Bernd Schneider: Gott sei Dank fahre ich nicht mehr!

Von Andreas Reiners
DTM
Bernd Schneider holte fünf DTM-Titel

Bernd Schneider holte fünf DTM-Titel

DTM-Legende Bernd Schneider vermeidet generell die Phrase «Früher war alles besser». Schneider stellt klar: Es war anders. Die Fahrer hatten mehr Spaß, heute geht es verbissener zu.

Bernd Schneider weiß, dass ein Vergleich der früheren DTM mit der aktuellen Tourenwagenserie schwierig ist. Er fuhr zwischen 1986 und 2008, holte fünf Titel, zahlreiche Rekorde wie die meisten Siege (43) und war in der Hochzeit der Serie unterwegs. Deswegen vermeidet der 54-Jährige auch die Phrase «Früher war alles besser».

«Es war nicht besser, sondern anders», stellt er bei Auto Bild Motorsport klar. «Es ist heute eine ganz andere Zeit. Ich bin zum Beispiel in einem Jahr bei Testfahrten 25.000 Kilometer gefahren, so viel fahren die heute in fünf Jahren nicht«, so Schneider. Er erinnert sich: «Früher haben wir Qualifier-Tests gemacht, da konnten wir die geilsten Runden fahren, da habe ich innerlich nur gelacht. Das war das Schönste und Allergrößte überhaupt.»

Hinzu kommt: Die Stimmung war damals eine ganz andere als heute. «Mit Opel hatten wir eine ganz andere Fan-Klientel, als es Audi, BMW und Mercedes heute haben. Das war die Hölle, was da fanmäßig los war. Die Begeisterung war auf den Tribünen, aber auch auf den Campingplätzen war riesig. Es war eine coole Zeit, man war als Fahrer auch nicht so verplant«, sagte Schneider.

Früher war es relativ simpel. Nach dem Qualiyfing sprach man eine halbe Stunde mit dem Ingenieur, und dann war es gut. Dann hat man gegen Alfa Fußball gespielt oder gekickert. Hat man das Rennfahrer-Leben genossen, anders ausgelebt. «Es gab Motto-Abende, bei Alfa, bei Opel oder bei Mercedes, es wurde gegrillt, es gab Pizza oder Spätzle. Man hat abends zusammengesessen und hat Spaß gehabt», so Schneider. Viele ehemalige Fahrer schwärmen von diesen Zeiten.

Aber klar: Es ging natürlich nicht nur harmonisch zu. «Auf der Strecke haben wir uns dann auch bekriegt», sagte Schneider.

Trotzdem geht es unter dem Strich heutzutage verbissener zu. «Es steht viel auf dem Spiel, die drei Hersteller wollen gewinnen. Ich kann verstehen, wenn sie sagen, dass die Fahrer keinen Spaß haben, sondern gewinnen sollen. Dafür werden sie bezahlt. Die Fahrer kommen heute um 23 Uhr aus dem letzten Meeting raus. Da denke ich: "Gott sei Dank fahre ich nicht mehr".»

Warum ist es heute in der DTM so ausgeglichen und umkämpft? Schneider: «Als ich DTM gefahren bin, kam noch nicht jeder Pilot aus dem Kartsport in die DTM. Die Ausgeglichenheit war deshalb eine andere. Heute haben die Fahrer alle die gleiche Ausbildung. In der DTM hat man sechs Teamkollegen. Heißt: Wenn du das beste Auto hast, hast du noch lange nicht gewonnen. Im Qualifying musste du die perfekte Runde fahren, sonst hast du im Rennen fast keine Chance auf den Sieg.»

Ein Gaststart für Mercedes stand im Raum. Schneider winkte jedoch ab. «Ich bin zum einen mit dann 54 Jahren viel zu alt. Und zum anderen werde ich nicht gerne Letzter. Ich fahre gerne Rennen und habe gerne Spaß. Mir macht es aber nur Spaß, wenn ich wirklich mithalten kann.»

«Wenn ich mit den jungen Fahrern im GT3 auf einem Auto sitze, macht das unheimlich viel Spaß. Die Paarung jung und erfahren ist eine schöne Kombination. Die Zusammenarbeit, die Abstimmung, die Rennen: Das hält brutal jung. Und die Jungs haben Spaß mit mir zu fahren, denn ich kann es noch einigermaßen. Aber in einem DTM-Auto bist du Einzelkämpfer.»

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