DTM

Bussi Bussi im Titelkampf: «Brauchen mehr Pfeffer!»

Von - 29.07.2019 10:52

Zwei Audi-Fahrer sind als Tabellenführer und Zweiter in den DTM-Titelkampf involviert. Beide betonen das gute Verhältnis. Hinter den Kulissen soll es anders aussehen.

Die Halbzeit einer Saison ist immer auch Bilanzzeit. Ein Moment für ein Zwischenfazit, bevor die zweite Hälfte beginnt. Kurz innehalten und überlegen, wo man noch an Stellschrauben drehen könnte. Was war gut? Was war schlecht? Womit war DTM-Chef Gerhard Berger zufrieden? Womit nicht?

Berger stellte in seiner Medienrunde deshalb eine Gegenfrage an die Journalisten: «Was fehlt euch denn in der DTM? Was müsste besser werden?»

Anmerkung von SPEEDWEEK.com: Die DTM ist zu nett geworden. Noch netter als sowieso schon. Keine Kontroversen mehr unter den Fahrern. Der Schmusekurs dominiert. Sogar zwei Titelkandidaten, die sich in die Karre fahren, haken den Zwischenfall unspektakulär ab.

Bussi Bussi im Titelkampf.

Langweilige Dauer-Kuschelei

Es ist schon klar, dass es unter den Piloten tatsächlich einige gibt, die sich schlicht gut verstehen. Aber Motorsport ist eben auch ein großer Zirkus. Unterhaltung. Man muss authentisch bleiben, aber die Dauer-Kuschelei ist auf Dauer doch sehr langweilig.

Berger stimmt zu. «Wir brauchen mehr Pfeffer. Das kann man natürlich schwer steuern. Aber das bräuchten wir definitiv.»

In Assen war eine gewisse Anspannung zu spüren, als der Gesamtzweite Nico Müller (136 Punkte) Tabellenführer René Rast (158 Punkte) im Samstagsrennen nicht vorbeiließ, der wiederum mit einer abfälligen Handbewegung reagierte. Hatte Rast gedacht, sein Teamkollege winkt ihn vorbei, obwohl der sein Widersacher im Titelkampf ist?

In einer ersten Emotion sieht man dann doch mehr, als man anschließend hört. Denn beide spielten das angespannte Verhältnis, das beiden seit dem Crash auf dem Norisring nachgesagt wird, herunter.

Rast betonte in Assen bei SPEEDWEEK.com zum Beispiel: «Auf der Strecke kämpfen wir gegeneinander, aber es gibt keinen Grund, sich abseits der Strecke nicht mehr anzuschauen. Wir wollen alle den Titel gewinnen, aber deswegen durchzudrehen, stur zu schalten oder Psychospielchen zu spielen, bringt nicht viel.»

«Verstehen uns gut»

Auch Müller wollte kein Öl ins Feuer gießen. In den Urlaub werde er mit Rast zwar nicht fahren, zu einem Bier taugt das Verhältnis aber angeblich schon. Müller bei SPEEDWEEK.com: «Von meiner Seite gibt es keine schlechten Gefühle. Wir verstehen uns gut.»

Berger hat das Verhältnis zwischen Teamkollegen früher anders kennengelernt. «Ehrlich gesagt: Als erstes schießt du am liebsten deinen Teamkollegen ab. Das ist dein erster Konkurrent», so Berger.

Der Österreicher findet: «Der Rast muss das genauso machen, der muss sich aufregen, der muss einen Zirkus machen, das gehört dazu. Wenn der Müller aber nachgegeben hätte, hättest du ihn vergessen können. Dann würde er nie Meister werden. Aber weil er nicht nachgegeben hat, ist er auch ein Guter. Der macht sich auch breit. So siehst du, ob einer einen Killerinstinkt hat.»

Berger weiß: «Meister wird der, der die Ellenbogen hat.»

Er glaubt, dass der Titelkampf auch verbal Fahrt aufnehmen wird. «Warte ab: Mal sehen, ob die noch auf Schmusekurs sind, wenn es um den Titel geht. Lass es so weitergehen und Hockenheim näherkommen, und sie haben gleich viele Punkte. Dann schauen wir mal, was passiert.»

Er verrät, dass es zwischen beiden Fahrern knirscht: «Ich habe gehört, dass hinter den Kulissen die eine oder andere Diskussion läuft. Das ist richtig, sonst wäre es kein Sport.»

Das ist der Punkt: Leider passiert das meistens nur hinter den Kulissen.

Alle haben sich lieb-Reflex

Denn es wirkt in der DTM inzwischen wie ein Reflex: Alle haben sich super lieb. Als ob sich die Hersteller-Doktrin «Bloß kein negativer Vibe» endgültig in die DNA der Fahrer eingepflanzt hat.

Wo sind denn die Clowns, Pappnasen oder – sorry – Arschlöcher, die Sprüche, das Salz in der Suppe? Sprich: Wo sind die kontroversen Auseinandersetzungen zwischen den Fahrern? Wann knallt es mal wieder?

Das Problem: Rast und Müller sind zwei Fahrer eines Herstellers, die haben sich vom Grundsatz her noch ein bisschen lieber beziehungsweise müssen sich lieber haben. Da geht man natürlich ein Bier miteinander trinken, versteht sich ganz doll gut und auch nach einer Kollision im Kampf um die Führung eines DTM-Rennens: Kein böses Wort.

Ja, Müller ließ am Norisring Kritik an Rast durchblicken. Tenor: Der Meister von 2017 hat sich ein bisschen zu sehr darauf verlassen, dass Müller ihm Platz lässt, für den Ex-Meister zurücksteckt. Aber auch diese Kritik war mehr mit angezogener Handbremse.

Da wäre dann auch der TV-Partner gefragt, der nach besagter Kollision am Norisring sogar beide Fahrer zusammen vor der Kamera hatte, das Gespräch aber – warum auch immer – auf Versöhnung lenkte, so jede mögliche emotionale Aussage im Keim erstickte.

Und damit leider auch den Pfeffer, den die Serie braucht.

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