Sinnlos oder wertvoll – Punkte für Top-5 im Quali

Von Helmut Ohner
Endurance-WM
Karsten Wolf, Mandy Kainz, Rico Penzkofer, Hämpu Bolliger, Manfred Kremer (vlnr.)

Karsten Wolf, Mandy Kainz, Rico Penzkofer, Hämpu Bolliger, Manfred Kremer (vlnr.)

Seit dem letztjährigen Bol d’Or gibt es in der Langstrecken-WM für die fünf Erstplatzierten des Qualifyings Extrapunkte. Wir haben uns unter den deutschsprachigen Teamchefs umgehört, was sie davon halten.

In keiner anderen Motorsportserie wurde in letzter Zeit das Punkteschema so oft geändert wie in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Bei 24-Stunden-Rennen gibt es seit einigen Jahren für die Plätze 1 bis 10 auch Punkte nach acht bzw. 16 Stunden und seit der Saison 2016/2017 werden beim Finale in Suzuka die Zähler mit dem Faktor 1,5 multipliziert. Der Promoter verspricht sich davon, dass dadurch die Entscheidung erst beim letzten WM-Lauf fällt.

Für die WM-Saison 2018/2019 haben sich die oberste Motorsportbehörde FIM und der Promotor der Endurance-Weltmeisterschaft, Eurosport Events, wieder etwas Neues einfallen lassen. Seit dem Bol d’Or 2018 werden jetzt auch für die fünf schnellsten Teams des Zeittrainings zusätzlich Punkte (5 – 4 – 3 – 2 – 1) vergeben und das ausgerechnet in einer Motorsportserie, in der es überhaupt nicht darum geht, nur eine schnelle Runde zu drehen.

«Wir haben drei gleichwertige Piloten, die fast gleich schnell sind, deswegen standen wir in der Vergangenheit öfters auf der Pole-Position. Aber außer etwas mehr Aufmerksamkeit hat es dafür nichts gegeben. Jetzt werden wir wenigstens mit einigen Punkten belohnt, die sich am Ende der Weltmeisterschaft durchaus entscheidend auswirken können», kann Mandy Kainz, Teammanager von YART Yamaha, dem Ganzen durchaus Positives abgewinnen.

«In keiner anderen Motorsportserie gibt es Punkte für die Startaufstellung. Meiner Meinung nach ist das rein auf die Handvoll Werksteams zugeschnitten. Unter normalen Bedingungen haben wir kaum Chancen auf diese Zusatzpunkte, ganz im Gegenteil. In der Endabrechnung kann uns das sogar die eine oder andere Position kosten», kann Rico Penzkofer, Teammanager bei WEPOL Racing, die Entscheidung der Verantwortlichen nicht verstehen.

«Also, mir gefällt der neue Modus», so Ingo Nowaczyk, Teamchef von ERC-BMW Motorrad Endurance. «Früher war das zweite Zeittraining für die Zuseher oft nicht wirklich spannend, weil sich die Teams die Reifen für das Rennen aufgehoben hatten. Ich habe es bei meinem damaligen Team NRT48 nicht anders gemacht. Jetzt hat jede Equipe Reifensätze, die nur im Training verwendet werden dürfen. Sparen lohnt sich also nichts mehr.»

«In meinen Augen sind die Zusatzpunkte absoluter Blödsinn», hält Hanspeter Bolliger, seit 44 Jahren Chef beim Bolliger Team Switzerland, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. «Diese Neuerung ist aus meiner Sicht nur für die Werksteams gemacht worden. Es müsste schon ein größeres Wunder eintreten, wenn ein Privatteam, das nur über bescheidene finanzielle Mittel verfügt, in den Genuss dieser Punkte kommt.»

«Diese spezielle Thematik betrifft uns nicht», stellt Manfred Kremer, Teammanager bei Motobox Kremer, klar. «Wir sind uns dessen gewusst, dass wir weder über die finanziellen Mittel, noch über die Piloten verfügen, um ganz vorne mitzumischen. Für uns geht es an einem Rennwochenende vor allem darum, dass wir fehlerlose Rennen abliefern und dabei Spaß haben. Wenn alles gut geht, dann sehe ich uns irgendwo zwischen den Plätzen 15 und 20.»

«Schon bemerkenswert, dass es diese Regelung nicht bei Sprintrennen wie der MotoGP oder der Superbike-WM gibt, wo Startplätze sicher entscheidender sind als im Langstreckenrennsport», wundert sich Karsten Wolf, Teammanager GERT56 by GS Yuasa. «Dadurch wird unser Sport sicher nicht billiger, denn das eine oder andere Werksteam setzt sicherlich hochgezüchtete Qualimotoren ein. Wir Stocksportteam werden dadurch benachteiligt.»

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