Timo Scheider: «Pascal Wehrlein fehlt Charisma»

Von Andreas Reiners
DTM
Timo Scheider

Timo Scheider

Timo Scheider hatte nach dem Titelgewinn von Pascal Wehrlein noch einmal deutlich durchblicken lassen, was er von dem jüngsten Champion hält. Zum Abschied des Meisters hat er noch einmal nachgelegt.

«Ich habe mit ihm genau zwei Worte gesprochen: Herzlichen Glückwunsch. Wir werden keine besten Freunde. Ich habe meine Meinung zu Pascal. Er ist ein toller Rennfahrer, menschlich sieht das anders aus», hatte Scheider im vergangenen Oktober in Hockenheim erklärt.

In der Saison 2016 wird Wehrlein seinen Titel nicht verteidigen, der 21-Jährige hat den Aufstieg in die Formel 1 zu Manor geschafft. Zum Abschied hat Scheider nun noch einmal nachgelegt, nachdem der zweimalige DTM-Champion und der amtierende Meister in der vergangenen Saison zunächst auf der Strecke und dann regelmäßig verbal aneinander geraten waren.

«Ich weine ihm keine Träne nach. Beste Freunde wären wir eh nie geworden. Die Formel 1 wird ein hartes Brot für ihn. Ich bin gespannt, ob er in der Formel 1 Freunde findet», sagte Scheider in der Bild.

Der Hintergrund: Scheider und Wehrlein waren die Hauptdarsteller im Spielberg-Skandal. Im vergangenen August hatte Scheider nach dem Befehl von Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich («Timo, schieb ihn raus») Wehrlein kurz vor dem Ende des Rennens von der Strecke geschoben. Wehrlein hatte auf Platz sechs liegend wichtige Punkte im Titelkampf verloren, entschied diesen am Ende aber trotzdem für sich.

Freunde wurden der Routinier und der Youngster keine mehr. Wehrlein sprach ihm die Vorbildfunktion ab und stichelte gegen Audi («Zwiebelringe, Karma kommt zurück»). Die Giftpfeile flogen auf der Zielgeraden der Saison hin und her, zum Beispiel via Facebook.

Trotz der kleinen Psychospielchen holte Wehrlein den Titel und hoffte anschließend monatelang auf den Aufstieg in die Formel 1. In der vergangenen Woche ging der Kindheitstraum des Worndorfers in Erfüllung, 2016 fährt er für Manor in der Motorsport-Königsklasse.

Auch Scheider hatte immer von der Formel 1 geträumt, nachdem er Ende der 90er Jahre in der Formel Renault und in der Formel 3 unterwegs war. Für Scheider blieb das allerdings nur ein Traum. Ein Traum, der sich beinahe sogar erfüllt hätte. «Ich habe mehrere Male mit einem Fuß drin gestanden, bin dann aber doch wieder hinten runter gefallen. Ich habe mir irgendwann gesagt: Es hat nicht sollen sein, es hat alles seinen Grund im Leben und es kommt alles so wie es kommen soll. Deshalb habe ich aufgehört, der Formel 1 nachzutrauern», sagte Scheider.

Die Gründe waren vielfältig. «Am Ende des Tages ging es dann auch um Geld und in gewissen Situationen um Vitamin B. Sitzanpassung und Tests zum Beispiel waren schon auf dem Papier. Aber ich habe das ad acta gelegt.»

Wehrlein hat das Cockpit bei Manor zwar mit Unterstützung von Mercedes erhalten, in erster Linie aber aufgrund seines Talents. «Man kann noch so ein großes Arschloch sein, letztlich zählt die Performance. Ich hoffe wirklich, er nutzt die Chance, denn Talent hat er zweifellos», sagte Scheider. Bereits vor seinem DTM-Titelgewinn war Wehrlein zum Ersatzfahrer bei den Silberpfeilen befördert worden und hatte einige Testfahrten für Mercedes und Force India absolviert. Nun also die erneute Beförderung mit einem Stammcockpit.

Trotz allem vermisst Scheider bei Wehrlein vor allem eines: «Ihm fehlt Charisma, er hat noch nicht das Gesamt-Paket. Er muss ein Typ werden. Sein Vorteil: Er ist noch jung und kann sich das noch aneignen.»

Und was sagt Pascal Wehrlein selbst? Der 21-Jährige gibt sich mit dem Formel-1-Cockpit im Rücken gelassen. «Es ist mir ja fast schon peinlich, wie sehr ich in Timos Welt eine Rolle spiele. Ich finde, jetzt ist es dann aber auch gut. Letztendlich bin ich Timo sogar ein wenig dankbar, schließlich hat auch er mich ein Stück in Richtung Formel 1 geschoben.»

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