Halbzeit-Jubel: Das sind die großen Gewinner der MotoGP zur Sommerpause
Applaus: Nach elf Events und 22 Rennen – viele davon waren turbulent – ist Aprilia-Pilot Jorge Martin knapper Tabellenführer der MotoGP. SPEEDWEEK.com leuchtet die bislang erfolgreichsten Akteure an.
Jorge Martin. Der Tabellenführer der MotoGP gehört fraglos auf die Gewinnerliste zur Halbzeitbilanz 2026 – auch wenn die Tabellenführung nicht allein durch sportliche Heldentaten des Madrilenen zustande gekommen ist. Jorge Martin ging nicht als Favorit in die Saison und profitierte bislang vom Image des starken Außenseiters im Werksgewand. Weder im Finale der 2025er-Saison, noch bei den Wintertests und auch nicht beim Auftakt war der Champion von 2024 groß in Erscheinung getreten.
Und doch fährt Martin eine nahezu fehlerfreie Saison. Genauer gesagt, Martins Fehler waren nicht zum eigenen Nachteil. Beim einzigen groben Schnitzer, gemeint ist der Startunfall in Ungarn, radierte der «Martinator» im Sinne der WM-Tabelle auch die nächste Konkurrenz aus dem Feld. Kurios: Martin ist zugleich Spitzenreiter in Sachen Stürzen. Doch dann, wenn es zählte, punktete Martin, und das zuverlässig in den Top-5. Garniert mit zwei Sprintsiegen und einem GP-Triumph bei nur drei Nullnummern reichte das für den nicht unumstrittenen Aprilia-Piloten zum Halbzeit-Champion.
Marc Marquez. Hätte man nach Le Mans einen Strich unter die Saison von Marc Marquez gezogen, das Urteil wäre ein deutlich anderes. Im ersten Teil der Saison haderte der Champion noch immer mit der körperlichen Schwäche und ging dennoch weiter zu Boden. Schmerzhafter Höhepunkt war der wilde Abflug in Frankreich, der «MM93» wieder einmal in den OP-Saal brachte. Doch nach der Rückkehr verblüffte Marc Marquez wie in besten Tagen. Sein Auftritt in Ungarn war ein taktischer und wie fahrerischer Geniestreich, der die Ikone maximal effektiv wieder zurück ins Match brachte. Mit Riesensprüngen machte Marc Marquez Boden in der WM gut.
In die Sommerpause ging es bereits auf Position 3, noch vor dem lange bestimmenden Marco Bezzechi. Dank seiner starken Verfassung, auch mental, wird der neunfache Champion längst auch von der Konkurrenz wieder als Favorit auf den nächsten Titel gesehen. Ein Faktor dürfte auch der unterschriebene Vertrag für zwei weitere Jahre im Ducati-Werksteam sein. Marc Marquez fährt frei auf.
Trackhouse Racing. Noch Ende 2025 stiegen die Aktien von Trackhouse Racing. Das lag in erster Instanz am wiedererstarkten Raul Fernandez, der sich und seiner Mannschaft im vergangenen Oktober den ersten Triumph in der Topliga schenkte. Monate später ist aus dem Einmalwunder ein Dauerbrenner geworden. Mit dem Beginn der Saison nutzen beide Piloten die nicht zu übersehende Stärke der Aprilia RS-GP. Auch hörbare Friktion im Team durch den angesagten Weggang von Teamchef Davide Brivio in Richtung Honda hielt das Team nicht von Spitzenleistungen am Fließband ab.
Dass Aprilia als Hersteller die WM-Führung bei den Herstellern in die Sommerpause rettete, das hat Massimo Rivola insbesondere dem US-Team von Justin Marks zu verdanken. Das Kundenteam holte nicht weniger als 12 Podiumsplätze. Unglaublich: Bei den letzten beiden GP-Events standen beide Fahrer in beiden Rennen auf dem Podium. Das jüngste Team der Königsklasse war damit die erfolgreichste Mannschaft vor der Sommerpause. In der Mannschaftswertung liegt Superfile Trackhouse MotoGP vor Ducati Lenovo auf Position 2. In der Fahrer-WM trägt mit Ogura, dem ersten Verfolger von Jorge Martin, ein Trackhouse-Leder.
Iker Lecuona. Nein, niemand hatte Iker Lecuona auf dem MotoGP-Radar. Doch mangels Alternativen durfte der Spanier zum Einmalauftritt an den Plattensee anreisen. Ein schlauer Schachzug, denn Lecuona spulte auf dem Balaton Park Circuit schon viele Extrarunden als Superbiker ab. Als Ersatz für den verletzten Frontmann Alex Marquez machte Iker Lecuona Werbung für Gresini – und sich selbst.
Bereits im Sprint ließ der Ersatzmann nach vier Jahren Pause als Stammfahrer in der Königsklasse vier Gegner hinter sich. Das Ziel erreichte er knapp hinter Fabio Quartararo. Im GP profitierte er auch vom Massencrash an der Spitze, doch Platz 7 war auch so ein Riesenerfolg für den einstigen KTM-Tech3-Piloten.
Diogo Moreira. Wer wird das Rennen um den besten Rookie 2026 machen? Moto2-Champion Diogo Moreira – oder Superbike-König Toprak Razgatlioglu. Nach elf Events steht der Brasilianer auf der Gewinnerseite. Moreira kam vom Fleck weg gut in seine Debütsaison. Beim ersten GP in der Königsklasse landete der Neuling auf Platz 3. 21 Rennen später kann Moreira elf Ankünfte in den Punkten verbuchen. In der WM-Tabelle liegt der Rookie auf Platz 15 hinter Luca Marini, aber vor Joan Mir und dem verletzten Teamkollegen Johann Zarco.
Platz 6 als Topresultat sagt viel über das Potenzial des Aufsteigers. Das weiß auch Honda. Als Belohnung für den starken ersten Aufschlag ohne außerordentliche Fehler oder Sturzeskapaden – wie etwa durch Honda-Kollege Joan Mir – winkt zur Belohnung für 2027 ein Platz im offiziellen Werksteam an der Seite von Neuzugang Fabio Quartararo.
Nach dem Applaus für fünf klare Sieger der ersten Saisonhälfte folgen im morgigen zweiten Teil der Halbzeitbilanz Verlierer, Pechvögel und unglückliche Helden der bisherigen MotoGP-Kampagne.
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