Francesco Guidotti über KTM: «Nur MotoGP-Titel fehlt»
Der neue Red Bull KTM MotoGP-Teammanager Francesco Guidotti kennt die Stärken von KTM und ist neugierig, wo sich noch Verbesserungsmöglichkeiten finden lassen.
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KTM Factory Racing hat zwar 2020 mit Pol Espargaró in der Fahrer-WM den fünften Rang erobert und 2021 mit Brad Binder einen sechsten WM-Rang sichergestellt. Aber insgesamt ist die vergangene MotoGP-Saison mit nur vier statt acht Podestplätzen nicht zufriedenstellend verlaufen. Es gab etliche Rückschläge, die KTM RC16 war auf manchen Strecken nicht konkurrenzfähig.
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Deshalb wurden jetzt die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft gestellt. Francesco Guidotti (er war zuletzt zehn Jahre als Teamchef bei Pramac Ducati tätig) übernimmt im Januar die Aufgabe des Teammanagers bei Red Bull KTM Factory mit Oliveira und Binder. Im Gegensatz zum Vorgänger Mike Leitner wird er für das KTM Tech3-Team nicht zuständig sein. Und in der MotoGP-Technikabteilung führt jetzt der von Ducati geholte Fabiano Sterlacchini als "MotoGP Head of Technology" Regie.
Einige Probleme in der Saison 2021: Das Bike war nicht über die ganze Saison konkurrenzfähig, die Fahrer ebenfalls nicht. Brad Binder hat in zwei MotoGP-Jahren nur zwei Top-3-Ränge erreicht – jeweils als Sieger! Und Oliveira heimste zuletzt in neun Rennen nur neun WM-Punkte ein. Er rutschte in der WM vom sechsten auf den 14. Platz ab. Vor der Sommerpause war er dreimal in Serie aufs Podest gerauscht – und liebäugelte damals sogar mit Titelchancen.
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Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht der 49-jährigen Italiener Francesco Guidotti offen über seine neue Herausforderung.
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Francesco, beim privaten Pramac Ducati Team von Paolo Campinoti bestand ein geringerer Leistungsdruck als beim KTM-Werksteam. Dort sind die Erwartungen höher.
Ja, ich kann den Beginn meiner Arbeit bei KTM im Januar gar nicht erwarten. Momentan bin ich noch damit beschäftigt, meine Tätigkeit bei Pramac sauber zu beenden und alle Agenden zu übergeben. Ich werde die KTM-Teammitglieder im nächsten Monat kennenlernen. Bisher habe ich nur Stefan Pierer, Pit Beirer und Jens Hainbach getroffen.
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Im Januar werden alle Teammitglieder in der KTM-Rennabteilung in Munderfing sein, um die neuen Motorräder für beide Teams zusammenzubauen. Das wird eine intensive gemeinsame Woche sein. Danach wird das gesamte Material zum ersten Test nach Malaysia verfrachtet. Ich habe Hochachtung vor allen Beteiligten. Denn was sie in den ersten fünf Jahren in der MotoGP erreicht haben, ist wirklich eindrucksvoll und unglaublich. Das hat kein anderer Neueinsteiger in dieser Kategorie jemals geschafft, auch Werken mit mehr Erfahrung im Straßenrennsport ist das nicht gelungen. Ich bin sehr, sehr aufgeregt und neugierig auf meinen Arbeitsbeginn. Ich bin gespannt auf das Zusammentreffen mit den Fahrern und allen Technikern. Erst, wenn ich alle kennengelernt und mit allen gesprochen habe, kann ich beurteilen, was wir unternehmen können, um besser zu werden.
