GT-Angriff: So tritt die DTM dem ADAC vors Schienbein

Von Andreas Reiners
DTM
Die DTM startet eine GT-Offensive: Nach dem DMV GT & Touring Car Cup kommt nun die «DTM Trophy», eine direkte Konkurrenz zum ADAC GT 4 Germany.

Nein, in München wird man wohl eher nicht gejubelt haben. Erst der DMV GT & Touring Car Cup (DMV GTC), nun die «DTM Trophy»: Die Tourenwagenserie hat eine kleine GT-Offensive gestartet und sich damit in das eigentliche ADAC-Hoheitsgebiet begeben.

Kleine, aber feine Seitenhiebe, könnte man meinen. Der DMV GTC ist eine Rennserie für Kundensport-Teams. Zugelassen sind hier Rennfahrzeuge der Kategorien GT3, Porsche Carrera Cup und Lamborghini Huracan Super Trofeo, die in einem Feld starten und getrennt gewertet werden.

Vor allem die neue Trophy ist eine direkte Konkurrenz zum ADAC GT 4 Germany, das 2019 erstmals ausgetragen wurde, und zwar im Rahmenprogramm des GT Masters.

Zwar heißt es in der Pressemitteilung der ITR: «Zur Teilnahme sind Fahrer und Teams mit seriennahen GT-Rennfahrzeugen der FIA-Gruppen E2-SH und E2-SC aller Hersteller berechtigt.» Doch anders gesagt sind das GT4-Autos, der Begriff darf aber nicht ohne Weiteres genutzt werden, die Rechte daran gehören dem ADAC.

Was das jetzt für die ADAC-Variante bedeutet, ist unklar, die «DTM Trophy» wird im Moment quasi aus dem Boden gestampft. Heißt: Die Einschreibungsphase beginnt am 6. November 2019 und endet am 11. März 2020. Die Einschreibegebühr beträgt 27.000 Euro zzgl. USt. pro Teilnehmer. Wer mehr Teilnehmer abgreift, ist also noch offen.

Klar: In erster Linie geht es der DTM darum, ein vernünftiges Programm auf die Beine zu stellen. Wir erinnern uns noch an Mai 2018, als das Fahrerlager nach dem – teilweise auch kurzfristigen - Verlust einiger Rahmenserien arg gerupft aussah.

Als die Zukunft nach dem angekündigten Mercedes-Ausstieg auf der Kippe stand und die fehlenden Zelte der anderen Serien die Untergangsstimmung befeuerten. Die Macher bekamen die Quittung, die Tribünen waren teilweise unübersehbar leerer als vorher. Die Message der Fans war klar: Ohne ein ordentliches Rahmenprogramm geht es nicht, nur DTM reicht nicht.

Doch seitdem geht es aufwärts, in der abgelaufenen Saison war schon wieder deutlich mehr los, wenn mal keine DTM-Boliden unterwegs waren, da war selbst die kurzfristige Absage der geplanten Formel 3 zwar schlimm, aber für die DTM selbst kein Weltuntergang mehr. So feierte der Porsche Carrera Cup sein Comeback, die W Series ihr Debüt, hinzu kamen BOSS GP, Tourenwagen Classics oder der Audi Sport Seyffarth R8 LMS Cup.

Mit der DTM Trophy, die in ITR-Eigenregie durchgeführt wird, will man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Abwechslung bei den Serien, den bei Fans beliebten GT-Sport anbieten, dazu auch eine Markenvielfalt, wie sie die DTM selbst nicht hat: Immerhin hat nahezu jede im Motorsport vertretene Marke ein entsprechendes, zwischen 400 und 500 PS starkes GT-Auto im Portfolio, allen voran die in der DTM vertretenen Hersteller Audi, BMW und Aston Martin, aber auch Marken wie Mercedes-AMG, Porsche, McLaren, Ford, Chevrolet, Lotus, Jaguar, Toyota und Nissan.

Und der Tritt vor das Schienbein? Ein Revanchefoul? Da erinnern wir uns an 2017, als es letztmals das Motorsport Festival auf dem Lausitzring gab, eine gemeinsam von ITR und ADAC ausgerichteten Veranstaltung mit DTM und GT Masters. Hinter den Kulissen muss es schaurig gewesen sein, Kompetenzgerangel auf fragwürdigem Niveau, so heißt es. Mit angeblich teilweise albernem Kräftemessen und der über allem stehenden Frage: Welche Serie ist größer?

Es verwundert nicht, dass es seitdem keine neue Auflage des bei den Fans erfolgreichen Events mehr gab, die beiden Serien wurden sich nicht über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Rennwochenenden einig. Parallel wechselte der Porsche Carrera Cup in das Rahmenprogramm des GT Masters. Bei der DTM nahm man das wenig begeistert auf.

Wie läuft die «DTM Trophy»?

Pro Rennwochenende wird es freitags zwei freie Trainings geben sowie am Samstag und Sonntag jeweils ein 20-minütiges Qualifikationstraining und ein Rennen über 30 Minuten.

Um für sportlich faire Verhältnisse zu sorgen, ermittelt die ITR vor Saisonbeginn die Spezifikationen aller teilnehmenden Fahrzeugtypen, auf deren Basis die grundsätzliche Einstufung der unterschiedlichen Modelle vorgenommen wird. Die aus vielen GT-Kategorien bekannte «Balance of Performance» (BoP) soll die unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte berücksichtigen und für ein möglichst ausgeglichenes Starterfeld sorgen.

Drei Wertungen wird es geben: eine Fahrer-, eine Team- und eine Junior-Wertung für Fahrer und Fahrerinnen unter 22 Jahren (Geburtsjahrgang 1998 oder jünger). Fahrereinstufungen, wie sie in vielen anderen GT-Serien üblich sind, wird es in der DTM Trophy nicht geben. Voraussetzung ist mindestens eine internationale D-Lizenz. Die Punktevergabe wird in der DTM Trophy genauso sein wie in der DTM: Es gibt Zähler für die zehn Bestplatzierten eines Rennens, wobei der Sieger 25 Punkte erhält und es für Platz zehn einen Punkt gibt. Darüber hinaus werden in der Qualifikation Punkte für die drei Bestplatzierten vergeben – nach dem Schema 3-2-1.

In ihrer Debütsaison wird die DTM Trophy an sieben Rennwochenenden im Rahmenprogramm der DTM ausgetragen: Zolder (24.–26. April), Lausitzring (15.–17. Mai), Anderstorp (12.–14. Juni), Norisring (10.–12. Juli), Assen (4.–6. September), Nürburgring (11.–13. September) und Hockenheimring (2.–4. Oktober).

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