LMP1-Nachfolger: Keine umgebauten Straßenautos!

Von Oliver Müller
FIA WEC

SPEEDWEEK.com sprach mit John Litjens von Toyota über die LMP1-Nachfolgegeneration. Er nimmt für den japanischen Hersteller an den Verhandlungen mit FIA und ACO hinsichtlich des neuen technischen Reglements teil.

Ab 2020 wird in der großen Prototypen-Klasse der Sportwagen-WM (FIA WEC) ein anderer Wind wehen. Dann werden die aktuellen LMP1-Renner von Boliden abgelöst, die aufgrund eines komplett neuen technischen Reglements gebaut wurden. FIA und ACO haben bei der Vorstellung des Projekts im Juni in Le Mans Namensgebungen wie 'Super Sportscar' oder 'Le Mans Hypercar' in den Raum geworfen. Diese Bezeichnungen sind jedoch etwas verwirrend. Denn nach aktuellem Stand werden die LMP1-Nachfolger keine umgebauten Straßenauto sein, sondern reinrassige Rennwagen. Hauptgrund dafür ist die Sicherheit der Chassis-Struktur.

«Natürlich sind Straßenautos sicher. Doch die neuen Prototypen sollen ja noch sicherer sein. Es gab schon für die LMP1 eine Monocoque-Arbeitsgruppe, um die Sicherheit noch zu verbessern. Die Arbeit, die damals gemacht wurde, will man jetzt auch im neuen Reglement implementieren. Deswegen kann man auch nicht wirklich Straßenautos als Basis hernehmen. Denn es wäre schwierig, ein Straßenauto zu finden, welches diese strengen Vorgaben erreicht», erläutert John Litjens, der Chief Project Leader Race Cars der Toyota Motorsport GmbH, im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Ziel des neuen technischen Reglements ist es vielmehr, Rennwagen zu bekommen, die durch optische Gimmicks an Straßenautos erinnern können. Erreicht werden soll dies durch Maximalwerte bei Abtrieb und Luftwiderstand. «Außerdem werden dadurch erheblich die Kosten gesenkt. In der Formel 1 und der aktuellen LMP1 kommt ein Großteil der Ausgaben von der Aerodynamik. Wenn Du zukünftig an den vorgegebenen Maximalwerten dran bist, dann brauchst Du in dieser Hinsicht nichts mehr zu machen», so Litjens, der für Toyota an den Gesprächen zur Erstellung der LMP1-Nachfolgeregeln teilnimmt.

Durch der Beschränkung der Aerodynamik könnten die Rennwagen der Werke (wie beispielsweise Toyota) und jene der unabhängigen Chassis-Konstrukteure (z. B. Oreca, Ligier, Dallara) auch auf der Stoppuhr näher zusammen rücken und somit für spannendere Rennen sorgen. Gerade in Bezug auf die kleinen Chassis-Schmieden sollte eines auch nochmals klargestellt sein: Die ab 2020 einzuführenden LMP1-Nachfolger müssen nicht zwangsläufig an Straßenautos erinnern. Durch die aerodynamischen Maximalwerte besteht lediglich die Möglichkeit dazu. Sollte ein privater Konstrukteur einen Rennwagen designen, welcher optisch beispielsweise der aktuellen Generation ähnelt, so ist dies in keinster Weise verboten.

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