Europapolitik in der MotoGP: Italien gegen Spanien – Aprilia gegen Ducati
Marc Marquez und Pedro Acosta fahren die nächsten Jahre für Ducati, Marco Bezzecchi und Pecco Bagnaia für Aprilia. Die Aufstellung zeigt auch den Wettkampf der Italo-Werke auf strategischer Ebene.
Der Himmel über Noale ist Azzuro – so lautete die Überschrift der Pressemitteilung von Aprilia Racing zur Verpflichtung von Francesco Bagnaia. Was seit Monaten bekannt war, ist nun offiziell: Pecco startet ab 2027 für das Werk aus Noale.
Bereits fest stand Bagnaias Teamkollege. Mit der Arbeit von Marco Bezzecchi ist Aprilia so zufrieden, dass «Bez» noch während der Sepang-Tests im vergangenen Februar für zwei weitere Jahre
Eine Vision für Italien
Die Worte von Motorportchef Rivola sind unmissverständlich: «Michele Colaninno und ich teilen die gleiche Vision Italien zu unterstützen, weshalb wir beide gemeinsam an Marco und Pecco für das nächste Kapitel von Aprilia Racing gedacht haben. Bagnaias Ankunft ist eine Bestätigung für den Wert des italienischen Sports, der sich in den letzten Monaten dank der Erfolge von Kimi Antonelli in der Formel 1, Jannik Sinner im Tennis und Federica Brignone bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina 2026 auf der Weltbühne hervorgetan hat. Deshalb erfüllt uns die Aufnahme von Pecco mit Stolz und verleiht dem italienischen Sport international weiteren Auftrieb.»
Hintergrund des überdeutlichen Bekenntnisses zur Heimat des Aprilia-Projekts: Rivale Ducati zeigt sich mit seiner Aufstellung alles andere als national eingestellt.Mit anderen Worten: Dass Ducati Corse mit den spanischen Großkalibern Marc Marquez und Pedro Acosta auf Titeljagd geht, war eine Steilvorlage für den sportlich auf Augenhöhe operierenden Rivalen aus Noale.
Fermin Aldeguer hat nicht nur einen spanischen Pass, sondern auch einen Vertrag mit Ducati Corse und wird 2027 entsprechend im Junior-Team VR46 Racing fahren.
Denn der dritte italienische Ducati-Rennstall Gresini setzt mit Joan Mir und Dani Holgado auch auf zwei Spanier. Damit werden fünf von sechs Ducati Desmosedici 2027 von Spaniern gesteuert. Was aus sportlicher Sicht nachvollziehbar ist, hat genug Potenzial für einen nationalen Konflikt – den man bei Aprilia bewusst in eine Pro-Italien-Kampagne dreht.
Muss Fernandez seinen Platz räumen?
Denkt man das «Projekt Azzuro» in Richtung des Aprilia-Kundenteams zu Ende, erklärt sich das Andocken von Enea Bastianini bei Trackhouse Racing. Der Italiener wird den zu Yamaha wechselnden Japaner Ai Ogura ersetzen. Bleibt die Frage nach dem Sitz auf der vierten Aprilia RS-GP. Der aktuelle Trackhouse-Athlet Raul Fernandez macht sich zurecht Sorgen um seinen Arbeitsplatz – WM-Position 8 und zwei Podestplätze 2026 könnten zu wenig sein. Denn mindestens zwei Italiener könnten einspringen – und die Vision von Piaggio-Konzernchef Colaninno und Racing-CEO Rivola weiter befeuern. Als Routinier steht Luca Marini, wie Bezzecchi und Bagnaia Gründungsmitglied der VR46-Akademie, parat. Setzt man strategisch stattdessen auf den Nachwuchs – prego – Celestino Vietti. Der Moto2-Sieger und Boscoscuro-Spitzenpilot ist ebenfalls ein Rossi-Gewächs. Zwar glänzt Vietti seit Jahren nicht eben mit Beständigkeit, doch mit dem Dreamteam Bezzecchi und Bagnaia im Werksteam könnte man sich im Satellitenteam das Rookie-Experiment an der Seite von Bastianini leisten.
Forza Italia und Viva España – der Zweikampf der beiden stärksten MotoGP-Nationen wird 2027 in jedem Fall eine neue Qualität erreichen. Dass die Nationalität neben der fahrerischen Qualität eine Rolle spielt, wenn es um Fahrerverträge geht, ist keine Neuheit. Dass sie für eine Markenkampagne innerhalb von Europa eingesetzt wird, hingegen schon.
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