Aprilia an der Spitze: Geht es weiter voran – mit Red Bull als Partner?
Nicht erst seit der Aprilia-Show beim Le-Mans-GP ist klar, dass die Marke aus Noale das MotoGP-Zepter übernommen hat. Das schafft beste Voraussetzungen, um endlich einen Hauptsponsor zu finden.
Das MotoGP-Projekt von Aprilia hat sich seit der Neuausrichtung zur Saison 2025 beeindruckend entwickelt. Seit der Reorganisation mit Fabiano Sterlacchini als neuem Technikchef und den beiden Piloten Marco Bezzecchi und Jorge Martin inklusive neuen Crew-Chiefs ging es stetig voran – trotz des fahrerischen Komplettausfalls von Martin im Vorjahr. Bezzecchi lief in der zweiten Saisonhälfte zu Topform auf, Mann und Maschine waren schon in den letzten Rennen 2025 die Referenz im Fahrerlager der Königsklasse.
In der laufenden Saison entwickelte sich die Lage aus Aprilia-Sicht weiter positiv. Denn neben Bezzecchi ist nun auch der Teamkollege zur Stelle – plus die beiden Trackhouse-Piloten, die ebenfalls das Potenzial der RS-GP aus Noale nutzen können. Vorläufiger Höhepunkt war der Le-Mans-GP: Erstmals nahmen mit Martin, Bezzecchi und Ai Ogura ausschließlich Aprilia-Piloten das Podium in Beschlag. Damit unterstrich Aprilia die derzeitige Überlegenheit, sämtliche Wertungen werden von Massimo Rivolas Truppe angeführt.
Kurios: Auch 2026 ist Aprilia der einzige Hersteller im Feld, der ohne Titelsponsor unterwegs ist. Auch wenn die kommerzielle Abteilung von Aprilia Racing dutzende Partner akquirieren konnte, ein finanzstarker Hauptgeldgeber fehlt – der Löwenanteil des MotoGP-Budgets wird von der Zentrale des Piaggio-Mutterkonzerns in Mailand gestemmt.
Es ist kein Geheimnis, dass Rivola seinem Chef, Piaggio-Boss Michele Colaninno, gerne einen potenten Geldgeber liefern würde. Bei der Teamvorstellung vor dieser Saison erklärte er: «Ein wichtiges Ziel ist, auch kommerziell erfolgreich zu sein und einen großen Partner als Unterstützer zu gewinnen.»
Red Bull schon öfters mit mehreren Herstellern verbündet
In Le Mans fanden am vergangenen Wochenende Gespräche zwischen Aprilia und Red Bull statt. Was angesichts der Ausgangslage wenig überraschend ist, denn das Unternehmen aus Österreich kooperiert im Sinne der Unternehmensphilosophie ausschließlich mit Erfolgsgeschichten. Eine Partnerschaft mit dem derzeitigen Vorzeigeteam der MotoGP ab dem Beginn der neuen 850er-Ära 2027 würde ins Bild passen.
Der Energy-Drink-Gigant aus Fuschl setzt immer wieder auf verschiedene Partnerschaften innerhalb eines Wettbewerbs. Bis Ende 2023 unterstützte Red Bull neben KTM auch das Honda-Werksteam und verabschiedete sich dann ebenso wie Multiweltmeister Marc Marquez vom größten Motorradhersteller.
In der US-Supercross-Meisterschaft ist Red Bull nicht nur Partner von KTM, sondern seit diesem Jahr auch von der Ducati-Werksmannschaft. Eine gute Verbindung zum Hersteller aus Borgo Panigale besteht also bereits, doch in der MotoGP hat Ducati einen Vertrag mit Konkurrent Monster bis Ende 2027.
Um eine Beziehung mit Aprilia in der MotoGP einzugehen, müsste die Verbindung mit Langzeitpartner KTM keineswegs gelöst, sondern könnte parallel fortgesetzt werden. Für die Verantwortlichen bei Red Bull ist klar: Der beste Partner ist, wer gewinnt. Es wird deshalb genau evaluiert, was der Marke den maximalen Nutzen bringt.
Vorstellbar ist eine Anpassung des MotoGP-Engagements bei Red Bull auch vor dem Hintergrund, dass Tech3 mit hoher Wahrscheinlichkeit 2027 nicht mehr mit dem Getränkehersteller als Titelsponsor an den Start gehen wird. Unabhängig davon, ob Tech3 weiter mit KTM zusammenarbeitet, wird Teameigentümer Günther Steiner die Werbeflächen ab 2027 seinen eigenen Investoren zur Verfügung stellen. Das heutige Budget für Tech3 könnte von Red Bull in Richtung Aprilia Racing verschoben werden, sei es als Titel- oder Hauptsponsor.
Neues Bike für den Red Bull Rookies-Cup wird nötig
Spannend wäre eine Zusammenarbeit mit Aprilia auch unterhalb der MotoGP-Ebene. Nach 2027 erhält die Moto3-WM ein neues technisches Konzept: Statt Prototypenmaschinen mit Einzylinder-Viertaktmotoren mit 250 ccm von KTM und Honda kommen in der kleinsten Hubraumklasse ab 2028 Einheitsmaschinen von Yamaha zum Einsatz. Als Aggregat wurde der Zweizylindermotor der R7 mit 689 ccm auserkoren, der auch in der Sportbike- und Frauen-WM in verschiedenen Ausbaustufen zum Einsatz kommt und zirka 90 PS liefert. Um den hohen Ansprüchen im GP-Sport gerecht zu werden, wird Yamaha ein Prototypenchassis bauen.
Mit diesem Schwenk wird die Technik des Red Bull Rookies-Cups hinfällig, in dem derzeit ebenfalls reinrassige Prototypen wie in der Moto3-WM eingesetzt werden. Ab 2028 wird demnach ein neues Basis-Rennmotorrad unterhalb der neuen Moto3 gebraucht. Obwohl KTM den Rookies-Cup auch zukünftig gemeinsam mit Red Bull fortführen will, Motorsportchef Pit Beirer unterstrich diese Absicht mehrfach, könnte die hochklassigste Nachwuchsserie auch mit einem anderen Technikpartner ausgerichtet werden. Aprilia kann sich ein solches Projekt vorstellen und hat mit der RS 660 sowie einer Variante mit 457 ccm geeignete Bikes als Alternative zur Moto3-Yamaha mit R7-Motor.
Ob Nachwuchsförderung oder MotoGP: Mit der gewachsenen Expertise und dem aktuellen Status von Aprilia als sportliche Referenz ist es naheliegend, dass mit Red Bull verhandelt wird.
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