnerstagabend verlängert. Vor allem die WRC2-Teams müssen wissen, ob in Saudi-Arabien noch Meisterschaftspunkte vergeben werden, bevor sie ihre Programme für die verbleibenden Läufe festlegen.
Hinter den Kulissen wird längst an einer Alternative für Saudi-Arabien gearbeitet. Noch vor Portugal, Zypern oder einer reinen Asphaltrallye in Europa sei Spanien mit einen Lauf auf den ehemaligen Schotterstrecken der Rallye Katalonien Favorit. Auch weil der ehemalige WM-Lauf im Süden von Barcelona lange Jahre sowohl auf Asphalt- als auch Schotterstrecken, darunter die bis zu 40 WP-Kilometer zählende Kult-Schotterprüfung „Terra Alta“, ausgetragen wurde und in der Region im Hebst noch zwei größere Rallyes der nationalem Meisterschaft terminiert sind.
Katalonien war bereits 30-mal WM-Lauf und gehörte von 1991 bis 2022 mit wenigen Ausnahmen zum Kalender. Beim bislang letzten WM-Auftritt 2022 siegte Sébastien Ogier (Toyota).
Die unklare Sicherheitslage und damit die verbundene Versicherungsproblematik für Teams und deren Angestellte im Nahen Osten trifft inzwischen auch die Rally-Raid-Weltmeisterschaft. Promoter ASO findet derzeit offenbar weder für das Saisonfinale in den Vereinigten Arabischen Emiraten noch für die im Januar in Saudi-Arabien geplante Rallye Dakar einen Versicherer.
Damit stellt sich in der Rally-Raid-Szene die gleiche grundsätzliche Frage wie in der Rallye-WM: Ohne ausreichenden Versicherungsschutz ist eine Durchführung der Veranstaltungen nicht möglich. Die Sicherheitslage im Nahen Osten entwickelt sich damit zu einem Problem, das weit über die Rallye-WM hinausreicht.
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