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Konzernchef Stefan Pierer ist als erfolgreicher Unternehmer sehr ambitioniert. Er hat schon vor einem Jahr erwartet, dass KTM nach den ersten drei Siegen 2021 im Titelkampf mitmischt. In Wirklichkeit wurden nur halb so viele Podestplätze zustande gebracht wie im Vorjahr. Er war mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Jetzt soll ein frischer Wind wehen. Auch das Tech3-Team soll mit Gardner und Fernández besser abschneiden. Ja, ich weiß. Ich kenne Herrn Pierer und seine Ansprüche. Was KTM im Motorradsport in den letzten zehn Jahren erreicht hat, widerspiegelt exakt die Persönlichkeit des Vorstandsvorsitzenden. KTM hat inzwischen 327 WM-Titel gewonnen. Das ist völlig außergewöhnlich.
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Der einzige WM-Titel, der in der Sammlung noch fehlt, ist jener in der MotoGP. Das Jahr 2021 war für KTM schwierig. Das hatte auch mit dem Verlust der Concession-Privilegien zu tun. Die Fahrer mussten mit zwei Motoren weniger über die Saison kommen, die Stammfahrer durften nicht mehr privat testen, was vor den Erfolgen von 2020 uneingeschränkt möglich war. 2021 durften sogar die Testfahrer Dani Pedrosa und Mika Kallio nur noch auf drei auserwählten Teststrecken fahren. Der Red Bull Ring gehörte nicht dazu. Ja, KTM hat die Vorteile der Concession-Zugeständnisse in den ersten vier Jahren als Neueinsteiger-Team sehr geschickt ausgenutzt und zum Beispiel sehr viel getestet.
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Durch den Verlust der "concessions" wurde die Aufgabe schwieriger. In der Rennabteilung musste auf das neue System reagiert werden. Es musste einiges umgekrempelt und neu geplant werden, kann ich mir vorstellen. Aber ich war nicht involviert. Das ist nur eine Vermutung von mir. Ich kann mir bisher kein genaues Urteil bilden. Außerdem: Ich muss in die Zukunft blicken. Meine Aufgabe bei KTM wird sicher eine sehr aufregende Herausforderung. Ich freue mich darauf, wenn ich im Januar loslegen kann.
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Es gibt aber in der Saison 2021 auch einige positive Aspekte bei KTM. Nach dem Desaster bei den ersten zwei Rennen in Katar kam in Mugello innerhalb weniger Wochen ein Update mit neuem Chassis, neuem Treibstoff-Lieferant und einem Elektronik-Upgrade, das auf Anhieb glänzend eingeschlagen hat. Honda hingegen war viel länger nicht konkurrenzfähig. Genau. Ich denke, KTM hat ein ausgezeichnetes Technik-Paket, sonst hätten sie nicht fünf MotoGP-Rennen gewinnen können. Sie waren sehr tapfer, als sie sich für Stahlrahmen und WP Suspension entschieden haben. Gleichzeitig waren sie aber auch sehr clever, indem sie andere Konzepte gewählt haben als die Konkurrenz.
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KTM hat in der MotoGP-WM bei null begonnen, mit einem weißen Blatt Papier. Es war wichtig, dass KTM keine Ideen der Mitbewerber kopiert hat. Ich erinnere mich an die 250-ccm-Weltmeisterschaft in den 1980er- und 1990er-Jahren. Damals war Honda mit der NSR 250 mit Membran-Einlasssteuerung überlegen. Jan Witteveen hat bei Aprilia einen Motor mit Drehschieber gebaut. Am Anfang wurde Aprilia dafür belächelt und für verrückt erklärt. Aber dann haben Fahrer wie Biaggi, Capirossi, Rossi und so weiter viele WM-Titel mit Aprilia gewonnen. Wenn du dich nicht von der Konkurrenz unterscheidest und neue Wege gehst, wirst du immer hinterher fahren.
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Ich glaube, KTM war sehr wagemutig. Sie haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich bin sehr neugierig auf die Details des KTM-Bikes. Ich muss mehr darüber erfahren, dann kann ich verstehen, wo wir uns verbessern können. Es ist ganz klar: Ich stehe vor einer Herausforderung. MotoGP Endstand Fahrer-WM (nach 18 Rennen):
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