SBK-WM in tiefer Krise: Hersteller diskutieren Änderungen für deren Rettung
Am Freitag kommt es in Donington Park zu einem wegweisenden Treffen der in der Superbike-WM engagierten Motorradhersteller bezüglich der zukünftigen Technikregeln. Konsens zu finden, ist schwierig.
Zuschauerliebling Toprak Razgatlioglu wechselte in die MotoGP, die Superbike-Rennen in dieser Saison sind aufgrund der Ducati-Dominanz mit Nicolo Bulega und Iker Lecuona an der Spitze vorhersehbar und eintönig. Im Vorverkauf für den Event in Donington Park an diesem Wochenende wurden lediglich 54 Prozent der Tickets wie im Vorjahr abgesetzt – da schrillen die Alarmglocken.
Weniger Zuschauer, sinkende Einschaltquoten und Hersteller, die ihr Engagement in Frage stellen, weil sie mit ihren veralteten Motorrädern nicht mehr konkurrenzfähig sind, bereiten Promoter Liberty (früher Dorna) Kopfzerbrechen.
Braucht es den Einsatz des Gott-Paragraphen?
Beschlüsse innerhalb der MSMA müssen einstimmig sein, damit sie anschließend in der gesetzgebenden Superbike Commission diskutiert werden können, in der auch Vertreter des Promoters und Motorrad-Weltverbands sitzen. Dieses Mal könnte es anders laufen und der «Gott-Paragraph» greifen, sollte unter den Herstellern keine Einigkeit erzielt werden. Dann wird über deren Köpfe hinwegentschieden, um den Sport zu schützen, so die Begründung von FIM und Liberty.
Derzeit lässt sich nicht abschätzen, ob es am Freitag in Donington Park beim Treffen der MSMA zu einer Einigung bezüglich der zukünftigen Technikvorschriften kommt. Das aktuelle Konstrukt der Balance-Regel, das auf maximal erlaubtem Kraftstoffdurchfluss und Zugeständnissen für schwächelnde Hersteller basiert, soll nicht grundsätzlich über Bord geschmissen werden. Die einzelnen Stellschrauben könnten aber anders gewichtet und dadurch die Effekte verändert werden.
Nur BMW hat Ducati etwas entgegenzusetzen
«Unser Team, und die Entwicklungsabteilung dahinter, arbeitet sehr hart und wir sind wahrscheinlich die Einzigen, die auf die Defizite zwischen den Ducati und uns reagieren können», hielt BMW-Teamchef Shaun Muir am Donnerstag beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in Donington Park fest. «Das Paket von Ducati, im Werksteam und bei den Privatiers, ist auf einem sehr hohen Level. Wir wissen, was von uns in Zukunft kommen wird und was wir auf den Tisch bringen können.»
Es gibt Widerstand, vor allen von den roten Bikes.bmw-teamchef shaun muir
«Fest steht aber auch, dass etwas unternommen werden muss», ergänzte der Engländer. «Während wir in der Entwicklung maximalen Druck machen, tun das andere Hersteller nicht – und können es möglicherweise auch nicht, weil ihnen die Hände gebunden sind. Bedeutet dies, dass die Ducati zurückgestuft wird, dann gilt das wahrscheinlich auch für die BMW. Die Hersteller versuchen gemeinsam mit der Dorna und der FIM einen Mittelweg zu finden, alle bemühen sich sehr. Aber natürlich gibt es Widerstand, vor allen von den roten Bikes, wenn es um eine größere Zurückstufung geht. Die Herausforderung liegt darin, jeden auf einen für alle akzeptablen Level zu bringen, bislang haben wir darauf keine Antwort gefunden. Die Auswirkungen des maximal erlaubten Kraftstoffmengendurchflusses sind in meinen Augen nicht genug; so wie es jetzt gehandhabt wird, ist die Lücke zu Ducati immer noch zu groß. Auch wenn wir mit unseren Entwicklungsschritten glücklich sind, müssen Dorna und FIM einen Schritt machen, um diese Lücke zu verringern –
Ducati ist mit der aktuellen Panigale V4R ein technisches Meisterwerk gelungen: Bulega hat alle bislang 21 Läufe des Jahres gewonnen, saisonübergreifend sogar 25! 18 Mal sorgte Aruba-Teamkollege Lecuona für den Doppelsieg. Von 63 Podestplätzen gingen lediglich sieben nicht an Ducati: Vier eroberte BMW-Werksfahrer Miguel Oliveira, zwei holte Axel Bassani und einen Alex Lowes, beide auf einer Bimota.
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