Auf Spurensuche: Wo sind die Typen in der DTM?

Kolumne von Andreas Reiners
DTM
Wo sind die Typen in der DTM?

Wo sind die Typen in der DTM?

Die Diskussion ist ein ständiger Wegbegleiter in der DTM: Fehlen der Tourenwagen-Serie die Typen? SPEEDWEEK.com begibt sich in einer Kolumne auf Spurensuche.

Bastian Schweinsteiger sah aus wie nach einem Boxkampf. Der Fußballer des FC Bayern München hatte sich im WM-Finale in jeden Zweikampf geschmissen, war von den Argentiniern munter in die Mangel genommen worden und feierte den WM-Triumph mit einem Cut unter dem Auge. Mitten im Trubel um den vierten Titelgewinn twitterte der DFB ein Foto von Schweinsteiger und dem WM-Pokal. Inklusive zweier Worte: «Keine Typen?».

Denn auch bei der Nationalmannschaft gab es vor der Weltmeisterschaft die Diskussion, dass zu wenig Typen vorhanden seien. Im Umkehrschluss hieß das also, das DFB-Team sei zu angepasst. Langweilig, ohne Leader. Nun, nach dem 1:0-Sieg nach Verlängerung und dem Bild vom blutenden Schweinsteiger hat sich die Diskussion erübrigt.

In der DTM wird sie seit Ewigkeiten munter geführt. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hatte nach der vergangenen Saison das Thema in der Nachbetrachtung noch einmal aufgegriffen und den Vorwurf erneuert: Der DTM fehlen die Typen.

Doch ist das tatsächlich so?

Das Problem: Die Diskussion um die fehlenden Typen wird in der DTM vom Grundsatz zumeist schon falsch geführt. Denn was genau ist denn jetzt ein Typ? Oft werden sie einfach mit früheren Formel-1-Fahrern gleichgesetzt. Das ist schon einmal der falsche Ansatz. Denn ein Formel-1-Pilot ist nicht automatisch ein Typ.

Setzen wir einfach mal voraus, dass ein Typ eine Person ist, die hin und wieder mal aus dem Rahmen fällt. Positiv wie auch negativ. Unangepasst ist. Ein wenig verrückt meinetwegen. Abseits des Mainstreams. Kimi Räikkönen wird aus der Formel 1 gerne als Beispiel genommen. Klar, ein extremes Beispiel.

Mit den Aufgaben wachsen

Doch ich arbeite seit gut eineinhalb Jahren für SPEEDWEEK.com in der DTM. Und ich kann Sie beruhigen. Es gibt sie, die Typen in der DTM. Was auffällt: Je älter die Piloten, desto unangepasster, selbständiger sind sie in ihren Meinungen. Offener in der Art und Weise, berechtigte Kritik zu üben. Das ist allerdings auch kein Wunder. Jeder junge Pilot muss mit seinen Aufgaben, mit der Serie wachsen. Man muss ihm die Plattform und die Freiräume bieten, um sich entwickeln zu können, das Profil zu schärfen. Kurz gesagt: die DTM kann und muss ihre eigenen Stars entwickeln.

Warum wird diese Diskussion denn überhaupt geführt?

Das hat vielerlei Gründe. Natürlich gibt es auch in der DTM keine 23 Typen. Auch dort findet man, böse gesagt, Langweiler. Schüchterne Piloten, die nicht viel zu sagen haben. Den eigenen Charakter kann man den Fahrern aber auch nicht zum Vorwurf machen. Denn schließlich sind sie in erster Linie dafür da, die Fans auf der Strecke zu unterhalten und erfolgreich zu sein. Auch die Motorsport-Königsklasse besteht nicht nur aus Typen. Auch wenn man im Rahmen der Diskussion manchmal den Eindruck bekommt. Sie werden schlicht besser verkauft.

Doch wie schafft man sich die Typen?

Dort sind in der DTM alle Beteiligten gefordert. Die Hersteller, die natürlich darauf bedacht sind, dass die Fahrer verbal nicht über das Ziel hinausschießen und die Fahrer natürlich auch briefen. Doch auch das ist kein DTM-spezifisches Problem. Wer kennt und liebt sie nicht, die weichgespülten Aussagen der Fußball-Profis, die immer nur von Spiel zu Spiel schauen, da der kommende Gegner ja immer der schwerste ist? Da heben sich die Typen ab, die eben auch schon mal auf den Tisch hauen und das ansprechen können, was jeder sowieso denkt. Das Problem in der DTM: Niemand will in dem bisweilen fragilen Gebilde ITR, DMSB, Hersteller und TV-Partner dem anderen groß wehtun. Die Piloten sind in dem ganzen Spiel eher die «kleinen Lichter», wie Timo Scheider jüngst erklärte.

