Unterfranken 2012: Licht und Schatten (2/2)

Von Uli Kohl
Bergrennen
Sebastian Schmitt - Opel Gerent Kadett CQP Evo 2

Sebastian Schmitt - Opel Gerent Kadett CQP Evo 2

«Wo Licht ist, da ist auch Schatten.» Ein altbekannter Spruch. Anwendbar – leider – auch auf das 45. AvD/GAMSC Bergrennen Unterfranken in Eichenbühl am 08. und 09. September.

«Trainieren heisst probieren.» Dieses Motto setzt Sebastian Schmitt um, hält sich zunächst dezent zurück, probiert in Ruhe verschiedene Set-Up Varianten am Gerent Kadett 16V durch. In der dritten Auffahrt hat er die optimalen Einstellungen gefunden, setzt mit frischen Reifen in 1:23,03 die 2-Liter Bestzeit. Vor Vorjahressieger Mario Minichberger, Dieter Rottenberger, Ralf Kroll (Lehmann Golf 16V) und Peter Naumann, der 1,66 Sekunden hinter dem „Pole-Setter“ die Ziellinie kreuzt. Norbert Wimmer lehnt sich im letzten Probegalopp an die Leitplanke an, muss am Abend Felgen tauschen und das BMW 2002 Fahrwerk neu vermessen.

Am Renntag glänzt Basti Schmitt als Blitzstarter, knallt 1:21,96 auf den Asphalt, geht mit 1,18 Sekunden Vorsprung in Führung. Der Verfolgerzug mit Mario Minichberger, Peter Naumann, Ralf Kroll und Roman Sonderbauer im Risse Kadett liegt innerhalb von 1,17 Sekunden zusammen. Von den Top-Five wird nur Peter Naumann im aufgeladenen Polo Super Charger im zweiten Run schneller, alle anderen büßen etwas Zeit im direkten Vergleich ihrer beiden Läufe ein. So kommt Polo-Treter Peter Naumann noch bis auf 2 Hundertstelsekunden an den Minichberger Scirocco 16V heran, aber nicht mehr an diesem vorbei. Somit stehen die Plätze eins bis fünf fest.

Dieter Rottenberger beendet das Rennen im BMW 318i STW als Sechster. Dann folgt Holger Hovemann (Risse Kadett/P7), knapp vor dem schnellsten 8V-ler, Michael Rauch im Briegel Kadett (P8). Markus Reich (VW Golf 16V/P9)) und Clio Pilot Björn Wiebe als Zehnter komplettieren die Top-Ten der heißumkämpften und mit 32 Startern bestbesetzten 2-Liter Klasse. Auf Platz 13 läuft Youngster-Sieger Patrick Orth im BMW 320iS ein. Mit Michael Rauch haben wir den Gewinner der KW 8V-Trophy bis 2000 Kubikzentimeter bereits genannt. Norbert Wimmer wird hier Zweiter, Christian Dümler (VW Golf) beansprucht den letzten noch freien „Stockerlplatz“ als Dritter für sich. Manfred Bläsius (BMW 320i/P4) und Christian Ehret im Opel Ascona B als Fünfter runden das 2-Liter 8-Ventiler Klassement ab.

Am Samstag glänzt Markus Wüstefeld in 1:22,57 noch mit der allerschnellsten Gruppe H Trainingszeit, im ersten Rennlauf dreht er sich mit dem ex-DTM Mercedes 190 bei Posten 4 und vergibt so seine Siegchancen in der Klasse über 2000 ccm. Siegfried Hauff bewahrt kühlen Kopf, ist zur Stelle und treibt sein 2,5-Liter C-Coupé fehlerfrei zum Klassengewinn vor dem Escort Cosworth von Norman Struckmann. Im zweiten Lauf setzt der Saarländer Harald Ludwig im BMW M3 E36 zum Endspurt an und verdrängt Maximilian Bachmann (BMW 325/P4) noch von Platz drei. Rang fünf holt sich Thomas Ostermann im BMW E30 Hartge.

Das Duell in der 1600er Klasse der zusammen gewerteten Gruppen FS/E1/E2SH entscheidet Markus Goldbach im Opel Corsa 16V gegen Franz Hasenstab (Peugeot 206 Kit-Car) für sich. Die 2-Liter Klasse dieser Gruppen steht – einmal mehr – im Zeichen von Rainer Schönborn. Liegt Günter Göser (Opel Kadett 16V) im Training noch 1,74 Sekunden zurück, so dreht er im ersten Renn-Heat mächtig auf und kommt bis auf sieben Hundertstel an Rainer Schönborn heran.

Mit leichtem Respektabstand bemühen sich Edmund Bodenmüller (Minichberger Kadett 16V), Michael Dandl und Jürgen Schuster im Wankelmotor Mazda RX-7 um den Anschluss. Im zweiten Lauf muss Günter Göser mit technischen Problemen die Segel streichen. Michael Dandl (BMW E30) und Jürgen Schuster rücken auf die Plätze zwei und drei auf, der Österreicher Nicolas Reiter ist im Ford Escort MK1 Vierter. Edmund Bodenmüller verliert im zweiten Durchgang Zeit und Plätze, verlässt Unterfranken als Fünfter.

Höchste Spannung in der Klasse über 2-Liter. Denn die Deutsche Automobil-Berg-Meisterschaft der Tourenwagen (DBM) biegt in die Zielgerade ein, nach Unterfranken sind nur mehr in Mickhausen beim Finale Punkte zu holen. Im Training setzt Norbert Brenner die Bestzeit in der ersten Auffahrt. Vor Klaus Hoffmann und Herbert Stolz. Dann geht es rund. Norbert Brenners Opel Vectra V8 DTM schlägt beim Anbremsen aus Top-Speed quer, nur unter Aufbietung aller Reflexe und Fahrkünste gelingt es dem achtfachen DBM-Sieger seinen Renner auf der Fahrbahn zu halten. Weniger Fortune hat Klaus Hoffmann. Er dreht sich in der Schuttplatzkurve ein, touchiert dabei mit der Fahrzeugfront die Leitplanke. In einer Nachtschicht wird der Opel Astra V8 DTM wieder fit gemacht. So fit, dass Rennlauf eins an Klaus Hoffmann geht, 38 Tausendstelsekunden vor Norbert Brenner und Herbert Stolz. Das lässt der „Neu-Eichenbühler“ Rekordmeister nicht lange auf sich sitzen.

Beide ex-DTM Boliden drücken die Zeiten nochmals nach unten. Aber diesmal heißt der Laufsieger Norbert Brenner, der sich 162 Tausendstelsekunden Vorsprung notieren lässt. Und dadurch auch in der Addition der Laufzeiten um 0,124 Sekunden vorne liegt. Freuen wir uns auf die Fortsetzung dieses Duells in Mickhausen! Hinter Herbert Stolz im Porsche 935 DPII(P3) läuft Norbert Handa als Vierter im Ziel ein. Im Privatleben hat dieser übrigens im Moment mehr Glück und Erfolg als in der Rennerei. Wir gratulieren ganz herzlich zur Hochzeit, wünschen viel Glück und alles Gute. Und drücken obendrein die Daumen zur schnellen Fertigstellung des neuen Lancia Delta Integrale. Damit auch der sportliche Lorbeer zurück kehrt.

Verlassen wir nun das Metier der Regenbogenpresse wieder, kehren wir zurück zur seriösen Sportberichterstattung, wenden wir uns dem aktuellen Stand im KW Berg-Cup und dessen letzten Stationen 2012 zu. Von denen alles abhängt. Denn wir wissen: Die acht besten Resultate aus elf Rennen werden zur Jahresendwertung heran gezogen. Und das angestrebte Ziel – acht absolute „Big-Point Ergebnisse“ – hat noch niemand auf seinem Konto. Auch nicht nach Unterfranken.

Daher ist es müßig zu spekulieren. Sondern zielführender, sich zwei Termine zu notieren. Den 22./23. September und den 06./07. Oktober. Weil es da nochmals gilt, bedingungslos Vollgas zu geben. In Österreich, in St. Agatha. Und im bayerischen Schwabenland, in Mickhausen, etwa 45 Kilometer von Augsburg entfernt. Allerspätestens dort werden die KW Berg-Cup Sieger 2012 gekürt. In allen Wertungen. Also noch zwei Chancen für uns alle in diesem Jahr, packenden Bergrennsport mit zu erleben. Ihn zu sehen, ihn zu hören, ihn zu schmecken, ihn zu riechen, ihn zu spüren, ihn zu fühlen. Und das werden wir uns doch ganz sicher nicht entgehen lassen: Die Saison gemeinsam zu beschließen. Ich bin dabei – und freue mich auf Euch. Heute schon.

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