Tourist Trophy
Horst Saiger verrät: «Habe mich lange nutzlos gefühlt»
Drei Tage tourte Horst Saiger mit TT-Legende John McGuinness, «Wheelie Konni» Ammenhäuser und Moderator Lenz Leberkern durch drei Länder und gab auch Einblicke in sein Seelenleben.
Die Filmvorführungen von Horst Saiger sind seit Jahren unter Freunden des Straßenrennsports eine absolute Pflichtveranstaltung, die man nicht versäumen sollte. Dieses Jahr hatte er sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Gemeinsam mit dem 23-fachen Tourist-Trophy-Sieger John McGuinness, dem unverwüstlichen Konrad «Wheelie Konni» Ammenhäuser sowie dem Eurosport- und Motorvision Kult-Moderator Lenz Leberkern begab er sich auf eine dreitägige Veranstaltungsreihe durch die Schweiz, Deutschland und Österreich.
Während McGuinness begleitet von seiner charmanten Frau Becky das begeisterte Publikum mit seinen unglaublichen Geschichten aus seinem Rennfahrerleben und über seine Kollegen wie der Road-Racing-Legende Joey Dunlop oder dem unvergleichlichen Valentino Rossi für ungläubiges Staunen und Erheiterung sorgte – dafür war auch die launige Übersetzung von Leberkern verantwortlich – und Ammenhäuser von seiner Liebe zur Tourist Trophy und seinem unverschuldeten Verkehrsunfall, den er nur mit Glück überlebte, berichtete, gab Saiger Einblicke in sein Seelenleben.
Rückblick: Ende Juni 2020 hatte nicht viel gefehlt und Horst Saiger hätte seine Leidenschaft schnell Motorrad zu fahren mit dem höchsten Preis bezahlt. Bei Testfahrten auf dem Red Bull Ring krachte er nach einem Bremsversgen mit hoher Geschwindigkeit in der ohnedies geräumig angelegten Auslaufzone der ersten Kurve in die Leitplanken. Hätte die Rettungskette nicht so vorbildlich funktioniert und das Operationsteam im Landeskrankenhaus Judenburg nicht einen perfekten Job gemacht, wäre sein Leben wohl nicht zu retten gewesen.
Es dauerte mehr als ein Jahr bis er ernsthaft an ein Comeback denken konnte, aber anlässlich seines 50. Geburtstages musste er sich eingestehen, dass der Zeitpunkt seines Rücktritts unwiderruflich gekommen war. 2023 stach Saiger, der im Vorjahr seine österreichische Staatsbürgerschaft gegen die liechtensteinische getauscht hat, wieder der Hafer. Beim Classic Superbike Manx Grand Prix wollte er zumindest für ein Rennen nochmals an den Start gehen.
Als Vorbereitung für den «großen Moment» schnappt er sich seine Kawasaki ZXR750, mit der er 2018 im Superbike-Rennen der Classic TT den zweiten Platz belegt hatte, und reiste nach Italien. Der Test auf der MotoGP-Strecke in Mugello brachte ihn allerdings zur Einsicht, dass sein Körper das Rennfahren auf dem Level, der im ohnedies nicht ungefährlichen Road Racing gefordert ist, einfach nicht mehr zulässt. «Ich habe die Reißleine gezogen. Es geht nicht einfach nicht», so damals seine Feststellung.
Im Vorjahr sorgte Saiger mit seiner Ankündigung, dass er sich bei der Classic TT doch rennmäßig wieder in den Sattel schwingen wird, für eine handfest Überraschung. «Seine Entscheidung konnte ich damals gut nachvollziehen», pflichtete McGuinness bei der Veranstaltung in Österreich seinem Freund bei. «Kein Rennfahrer will seine Laufbahn mit einer Verletzung abschließen.» Weil aber das Rennen wegen des schlechten Wetters nicht stattfand, musste das Comeback um ein weiteres Jahr auf 2026 verschoben werden.
Wenn nichts Unerwartetes passiert, wird Saiger Ende August im Renntempo um den Snaefell Mountain Course brausen. Wie bereits im Vorjahr wird ihn dabei die Schweizer Rennsportlegende Hanspeter «Hämpu» Bolliger technisch betreuen. «Im Training nach sechs Jahren wieder von der Startlinie zu beschleunigen und mit Vollgas durch die Senke bei Bray Hill zu fahren hat mir ein Gefühl vermittelt, das auf dieser Welt einzigartig ist. Es gibt einfach nichts Vergleichbares. Davor habe ich mich lange nutzlos gefühlt, danach endlich wieder als vollwertiger Mensch!»
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