Dall’Igna über Bulega: Warum die Moto2-Vergangenheit wenig aussagt
Nicolo Bulegas schwache Moto2-Bilanz lässt Kritiker an seiner MotoGP-Eignung zweifeln. Ducati-Corse-Chef Luigi Dall’Igna sieht heute einen anderen Fahrer – und nennt zwei entscheidende Stärken.
Kann Nicolo Bulega in der MotoGP erfolgreich sein, obwohl er in der Moto2-WM kaum überzeugte? Diese Frage begleitet den frisch gekürten Superbike-Weltmeister auf seinem Weg zurück ins Grand-Prix-Paddock. Für Ducati-Corse-Chef Luigi Dall’Igna zählt jedoch vor allem, welche Fähigkeiten Bulega heute mitbringt. Dabei hebt er dessen Kurvengeschwindigkeit und mentale Entwicklung hervor.
Bulegas Moto2-Vergangenheit liefert seinen Kritikern Argumente. In drei Jahren gelang ihm kein Podestplatz. Der Durchbruch, den man sich nach seinem Aufstieg aus der Moto3 erhofft hatte, blieb aus. Wer ausschließlich diese Ergebnisse betrachtet, kann Zweifel daran haben, ob der Italiener für die Königsklasse gerüstet ist.
Doch zwischen dem damaligen Moto2-Piloten und dem heutigen Bulega liegen mehrere Jahre, ein Neustart im Superbike-Paddock und zwei WM-Titel. Über die Supersport-WM fand er zurück zu Erfolgen und entwickelte sich anschließend auf der Ducati Panigale V4R zu einem Spitzenfahrer der Superbike-WM.
Was Dall'Igna an Bulega besonders schätzt
Auf die Frage, welche besondere Stärke er bei Bulega erkenne, nannte Dall’Igna einen konkreten Abschnitt der Runde: «Ich denke, die Geschwindigkeit in der Kurvenmitte ist eine seiner großen Stärken. Das ist die Fahrphase, in der Nicolo am meisten herausholt.»
Für den Ducati-Corse-Chef ist Bulegas Entwicklung aber nicht allein eine Frage des Fahrstils. Ebenso wichtig erscheint ihm, wie der Italiener inzwischen mit seiner Aufgabe umgeht. «Außerdem denke ich, dass er mental im Moment wirklich sehr stark ist. Das ist nicht mehr wie früher. Ich glaube, dass er aus seinen Erfahrungen hier sehr viel gelernt hat», so Dall’Igna.
Damit benennt Dall’Igna genau den Punkt, den eine Bewertung anhand alter Ergebnislisten kaum erfassen kann: Ein Fahrer entwickelt sich weiter. Schwierige Jahre können seine Karriere ausbremsen, müssen aber nicht dauerhaft festlegen, welches Niveau er später erreicht.
Superbike-Paddock ermöglichte Karriere-Neustart
Bulega musste nach seiner erfolglosen Moto2-Zeit einen neuen Weg einschlagen. Der Wechsel in die Supersport-WM gab ihm die Gelegenheit, sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen und sein Können in einem anderen Umfeld zu zeigen. Auf den Supersport-Titel folgte nun der WM-Gewinn in der Superbike-Klasse. Als erster Fahrer überhaupt konnte er Titel in beiden Klassen feiern.
Das garantiert ihm noch keinen Erfolg in der MotoGP. Die Anforderungen eines Prototyps unterscheiden sich deutlich von denen eines Superbikes. Dall’Ignas Einschätzung macht jedoch klar, weshalb Ducati ihm diese Chance zutraut: Der Hersteller sieht einen schnellen und gereiften Fahrer, dessen heutige Qualitäten über seine damalige Moto2-Bilanz hinausgehen.
Für Bulega wird die Rückkehr ins Grand-Prix-Paddock deshalb auch die Gelegenheit sein, zu zeigen, wie viel sich seit seinem Abschied verändert hat. Dall’Igna ist überzeugt, dass dieser Wandel bereits stattgefunden hat – auf dem Motorrad und im Kopf.
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