Francesco Bagnaia: Die Selbstverständlichkeit von Siegen ist verschwunden
Nach Jahren an der Spitze kämpft Francesco Bagnaia mit Unsicherheit. Vor MotoGP-Rennwochenenden sind Siege kein Thema mehr – stattdessen geht es um Schadensbegrenzung und Neuaufbau.
Die MotoGP-Welt hat sich an einen dominanten Francesco Bagnaia gewöhnt. Zwischen 2022 und 2024 war der Ducati-Pilot oft das Mass der Dinge: Zwei Weltmeistertitel, jeweils sieben Siege in den Jahren 2022 und 2023, und 2024 eine beeindruckende Saison mit 11 Erfolgen aus 20 Rennen. Abgesehen von Austin stand der Italiener in der Saison 2024 bei jedem beendeten Grand Prix auf dem Podium – eine Konstanz, die ihn zum klaren Referenzpunkt im Feld machte.
Doch seit 2025 ist dieses Bild zerbrochen. Nur noch zwei Siege aus 22 Rennen, dazu fünf Ausfälle in den letzten fünf Grands Prix der Saison – ein drastischer Einbruch. Und auch 2026 hat bislang keine Wende gebracht: Kein Sieg, in den Rennen meist weit entfernt von den Podestplätzen.
Absturz in der MotoGP 2025: Die Magie ging verloren
Mit dem sportlichen Absturz ist auch eine neue Realität in Bagnaias Kopf eingekehrt. «Es ist, was es ist. Das kann im Rennsport vorkommen. Ich war es gewohnt, vor einem Rennwochenende die Gewissheit zu haben, dass ich um ein Top-3- oder Top-2-Ergebnis kämpfe», erklärt der zweifache Weltmeister offen. Diese Selbstverständlichkeit ist verschwunden.
Stattdessen hat sich die Zielsetzung deutlich verschoben. «Im letzten Jahr musste ich meine Erwartungen anpassen. Im Moment ist es normal, dass wir zu einem Rennwochenende kommen und uns klar sind, ob wir um ein Top-5- oder Top-10-Ergebnis kämpfen können.» Worte, die die neue Unsicherheit im Lager des Ducati-Stars unterstreichen.
Für Bagnaia ist dieser Zustand schwer zu akzeptieren. «Das ist wirklich schade, ich bin nicht happy», gibt er unumwunden zu. Nach Jahren der Dominanz wirkt die aktuelle Situation wie ein tiefer Einschnitt – sportlich wie mental.
Neuaufbau im finalen Ducati-Jahr
Dennoch versucht der Italiener, dem Formtief auch etwas Positives abzugewinnen. «Nach einer Saison wie der im vergangenen Jahr müssen wir den Speed neu aufbauen. Das ist ein Teil des Prozesses.» Es gehe darum, die Probleme klar zu erkennen und strukturiert anzugehen.
Trotz aller Enttäuschung sieht Bagnaia darin eine Chance: «Es verschafft mir einen klareren Kopf mit Blick auf die Probleme. Deshalb ist es auch positiv zu sehen.» Ein bemerkenswert reflektierter Ansatz – auch wenn der Weg zurück an die Spitze derzeit länger erscheint als je zuvor.
Nach den ersten vier Grand-Prix-Wochenenden liegt Bagnaia nur auf der neunten Position der Fahrerwertung und ist somit nur viertbester Ducati-Pilot. Am Saisonende wird Bagnaia das Ducati-Werksteam nach sechs gemeinsamen Jahren verlassen und zu Aprilia wechseln.
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