WM-Leader, Sturzkönig, Punktesammler: Jorge Martin ist auch 2026 «extrem»
Es ist und bleibt eine extreme Beziehung. Der Katastrophe zum Start der Verbindung von Jorge Martin und Aprilia folgte sportlicher Erfolg. Die Lage rund um den Tabellenführer bleibt außergewöhnlich.
Die Situation im MotoGP-Werksteam von Aprilia bleibt weiter geprägt von einem Wechselbad der Gefühle, und dass, obwohl die Struktur von Massimo Rivola nach 22 von 44 Wettkämpfen der 2026er-Saison auf dem Papier glänzend dasteht. Seit der Runde in Brasilien ist ein Pilot des Werksteams aus Noale WM-Leader. Lange war es Marco Bezzecchi, dann übernahm Jorge Martin – und damit das Sorgenkind des Projekts.
Die Geschichte rund um den Wechsel des 2024er-Weltmeisters ins Aprilia-Lager prägte die gesamte letzte Saison. Während Marc Marquez die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr, hatte die MotoGP mit Jorge Martin einen Skandal, der überwiegend abseits der Rennstrecke ausgetragen wurde. Auch wenn das Dilemma am Ende eingedämmt werden konnte, stand noch 2025 fest, dass man die Zusammenarbeit nicht über das Jahr 2026 hinausgehen lassen kann.
Als die Fronten geklärt waren – und das Arbeitsgerät der Aprilia-Piloten zum Siegermotorrad gereift war, meldete sich der «alte» Jorge Martin zurück. Die Vorstellung der Nummer 89 in der ersten MotoGP-Halbzeit ist beeindruckend, kommt aber auch nicht ohne Schönheitsfehler aus.
Auf der positiven Seite stehen die von Konstanz geprägten Ergebnisse. Martin stand schon immer für Sprint-Qualitäten. So auch 2026. In den elf kurzen Rennen holte er 64 Punkte, nur Marc Marquez war in Summe noch erfolgreicher und nur Ai Ogura hatte mehr Zielankünfte in den Top 9. Die WM-Führung verdankt der Madrilene aber der Konstanz über alle Rennen. Bei 18 von 22 Rennen sammelte Martin Punkte, achtmal ging es zur Ehrung der besten Drei.
Zum Vergleich: Marc Marquez hat sieben Nuller in den Akten stehen, Bezzecchi neun. Auch wenn Champion Marquez und sein Teamkollege jeweils mehr Erfolge feierten, die Eichhörnchen-Strategie hat sich bislang ausgezahlt – auch wenn Jorge Martin bei der Abreise vom Sachsenring erkannte: «Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Marc wieder die Spitze übernimmt.»
WM-Leader nach elf Events – trotz 16 Stürzen
Bemerkenswert: Martin von vielen Top-5-Resultaten gefütterte Erfolgsstrategie funktioniert trotz einer immensen Verlustquote. Mit 16 Stürzen ist ausgerechnet der Tabellenführer zugleich alleiniger Spitzenreiter der Crash-Tabelle. Ohne Frage half damit auch das Glück, denn trotz der Eskapaden im Kies blieb Martin im Gegensatz zu den «MM93» und »Bez» 2026 ohne ernste Verletzungen. Kurios: Das gilt übrigens auch für Honda-Pilot Joan Mir, der bei den elf Events bislang 15-mal zu Boden ging.
Auf eine erneut harte Probe wurde Aprilia dazu gestellt, als Jorge Martin in Ungarn kurz nach dem Start zu bissig die erste Kurve attackierte. Mit Martin, Bezzecchi und Fernandez lagen gleich drei RS-GP-Siegfahrer. Eine extra bittere Pille, auch mit Blick auf den aktuellen Tabellenstand. Der grobe Schnitzer des erfahrenen Weltmeisters am Balaton war ein Element, das das Einschmelzen der klaren Aprilia-Führungsrolle unterstützte. Denn wenn drei Topfahrer keine GP-Distanz abspulen, fehlen nicht nur Punkte, sondern auch Daten und Aussagen für Optimierungen.
Nichtsdestotrotz verabschiedete sich Aprilia als Nummer 1 der MotoGP in die gut dreiwöchige Sommerpause. Jorge Martin hat 14 Punkte Vorsprung auf Markenkollegen – nur vier Zähler hinter dem Japaner ist mittlerweile Marc Marquez. Der Champion hat sowohl Fabio Di Giannantonio als auch Marco Bezzecchi einkassiert. Eng geht es nun auch zu bei den Herstellern. Nur elf Punkte trennen Aprilia von Ducati – dank und wegen Jorge Martin.
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