Ducati Panigale V4R: Spannende Einblicke zur Kunst des schnellen Fahrens
Nach Jahren ohne Elektronikhilfen in der Britischen Superbike-Meisterschaft musste Tommy Bridewell seinen Fahrstil komplett umstellen. Jetzt erklärt der Ducati-Pilot, worauf es wirklich ankommt.
Die Ducati Panigale V4R ist in der Superbike-WM 2026 das Maß aller Dinge. Ein Blick auf die Statistik unterstreicht die Dominanz eindrucksvoll: Werksfahrer Nicolo Bulega gewann sämtliche Saisonrennen, Iker Lecuona fährt seit Portimao regelmäßig auf Platz 2 und in der Herstellerwertung hat Ducati bereits mehr als doppelt so viele Punkte gesammelt wie Verfolger Bimota. Dass auch die Privatfahrer regelmäßig Spitzenresultate erzielen, spricht für die Qualitäten der Panigale V4R und das starke Kundenprogramm des Herstellers aus Bologna. Einer von sieben Ducati-Privatfahrern ist Tommy Bridewell, der SPEEDWEEK.com erklärte, welche fahrerischen Besonderheiten das Erfolgsbike verlangt.
Mit dem Wechsel in die Superbike-WM betrat Bridewell in vielerlei Hinsicht Neuland. Der Brite stieß erst ab dem zweiten Rennwochenende der Saison 2026 zum Feld, steigerte sich nach einem soliden Einstand aber kontinuierlich. In Most gelangen ihm mit Rang 8 im Sprint und Platz 10 im Sonntagsrennen die ersten Top-10-Ergebnisse, in Aragon überraschte der Ducati-Pilot sogar mit Platz 5 im ersten Rennen und weiteren Top-10-Platzierungen. Als WM-16. zeigt die Formkurve des ehemaligen Britischen Superbike-Champions klar nach oben.
Die Besonderheiten der Fahrtechnik erklärt
Der größte Unterschied zwischen der Britischen Superbike-Meisterschaft und der Superbike-WM ist für Bridewell neben der starken Konkurrenz in erster Linie die Fahrtechnik. In der BSB sind elektronische Fahrhilfen verboten, weshalb er seinen Fahrstil grundlegend anpassen musste. Besonders der intensive Einsatz der Hinterradbremse in der WM habe ihn überrascht.
«Die Art und Weise, wie in der Superbike-WM die Hinterradbremse eingesetzt wird, ist außergewöhnlich», erklärte Bridewell. «In England benutzt man die Hinterradbremse praktisch gar nicht. Rückblickend frage ich mich sogar, warum eigentlich nicht. Es ist wie beim Auto: Wenn du nur auf die Bremse trittst, wirst du langsamer. Ziehst du zusätzlich die Handbremse, verzögerst du noch stärker. Heute erscheint mir das völlig logisch.»
Vor allem beim Einlenken erkannte Bridewell, wie viel er noch lernen musste. «Ich bin beim Kurveneingang noch etwas schwach. Die anderen Ducati-Fahrer sind dort extrem stark. Sie bremsen gleichzeitig mit Vorder- und Hinterradbremse und bauen dabei enorm viel Druck auf der Hinterradbremse auf. Sobald sie einlenken, lösen sie beide Bremsen wieder. Als ich das zunächst kopiert habe, hatte ich starkes Chattering, obwohl mein Motorrad nahezu identisch wie das von Yari Montella abgestimmt war.»
Erst durch die Analyse der Daten verstand Bridewell den entscheidenden Unterschied. «Als ich erkannte, dass sie deutlich mehr Hinterradbremse einsetzen als ich, verschwand das Chattering sofort. Plötzlich war ich am Kurveneingang sogar etwa 10 km/h schneller als vorher. Das sind diese kleinen Details, die man erst mit der Zeit versteht. Genau das gehört zum Lernprozess.»
Wie die Elektronik die Performance beeinflusst
Mindestens genauso groß war die Umstellung auf die umfangreichen Elektroniksysteme der Ducati Panigale V4 R. Viele Außenstehende glaubten, die Traktionskontrolle gleiche jeden Fehler automatisch aus. Bridewell widerspricht dieser Vorstellung entschieden.
«Das Verrückte ist: Die Elektronik ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug – aber nur, wenn man sie richtig nutzt. Viele denken, man hat Traktionskontrolle und Wheelie-Control und kann einfach Vollgas geben, weil die Elektronik einen schon rettet. So funktioniert das aber nicht.»
Stattdessen müsse der Fahrer möglichst vermeiden, dass die Systeme überhaupt eingreifen. «Die Fahrer in der Superbike-WM gehen viel sanfter ans Gas. Das Ziel ist, die Elektronik möglichst wenig arbeiten zu lassen, denn jedes Eingreifen kostet Zeit. Genau dort habe ich noch Nachholbedarf. Ich bin am Gas zu aggressiv. Wenn das Hinterrad durchdreht, denke ich oft: Egal, einfach Vollgas. Doch dann regelt die Traktionskontrolle und das Motorrad beschleunigt nicht richtig.»
Ein konkretes Beispiel erlebte Bridewell in Most. «In Kurve 4 habe ich Zeit verloren, weil ich aus Kurve 2 heraus einfach vom ersten bis in den fünften Gang Vollgas gegeben habe und darauf vertraut habe, dass die Traktionskontrolle mich rettet. Das Problem war nur: Das Motorrad fuhr nicht nach vorne. Im Rennen begann ich dann, das Gas sanfter zu öffnen. In den Daten konnte ich sofort sehen, dass meine Geschwindigkeit deutlich anstieg.»
Für Bridewell ist deshalb klar, dass die Elektronik zwar enorme Möglichkeiten bietet, der Fahrer aber lernen muss, sie gezielt einzusetzen. «Man muss verstehen, wie man die Elektronik richtig nutzt. Beim Kurveneingang gibt es verschiedene Motorbrems-Strategien, am Kurvenausgang spielen Traktionskontrolle und Wheelie-Control eine entscheidende Rolle. Erst wenn man all diese Systeme richtig einsetzt, fährt man auch gute Rundenzeiten.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach



