Götz: Tod von Ayrton Senna lange nicht verkraftet

Von Otto Zuber
Maximilian Götz

Maximilian Götz

Warum sein Vater zunächst gegen seine Karriere als Motorsportler war, was ihn an der DTM beeindruckt, wer seine Idole waren und warum er sich auf den Norisring freut, erzählt der Mercedes-Pilot im Interview.
Warum bist du Motorsportler geworden?

Das hat sich ergeben, weil mein Vater früher Rennen gefahren ist. Da war ich schon als kleiner Junge dabei und wurde vom Motorsportvirus infiziert. Als Sieben-, Achtjähriger war ich schon immer am Norisring und habe mir gesagt, das musst du auf jeden Fall mal selber probieren. Mein Vater war allerdings total dagegen. Er wusste, dass das nicht einfach wird und auch sehr kostspielig. Dann war er irgendwann mal auf Geschäftsreise und ich hab’s heimlich im Kart ausprobiert. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich dann selbst in einer Gruppe angemeldet habe.

Und dein Vater? Was hat der dazu gesagt?

Der war immer noch sehr dagegen, hat zunächst überhaupt nicht dahintergestanden. Aber dann hat er sich doch einige Rennen von mir angeguckt und gesehen, dass es ja ganz gut läuft und ich ein Gefühl dafür habe. Daraufhin hat er dann losgelegt. Sponsoren gesucht, ein eigenes Kart gekauft und dann ein Team gegründet. Damit sind wir dann bis hin zu Weltmeisterschaftsläufen gefahren. Es war also die richtige Entscheidung.

Durch die Rennen deines Vaters wurdest du vom Motorsportvirus infiziert. Gab es, oder gibt es Idole, zu denen du aufschaust?

Na klar. Damals war Michael Schumacher natürlich der King. Ayrton Senna hat man auch auf dem Schirm gehabt. Aber, der war Brasilianer und deshalb nicht unbedingt ein Vorbild – man hält ja eher zu den Deutschen. Im Tourenwagensport war es Bernd Schneider. Ich habe damals auch schon beides verfolgt, DTM und Formel 1.

Gibt es denn eine Begebenheit, die dir im Rennsport in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Der Tod von Ayrton Senna ist mir sehr im Gedächtnis geblieben. Ich war acht Jahre, saß vor dem Fernseher und habe gar nicht begriffen, was da eigentlich los ist. Das habe ich nicht gerafft. Plötzlich stirbt jemand in deinem Lieblingssport. Ich habe mir lange Gedanken gemacht und gebraucht bis ich das verkraftet hatte. Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich aber auch eine positive Erinnerung. Ich war auf einer Kartbahn in Kerpen und plötzlich stand Bernd Schneider an einer Pommesbude neben mir. Ich habe ihn angesprochen, ob er mir mal die Linie vorfahren könnte und mir Tipps geben könnte. Er hat ja gesagt. Einen Star so hautnah zu erleben, das fand ich schon sehr beeindruckend.

Nun tust du es seit Anfang des Jahres deinem Idol gleich und startest in der DTM. Was begeistert dich an dieser Rennserie?

Dort fahren diejenigen, die sich in Klassen wie Formel 3 oder GT3 als Beste durchgesetzt haben. Dadurch ist es brutal eng. Das Fahrerfeld ist schon beeindruckend. Man darf sich bei den drei größten Herstellern in Deutschland behaupten. Wenn man es schafft, sich da auch nochmal vom Rest abzusetzen, ist das etwas ganz Besonderes.

Woran musstest du dich denn bei der Umstellung von GT3 auf DTM am meisten gewöhnen?

Erst einmal ist das Team natürlich viel größer. Alles ist strukturierter und geplanter. Für mich war es schön zu sehen, was alles möglich ist. Die Arbeitsweise ist schon beeindruckend. Zudem musste ich meinen Fahrstil ändern. Ein GT3-Auto hat ABS, Traktionskontrolle, andere Hilfsmittel und ein wenig mehr Leistung. Da konnte man Fehler kompensieren. Das geht in der DTM nicht. Man muss unglaublich präzise fahren, sonst ist schnell sehr viel Zeit weg. Ab und zu habe ich in diesem Bereich noch einen Schnalzer drin. Ich muss meinen Rhythmus noch finden und teils weniger aggressiv zu Werke gehen.

In den vier Rennen der Saison bist du immer ins Ziel gekommen. Dreimal als Sechszehnter, einmal als Fünfzehnter. Zufrieden?

Ich bin immer bester Rookie gewesen. In dieser Wertung habe ich also immer nur Siege eingefahren. Von daher bin ich ganz zufrieden. 16. und 15. sind jedoch nicht die Ziele, die ich mir gesteckt habe. Man muss aber auch die Umstände sehen. Es war immer ein wenig Pech dabei. Die Rundenzeiten sind schon gut, aber im Qualifying hat es noch nicht so hingehauen. Mein Ziel ist es einfach weiter vorne zustehen, so im ersten Drittel. Wenn man vorne ist, schwimmt man da auch einfacher mit und kann in die Top-Ten fahren.

Am besten schon im kommenden Rennen am Norisring – deinem Heimrennen. Was ist deine erste Erinnerung an diese Strecke?

1995 saß ich als kleiner Bub auf der Steintribüne. Ich konnte es damals schon kaum erwarten in jedem Jahr wiederzukommen. Das war für mich ein absolutes Highlight. Ich war immer auf der Jagd nach Autogrammen, hatte ein extra Buch dafür. Als ich dann 2002 das erste Mal dort gefahren bin und direkt aufs Podium gekommen bin, war das natürlich mega. Vom kleinen Zuschauer aufs Podium – das sind wirklich die schönsten Erinnerungen.

Worauf muss man am Norisring besonders achten?

Man braucht einen Super-Rhythmus und eine Super-Strategie. Es gibt drei Überholzonen, in denen mit DRS einiges geht. Für den Fahrer sind die vielen Runden auf dieser kurzen Strecke eine enorme Herausforderung. Man muss jeden Zentimeter ausnutzen und muss dabei aufpassen, dass man die Mauer nicht küsst. Das wird sich aber kaum vermeiden lassen. Man ist da auf der letzten Rille unterwegs. Der ein oder andere Spiegel wird wohl dran glauben müssen. Aber gerade das macht ja besonders Spaß. Einfach die ganze Strecke nutzen zu müssen, um schnell zu sein.

Man hört es. Du bereust deine Wahl, Motorsportler geworden zu sein, nicht?

Nein, definitiv nicht. Das ist das Geilste was man machen kann. Das ist das Schönste für mich – ein Traum. In meinem ersten DTM-Jahr möchte ich alles geben. Man darf sich aber auch nicht zu verrückt machen. Es kann auch nach hinten losgehen, wenn man zu viel will. Zwischen den Rennen muss man abschalten können. Da sind Freunde und Familie genau das richtige. Und von denen sehe ich vor und während des Rennens am Norisring eine ganze Menge.

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