Zeittraining, Assen: Bezzecchi mit MotoGP-Bestzeit, Crash-Drama für Gresini
Aprilia-Piloten kommandierten das MotoGP-Zeittraining in Assen. Während Marco Bezzecchi in der Hitze auf Platz 1 fuhr, flog Martin ab. Hart traf es Gresini – Marquez und Aldeguer im Medical Centre.
35 Grad in Assen! Die älteste und zugleich nördlichste Station im MotoGP-Kalender glich in Sachen Temperaturen einer Tropen-Rennstrecke. Beim FP1 am Vormittag, das Marco Bezzecchi mit der Bestzeit abgeschlossen hatte, waren die Bedingungen sehr gut – bei 55 Grad Asphalttemperatur wurde das einstündige Zeittraining dann zu einer ungewohnten Assen-Prüfung.
Etliche Abflüge in der Moto3 und Moto2 zuvor hatten einen klaren Hinweis auf die Streckenverhältnisse gegeben. Auch der bestehende Rundenrekord wurde klar verfehlt. So ging es im Abschnitt der MotoGP auch um bestmögliche Kontrolle des Materials. Den ersten Schnitzer leistete sich in der zweiten fliegenden Runde Rückkehrer Alex Marquez. Der Gresini-Pilot, der bei seinem Comeback in Brünn das Handtuch geworfen hatte, rutschte in der langsamen Haarnadel aus. «AM73» konnte sein Bike aus eigener Kraft zurückbringen und die Session 15 Minuten später wieder aufnehmen.
Stark in die wichtige Session kam Pedro Acosta. Dem KTM-Pilot, dessen Wechsel 2027 ins Ducati-Werksteam nun offiziell ist, gelang im dritten Umlauf eine 1:32,3 und damit die erste Richtzeit. Zwei Minuten später steckte Acosta dann im Sandwich der Aprilia-Asse Bezzecchi und Martin. Der WM-Leader fuhr eine ganze Serie Bestzeiten und steigerte sich auf eine 1:32,145 min. Damit fehlten aber noch immer rund 1,7 Sekunden auf den Rundenrekord von Pecco Bagnaia aus der Saison 2024.
Hinter Martin auf P3 wechselten sich Ducati- und Aprilia-Piloten ab: Di Giannantonio, Fernandez, Ogura, dann die Ducati-Lenovo-Renner unter Bagnaia und Marc Marquez, so die Reihung der Top-8 nach der ersten Viertelstunde. Am unteren Ende: Yamaha-Wildcard Augusto Fernandez, Tech3-Athlet Maverick Vinales und Zarco-Ersatz Cal Crutchlow. Mit zwei Sekunden Rückstand auf P1 und Bezzecchi lagen die beiden Rookies Moreira (Honda) und Razgatlioglu (Yamaha) auf 19 und 20.
Mit Jack Miller auf Rang 9 vor Brad Binder hatten dagegen zwei MotoGP-Routiniers ein frühes Zeichen gesetzt. Kurz vor Halbzeit der Session kam dann viel Bewegung in die Hitzeschlacht im Norden. Bezzecchi und Jorgen lieferten die ersten 1:31er-Runden ab, Fermin Aldeguer schob sich mit der Gresini-Ducati auf Platz 3 und Toprak Razgatlioglu verbesserte sich mit einer 1:32,9 min auf Rang 9. Als auch Trackhouse-Pilot Raul Fernandez seine RS-GP zu einer 1:31,813 trieb, lagen drei Bikes aus Noale an der Spitze. Es kam noch besser. Ai Ogura kam in seinem Stint zur Halbzeit auf eine 1:31,443 min – Bestzeit und eine Aprilia-Vierfachführung.
Auch Weltmeister Marc Marquez steigerte sich zur Mitte der längsten MotoGP-Session, blieb aber hinter Bagnaia und vor Toprak auf Position 9. Als sich Fabio Quartararo mit der Werks-Yamaha auf P9 drückte, befand sich ausgerechnet der MotoGP-Champion auf dem Risiko-Platz 10. Bemerkenswert: Gut 20 Minuten vor dem Ende zog sich Rookie Moreira hinter Assen-Spezialist Bagnaia auf Platz 5 zurück – die erste Ducati mit Aldeguer tauchte damit erst auf Platz 6 auf.
Das Bild änderte sich mit Beginn des letzten Drittels der Session. Marc Marquez steigerte sich auf 1:31,742 min – gut genug, um als Dritter das Aprilia-Quartett zu sprengen. Im nächsten Schritt schalteten sich die KTM-Piloten ein. Enea Bastianini verbesserte sich auf Platz 10, Acosta auf 4. Zeitgleich wurde es schmerzhaft für Fermin Aldeguer. Der Spanier verlor die Kontrolle über seine Ducati in der schnellen Kurve 11. Der Ducati-Junior und nächstjährige VR46-Pilot war von den Salti im Kies kurz benommen.
Als die Flaggen wieder eingezogen waren, rollte die nächste Welle um die Top 10 für den direkten Q2-Einzug. Bezzecchi begeisterte sein Team – mit einer 1:31,123 min ging es wieder an die Spitze, Sekunden später folgte Raul Fernandez auf P2. Dahinter Ogura, Marc Marquez und Jorge Martin. Martin, beim Versuch nachzulegen, flog vier Minuten vor der Flagge in Kurve 12 ab. Dann das komplette Drama für Gresini Racing. Alex Marquez stürzte an der gleichen Stelle wie Teamkollege Fermin Aldeguer schwer. Sofort kam die rote Flagge, um Marquez zu versorgen. Nach kurzer Zeit kam die Entwarnung – Alex Marquez bei Bewusstsein! Doch auch für den zweiten Gresini-Piloten ging es zum Check ins Streckenhospital.
Als die Strecke wieder frei war, blieben nur zwei Runden für den Angriff auf die Aprilia-Spitze. Alle Versuche scheiterten, Bezzecchi und Fernandez zu verdrängen. Doch Acosta sprang mit einer starken Schlussattacke auf Platz 3, Bagnaia zog an Marc Marquez vorbei auf Platz 5 und mit Bastianini schaffte es ein zweiter KTM-Pilot ins Q2. Hinter Martin wurde Alex Marquez auf P10 geführt. Ob der Vizeweltmeister das Event weiter bestreiten wird, ist derweil unklar Gleiches gilt für Fermin Aldeguer.
Erstaunlich: LCR-Ersatzpilot Cal Crutchlow war im Zeittraining lange über eine halbe Sekunde schneller als Maverick Vinales. Erst in den letzten Minuten sprang Vinales auf Platz 16. Toprak Razgatlioglu wurde nach der hitzigen Stunde auf Platz 20 geführt.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach




