«Ist Citroen auch dabei?»

Kolumne von Yörn Pugmeister
Dakar Auto
Die Ruhe vor dem Sturm

Die Ruhe vor dem Sturm

Sechs Tage vor Beginn der Rallye Dakar interessieren sich die Menschen in Buenos Aires eher für Diego als für Dakar.

Buenos Aires, sechs Tage vor Beginn der Dakar 2009 in Südamerika. Am Startort, der argentinischen Hauptstadt, ist alles ruhig – keiner scheint zu wissen, dass am 3. Januar 530 Teilnehmer eine 9700 Kilometer lange Schleife durch Argentinien und Chile drehen werden, um am 18. Januar wieder in Buenos Aires einzutreffen.

Kein Mensch scheint es zu wissen. Der Taxichauffeur vom Flughafen in die Stadt wusste es nicht, der Polizist, der uns wegen Schnellfahrens freundlich anhielt, auch nicht.

«Die Polizei hier ist nicht alarmiert – in  Cordoba, an der Villa-Paz-Strecke, da soll irgendwann was los sein.» Sagte der Motorrad-Polizist – und fragte nach: «Ist Citroen auch dabei?»

Ich machte mich nicht daran, dem Uniformierten den Unterschied zwischen WRC und Dakar zu erklären.

Am Sonntag sind in der teuersten Einkaufstrasse von Buenos Aires, der Florida, die Geschäfte geöffnet – für Touristen: Die Einwohner von Buenos Aires baden um diese Jahreszeit am Meer, in Villa Gesell oder, viel massierter noch, in Mar de Plata.

Petter Halmström mit Freundin, beide in Subaru-blauen T-Shirts, trotzten den feuchten 35 Grad in der City. Ob sie wegen der  Dakar hier seien?

«Wie, Dakar? Hier?»

Sie hatten nichts davon gehört, wollen aber in die Anden, nach Bariloche. Dort kommt die Dakar eh nicht vorbei  und Marcus Grönholm führe ja auch nicht mehr.

Habe die Ehre, denke ich.

Die Schaufenster aller Sport- und Souvenirgeschäfte sind geschmückt – mit Trikots der argentinischen Nationalmannschaft und mit dem ihres neuen Trainers, Diego Maradona.

Ich stelle mir vor, dass hier irgend sowas wie eine Meisterschaft abläuft, eine Art Coppa Südamerika, gehe in einen der buntesten Läden und frage nach.

Javier Zapisco, der fettige Boutiquen- Eigner, erklärt: «Für Argentinien gibt es nur einen Sport – das ist Fußball. Jeder, Männer, Frauen, Kinder, alle schmücken sich mit argentinischen Fussball-Trikots – dazu braucht es gar keine Meisterschaft.»

Ich versuche, ihn auf die Dakar in seinem Land zu bringen, ob er was davon gehört habe. Ja, irgendwann mal im Fernsehen – aber von Motorsportlern habe er sowieso die Nase voll. Ich will wissen, ob das Fehlen von Helden wie  Juan Manuel Fangio oder eines «Lole» Reutemann der Grund sei oder was sonst.

Er heult auf: «Dieser unverschämte Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher hat doch gestern tatsächlich gesagt, dass er nicht daran glaubt, dass Maradona wieder so fit werde, dass er Technik-Trainer der Nationalmannschaft werden könne.»

Ich verlasse den Laden – Javier läuft mir nach an die Tür: «Man müsste den Diego nur in einen Dakar-Wagen setzen – dann wären alle Zeitungen voll.»

Ich zweifle nicht, denn bisher sind die Zeitungen leer. Weder im Sportteil der «Nacion» noch in dem der «Prensa» habe ich einen Artikel gefunden.

Auch lassen sich keine bunt beklebten Teilnehmer-Fahrzeuge in der Stadt blicken. Ich erinnere mich an Paris, Marseille, an Barcelona oder Lissabon, frühere Startorte, wo schon Tage vor dem Raid Laster, Autos und Motorräder ihre ganz privaten, kleinen Ovationen  abholten, die sie während der Tortur nie bekamen.

Aber vielleicht sind alle Maschinen noch am Hafen, werde mich morgen mal dahin aufmachen.

Ach, ein Plakat fand ich noch, ganz in der Nähe des famosen Obelisken, wo wohl gestartet werden soll: Ein paar Mobile knatterten durch eine trostlose Gegend, drüber stand «Dakar Argentina».
Tja, wenn doch nur Maradona ...

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