Ein Beispiel: Dass Mercedes nachrüsten darf, ist aus sportlicher Sicht ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die im Winter besser gearbeitet haben. Nur die wenigsten sprechen das ganz offen aus. Klar, es sei schon irgendwo ungerecht, aber eben das Beste für die Serie. Was ja auch nicht falsch ist. Denn politisch ist diese Maßnahme nachvollziehbar. Ein Ausstieg von Mercedes würde wohl das Todesurteil für die DTM bedeuten.

Nicht nur Vorformuliertes

Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es in der DTM nicht nur vorgefertigte Aussagen in Pressemitteilungsform gibt. Man muss halt nur ein wenig suchen.

Natürlich ist auch die DTM gefordert, die die Fahrer gekonnt in Szene setzen muss. Ein sechsmonatiger Winterschlaf der Serie hilft da nicht wirklich viel. Helfen könnte möglicherweise eine Mischung aus etablierten Piloten, nationalen Fahrern und ein paar wenigen Stars aus der Formel 1, durch die sich der Nachwuchs profilieren kann. Momentan gibt es ganze drei deutsche Fahrer, die 25 Jahre oder jünger sind. Insgesamt sind es sieben. Das Problem hat die DTM erkannt, wie Hans Werner Aufrecht jüngst erklärte (Zum Interview). Denn deutsche Fans hätten natürlich am liebsten auch deutsche Helden. Da wären aber wieder die Hersteller gefragt.

Auch die Fahrer selbst sind gefordert

Doch auch die Fahrer selbst sind gefordert. Sei es durch Interaktion mit den Fans durch die sozialen Medien. Oder eben durch andere Aussagen als «Wir schauen nur von Rennen zu Rennen». Doch das ist dann wieder eine Charakterfrage. Und oftmals auch ein schmaler Grat. Denn wer sägt schon freiwillig auf dem Ast, auf dem er gerade sitzt?

Die größten Möglichkeiten zur Inszenierung der Typen hat aber zweifellos die ARD. Der TV-Partner der DTM könnte die Personen hinter den Helmen beleuchten, die Fahrer porträtieren und Duelle und Streitigkeiten hervorheben. Vielleicht auch mal ein wenig ausreizen, denn auch das gehört zur Show dazu.

Der Vorwurf, die ARD zeige nur die Rennen und zu wenig die Protagonisten, ist nicht von der Hand zu weisen. Was natürlich auch an der zu kurzen Renn-Vorlaufzeit von 15 Minuten liegt. Doch die Antworten von ARD-Sportkoordinator Balkausky auf die Kritik der SPEEDWEEK-Leser zeigen, dass das Problem bei der ARD entweder nicht erkannt oder schlicht verdrängt wird. Oder aber sogar niemanden wirklich interessiert.

Denn wie gesagt, es gibt sie, die Typen. Ich habe das in den eineinhalb Jahren oft genug feststellen können. Ein Beispiel: Auf dem Lausitzring zeigte Bruno Spengler im vergangenen Jahr Mattias Ekström nach dessen hartem Manöver nach der Zieldurchfahrt den Stinkefinger. Im Anschluss entwickelte sich ein verbales Nachspiel, in dessen Rahmen Ekström Spengler als «Sissi der DTM» bezeichnete.

Glock vs. Merhi und Mortara

Alles halb so wild, aber ebenso ein Schmankerl wie Timo Glocks Zwist mit Roberto Merhi, den Glock am liebsten wieder in die Fahrschule geschickt hätte. Oder Glocks Ankündigung, Edoardo Mortara beim nächsten Mal genauso ins Auto zu fahren.

Steilvorlagen, die in der Formel 1 beispielsweise bis zum Äußersten ausgereizt werden. Aktuell zu verfolgen beim von manchen Medien ausgerufenen «Krieg der Sterne» zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton.

Und in der DTM? Sind diese verbalen Scharmützel nach zwei Wochen schon wieder vergessen. Weil sie viel zu selten fortgeführt werden. Doch nicht nur die ARD im Speziellen, auch die Medien im Allgemeinen sind gefordert.

Deshalb starten wir eine kleine Serie, in der wir die Typen der DTM näher vorstellen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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