Nachgefragt: Warum sprangen in Frauenfeld so viele Antriebsketten ab?
Bei Mathis Valin (Kawasaki), Lucas Coenen (KTM), Jeffrey Herlings (Honda) und Andrea Adamo (KTM) sprangen in Frauenfeld bei 4 Spitzenpiloten die Antriebsketten ab. Was waren die Ursachen?
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«So etwas habe ich noch nicht erlebt», meinte sogar TV-Kommentator Paul Malin, der selbst eine lange WM-Karriere hinter sich hat und die WM-Szene seit Jahrzehnten sowohl als Fahrer als auch als fachkundiger TV-Kommentator kennt.
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Vier prominente Ausfälle mit Kettenproblemen Kawasaki-Werksfahrer Mathis Valin erwischte es im ersten MX2-Lauf am Sonntag in Führung liegend. Er konnte kaum glauben, was er beim Blick auf sein Hinterrad sah. Nach dem Start zum ersten MXGP-Rennen sprang Lucas Coenen (KTM) in der ersten Runde auch die Antriebskette herunter – ebenfalls in Führung liegend. HRC-Werksfahrer Jeffrey Herlings und Red Bull KTM-Werksfahrer Andrea Adamo erwischte es an derselben Stelle: Kurz nach einer Linkskehre mit tiefen Spurrinnen. 4 Spitzenfahrer sind in Frauenfeld mit Kettenproblemen liegengeblieben und ausgefallen. Valin, Coenen und Herlings hat dieser Zwischenfall 25 bzw. 22 Punkte gekostet. Das ist viel, besonders als Titelaspirant! Adamo konnte seine Kette wieder auflegen und sich ins Ziel retten. Coenen konnte auch weiterfahren, wurde aber wegen Inanspruchnahme fremder Hilfe disqualifiziert. Die Verantwortung der Mechaniker In der Haut der Mechaniker möchte man nach solchen Ausfällen nicht stecken. Im team-internen Debriefing geht es zweifellos nicht besonders nett zu. Die zentrale Frage lautet: Wie konnte ein solches Desaster überhaupt passieren? Was sind die Gründe und wie können solche Probleme künftig vermieden werden?
Schlamm und die Antriebskette Schlamm belastet die Antriebskette enorm, weil sich der Modder zwischen den Rollen und am Kettenblatt verteilt. Zwischen Kettenblatt und Kette bildet sich eine Schmutzschicht, die den Radius der Kettenblätter minimal erhöht und die Kette scheinbar verkürzt. Die Kette wird aber nicht kürzer, sondern wegen der Verschmutzung jedes einzelnen Kettenglieds straffer. Deshalb sind bei Schlammrennen häufiger Kettenrisse zu beobachten, weil sie immer straffer wird und im Extremfall reißt. In Frauenfeld kamen die Probleme aber nicht durch Kettenrisse, sondern durch abgesprungene Ketten. Wie passt das zusammen?
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Nachgefragt bei Hubert Nagl Hubert Nagl war nicht nur als Nationaltrainer und Techniker für Max Nagl und andere Fahrer tätig, sondern bringt auch aus seiner eigenen aktiven Zeit jahrzehntelanges Wissen und Erfahrung mit, um die spezielle Situation in Frauenfeld zu analysieren. Wir fragten nach: «Es sind ja zwei Dinge auffällig», erklärt der frühere Teamchef: «Erstens hat es besonders die Spitzenleute erwischt und zweitens ist es immer nach Linkskurven oder Linkskehren passiert und bei den Motorrädern sind die Antriebe links. Das ist ein Indiz dafür, dass in den tiefen Rinnen die Kettenführung im Erdreich hängengeblieben ist und die Kettenführung verbogen hat. Das passiert besonders den Spitzenfahrern, die größere Schräglage haben. Wenn die Kette nicht mehr geführt wird, springt sie beim nächsten Schlag ab.»
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Das passiert besonders den Spitzenfahrern, die größere Schräglage haben.Hubert Nagl
Weicher Boden in Kombination mit tiefen Rinnen «Es gibt Böden, die in diesem Bereich besonders kritisch sind. Frauenfeld gehört dazu. Der normalerweise ziemlich harte Boden war durch den Regen aufgeweicht und ausgefahren. Es gibt ein paar Strecken dieser Art: Gaildorf und Holzgerlingen gehören dazu. Legt der Fahrer das Motorrad in der Kurve um, kann es zu Beschädigungen der Kettenführung kommen. Das halte ich für die wahrscheinlichste Erklärung.» Die These, dass die Mechaniker wegen des Schlamms prophylaktisch mit weniger Kettenspannung an den Start gegangen sind, um eine Überdehnung der Antriebskette zu vermeiden, sieht Nagl nicht: «Diese Erfahrung haben die Teams aus zahllosen Tests und Trainings. Das würde ich definitiv ausschließen.»
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