Darum kommt für (fast) alle MotoGP-Abgänger die Moto2 nicht mehr infrage
Die MotoGP steht vor einem Generationenwechsel. Nach dem Saisonfinale 2026 verlassen fünf Athleten das GP-Fahrlager. Wäre auch ein Wechsel zurück in die Moto2-WM denkbar gewesen? Ein Pilot nickte.
Die MotoGP-Saison 2027 bringt neben neuen 850er-Prototypen etliche weitere Veränderungen – und ein intensiv durchgemischtes Fahrerfeld. Mit Marc Marquez (Ducati Lenovo), Toprak Razgatlioglu (Pramac-Yamaha), Raul Fernandez (Trackhouse-Aprilia) und den Honda-Athleten Johann Zarco und Diogo Moreira behalten nur fünf der 22 Racer ihre Jobs.
Zwölf MotoGP-Piloten werden am Abend nach dem MotoGP-Finale in Valencia ihre Dienstmarken abgeben und in neue Teamgaragen marschieren, darunter Großkaliber wie Fabio Quartararo (wechselt zu Honda HRC), Jorge Martin (Yamaha), Fabio Di Giannantonio (KTM) oder Pecco Bagnaia (Aprilia).
Einbahnstraße: Die Zeiten haben sich geändert
Fünf aktuelle Piloten scheiden aus: Alex Rins, Jack Miller, Franco Morbidelli, Maverick Vinales und Brad Binder. Die Karrieren der Piloten, allesamt MotoGP-Sieger, werden sich 2027 auf unterschiedlichste Art fortsetzen. Sicher ist aber: Keiner der Fahrer wird, wie in früheren Generationen durchaus vorstellbar und umgesetzt, im kommenden Jahr zurück in die mittlere GP-Klasse wechseln.
Für Yamaha-Pilot Alex Rins etwa stand ein Moto2-Engagement nie zur Debatte. Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com sagte der Noch-Yamaha-Werksfahrer: «Nein, an die Moto2 habe ich nie gedacht, als es um Alternativen ging. Jeder sieht das anders, aber im GP-Fahrerlager ist die MotoGP eine einzigartige Erfahrung, die mit nichts zu vergleichen ist.» Die Konsequenz, nachdem Versuche scheiterten, einen Platz in einem Superbike-Werksteam zu ergattern: Alex Rins wird nach 15 Jahren (mit einer Moto2-Vizeweltmeisterschaft als Auszeichnung) den Rücktritt einreichen.
Keine Gedanken über ein Moto2-Projekt mussten sich Jack Miller, Brad Binder und Franco Morbidelli machen. Der Australier wechselt mit Yamaha in die Superbike-WM, Binder ergatterte einen BMW-Werksvertrag und auch Morbidelli wird 2027 weiter Gas geben – als Nachfolger von Weltmeister Nicolo Bulega bei Ducati.
Bemerkenswert ist jedoch, dass Franco Morbidelli, Moto2-Welteister 2017, die Rückkehr an seine alte und höchst erfolgreiche Wirkungsstätte nicht ausschließt. Morbidelli: «Natürlich ist die MotoGP etwas ganz Besonderes – aber in erster Linie bin ich Rennfahrer. Warum also sollte ich, solange ich konkurrenzfähig und voller Leidenschaft bin, nicht auch Moto2 fahren? Die Klasse ist, wenn auch auf ganze Art, ebenfalls enorm hart und spannend.»
SPEEDWEEK.com wollte daraufhin wissen, ob im gegenwärtigen GP-Zeitalter die Rückkehr eines MotoGP-Piloten in die Moto2 zielführend ist – und sprach mit Intact-GP-Teamchef Jürgen Lingg. Zur Erinnerung: Intact GP nahm GP-Ass Tom Lüthi nach dessen gescheiterter MotoGP-Laufbahn erneut in der Moto2 unter Vertrag – mit hocherfreulichem Ausgang: Platz 3 in der WM 2019.
Trotz des erfolgreichen Beispiels zeigt sich der Chef des Tabellenführers in der Team-WM 2026, vorsichtig ausgedrückt, skeptisch. «Zwar hat Tom bewiesen, dass eine Adaption funktionieren kann, aber man darf nicht vergessen, dass er schon enorm viel Erfahrung vorab hatte, und nur ein Jahr in der MotoGP gefahren ist», so Lingg.
Und weiter: «Ich denke aber, aktuell wäre es für einen MotoGP-Piloten sehr schwer, wenn nicht unmöglich, erfolgreich «abzusteigen.» Abgesehen davon, dass es in der Moto2-WM so viele junge Riesentalente mit größtem Ehrgeiz auf engstem Raum fahren, spielt auch die Technik eine Rolle. In der MotoGP haben Elektronik- und Aerodynamik-Entwicklung einen so hohen Stellenwert, dass ein Wettbewerb nahezu ohne Elektronik eine gewaltige Umstellung bedeutet. Und Tatsache ist: Fehlen nur Winzigkeiten, spielst du in der Moto2 an der Spitze keine Rolle.»
Moto2-Teams wissen: MotoGP-Piloten sind nicht erste Wahl
Selbst MotoGP-Größen dürften adhoc nicht zu melden gegen die Moto2-Elite. Das dürfte auch der verbleibende MotoGP-Aussteiger Maverick Vinales wissen. Längst sind zudem alle Spitzenpositionen für 2027 auch in der Moto2 vergeben. Findet sich keine Aufgabe als Entwicklungsfahrer, bleibt dem 31-Jährigen nur die Hoffnung, sich als Ersatzpilot im Gespräch zu halten. Auch für 2027 arbeitet die MotoGP weiter nur in eine Richtung, ein Abstieg ist nicht vorgesehen.
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