Marco Bezzecchi nach 200 km/h-Crash: «Bin froh, überhaupt hier zu sein»
Lange lief alles nach Plan für Aprilia-Pilot Marco Bezzecchi. Doch nach mehreren Rückschlägen ist die MotoGP-WM-Führung weg. Noch angeschlagen muss «Bez» seine Ziele für den Sachsenring korrigieren.
Es ist erst sechs Wochen her, da verließ der überglückliche Heimsieger des Italien-GP Marco Bezzecchi das Autodrom von Mugello als gefestigter MotoGP-Spitzenreiter Und auch sechs Tage nach dem Sprint am Balaton war die Welt des 27-Jährigen noch in bester Ordnung. Zwar hatte Marc Marquez ein erstaunliches Comeback als Sieger gefeiert, doch als Dritter gelang es Bezzecchi, seine Position gegenüber Verfolger Jorge Martin zu verbessern.
Dann ging es schlagartig bergab. Dem Abschuss beim Ungarn-GP durch Jorge Martin folgte der Sprint-Crash in Brünn – mitsamt Gewalteskalation und Sperre für den Großen Preis von Tschechien. Nach der Verlegung nach Assen fuhr der Pilot aus Rimini eine Position von Martin über die Linie, doch im GP folgte der nächste Schock. Während sich der bei Highspeed abgeflogene Lockenkopf im Krankenhaus durchchecken ließ, wurde Jorge Martin als neuer WM-Leader gefeiert. Ausgerechnet Martin – der 2025 als Entwickler der aktuellen RS-GP letztlich komplett ausfiel – steht kurz vor der Sommerpause wieder im Rampenlicht.
Noch immer tut fast alles weh
Am Sachsenring ging es für Marco Bezzecchi zunächst aber um die Frage nach der körperlichen Verfassung. Bezzecchi hob den Daumen, gab aber zugleich zu Bedenken: «Die gute Nachricht ist, dass ich mir in Assen nichts gebrochen habe. Aber abgesehen davon – mir tat absolut alles weh – und mit Ausnahme vom Kopf und den Armen auch jetzt noch. Die Wahrheit ist: Ich kann wirklich sehr froh sein, hier zu sein.«
Bezzecchi weiter: „Damit ist klar, dass es kein normales Rennwochenende ist, bei dem ich versuche, alles für ein perfektes Ergebnis, im besten Fall den Sieg, zu tun. Ich bin weit weg von 100 Prozent. Auch weil ich seit Assen nichts anderes getan hab, als mir medizinisch helfen zu lassen. Ich habe null trainiert, saß auf keinem Motorrad. Mein Ziel ist es, durch das Wochenende zu kommen und mit einem Ergebnis in die Sommerpause zu gehen. Alles Weitere muss sich von Session zu Session ergeben.»
Bedenkt man, dass Marco Bezzecchi als VR46-Akademie-Schützling im Normalzustand täglich unter Traumbedingungen trainiert – eine durchaus harte Strafe für den Piloten, der der ersten Saisonhälfte lange seinen Stempel aufgedrückt hatte.
Ein gewöhnlicher Sturz – aber mit 200 km/h
Groll hegte Bezzecchi am Sachsenring bei seiner Assen-Rückschau dennoch nicht. Der Aprilia-Werksfahrer neutral: «Es war eigentlich ein gewöhnlicher Sturz – nur war er halt sehr schnell. Es waren 200 km/h. Ich war minimal zu schnell und als ich das Gas angelegt habe, ging das Vorderrad weg.»
Auch die Kritik über die Beschaffenheit des Kiesbetts wischte Marco Bezzecchi in Deutschland weg: «Ich denke, bei diesem Speed macht es keinen wirklichen Unterschied. In meinem Fall hätte wohl auch die Beschaffenheit des Kiesbetts nichts geändert.»
Die Ausgangslage vor dem letzten Event vor der kurzen Sommerpause: Marco Bezzecchi, der letztes Jahr im Sprint aufs Podest fuhr und im GP stürzte, hat nur sieben Punkte Rückstand auf Jorge Martin – aber auch nur neun Zähler Vorsprung auf den besten Ducati-Piloten, Fabio Di Giannantonio.
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