2. Training Brasilien: Hamilton 1., Räikkönen-Strafe?

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Im zweiten freien Training zum Grand Prix von Brasilien erhärtet sich der Eindruck: Die Silberpfeile liegen vorne, aber der Abstand zur Konkurrenz ist knapp. Kimi Räikkönen muss zur Rennpolizei.

Das zweite Training begann mit einer guten Nachricht: Die 50prozentige Regenwahrscheinlichkeit war verpufft, es blieb heiter und heiss, gute Bedingungen, um an der Abstimmung der Rennwagen zu feilen.

Mercedes-Teammanager Ron Meadows war zwischen den Trainings bei Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting vorstellig geworden: Es geht um den Buckel eingangs Boxengasse. Mercedes argumentiert, das sei bei der Anfahrt zur Box ein Nachteil, ihnen wurden die Boxen 1 und 2 zugeteilt, nicht 3 und 4 wie vor einem Jahr. Grund: Wir haben in diesem Jahr mit Haas einen Rennstall mehr.

Charlie Whiting hat sich das angesehen, es ist nicht ganz klar, was auf die Schnelle getan werden soll. Aber das ist Brasilien: Hier passieren Dinge oft über die Nacht. Sky-GP-Experte Paul Di Resta: «Ich bin sicher, wir haben zu diesem Thema noch nicht das letzte Wort gehört.»

Marcus Ericsson ruschte in Ferradura von der Ideallinie und ruinierte einen Satz mittelharter Reifen.

Kimi Räikkönen (Ferrari) lieferte sich ein kleines Privatduell mit Carlos Sainz (Toro Rosso), der Finne fand offenbar, der Spanier habe ihn aufgehalten. Jedenfalls schnitt der Weltmeister von 2007 den jungen Madrilenen bei der Anfahrt zur Box gnadenlos zusammen. Nicht eben die feine finnische Art.

Das Duell der beiden Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg aus dem Morgentraining setzte sich fort: 1:13,157 min für den Engländer, 1:13,355 in für den Deutschen.

Kurz darauf rückte Kimi Räikkönen erstmals mit den weichen Reifen aus (gelb markiert): 1:13,047 min. Die Bestzeit hatte nur kurz Bestand, dann fuhr Daniel Ricciardo (Red Bull Racing) 1:12,828 min.

Zur Erinnerung: Die Silberpfeile erzielten ihre Zeit auf den mittelharten Reifen. Der Unterschied zwischen mittelhart und weich variiert von Strecke zu Strecke, beträgt in der Regel aber eine halbe Sekunde bis zu sechs Zehntelsekunden.

Die FIA meldete sich zu Wort: Das Säbelrasseln zwischen Räikkönen und Sainz werde untersucht. Die Rennkommissare in Brasilien: Tim Mayer (USA), Mika Salo (Finnland), Nish Shetty (Singapur) und Felipe Giaffone (Brasilien). Normales Vorgehen der Rennpolizei: De beiden Streithähne werden vorgeladen und angehört, dann wird über eine mögliche Strafe geurteilt. Das kann eine Verwarnung sein bis hin zu einer Strafversetzung in der Startaufstellung.

Lokalheld Felipe Massa erfreute anschliessend die brasilianischen Landsleute mit 1:12,761 min (weiche Reifen), aber die Freude der Massa-Fans war von kurzer Dauer – Valtteri Bottas war mit 1:12,761 min einen Hauch schneller.

Die ersten Versuche der Red Bull Racing-Fahrer waren unsauber: Max Verstappen hatte mehrere kleine Fahrfehler drin, einen zweiten Versuch brach der Niederländer ab, und auch die Runde von Daniel Ricciardo war nicht ideal.

Dann gaben die Silberpfeile Gas: Nico Rosberg hämmerte mit weichen Reifen 1:12,301 min in die Bahn, Lewis Hamilton konterte mit 1:12,271. Die Zeiten waren nicht ganz so schnell wie am Morgen – die Piste hatte sich mehr aufgeheizt, das unterband vorderhand Rundenzeiten unter 72 Sekunden. Die Piste war teilweise fast 50 Grad warm (zehn Grad wärmer als im ersten Training), bei 32 Grad Lufttemperatur.

Pech für Fernando Alonso

Sky-Formel-1-Experte Martin Brundle sah sich die Autos in Kurve 4 an, das ist die Linkskurve nach der langen Gegengeraden. «Ich komme nun seit dem Jahr 1991 her, aber das ist mir noch nie aufgefallen – die Piste steigt in der Bremszone wieder leicht an.»
Der Eindruck von anderen Rennstrecken erhärtete sich: Am besten liegen in den Kurven die Chassis von Mercedes-Benz und Red Bull Racing. Lewis Hamilton ging nach einer Stunde erneut mit weichen Reifen auf die Bahn, für einen Dauerlauf.

Schlechte Nachrichten für Fernando Alonso: «Stell dein Auto ab!» sagte ihm McLaren-Renningenieur Marc Temple über Funk, der Spanier musste aussteigen, Training vorbei. Im Heck seines Autos steckte nicht sein Rennmotor, sondern ein älteres Aggregat. Mitten auf der Geraden hatte es einen schlagartigen Leistungsverlust gegeben – nach Kühlwasserverlust am Honda-Motor.

Später setzte sich der Spanier auf den Stuhl eines Kameramanns, die Bilder fielen ein wenig amateurhaft aus. Alonso amüsierte sich dennoch königlich.

Sorgen auch bei Jenson Button – Problem mit einem Getriebesensor an seinem Rennwagen. Dann überhitzte der Auspuff, Schluss für heute. Das war schlecht, denn nun mangelt es McLaren an Erfahrung aus den Dauerläufen.

Bei Kvyat (Toro Rosso) und Marcus Ericsson (Sauber) neigten die Renner zum Überhitzen. Das Problem dürfte sich am Samstag von selber erledigen, dann wird es zehn Grad kühler, und Regen ist angesagt. Der Schwede Ericsson hatte dann noch ein weiteres Problem: Er zog sich so erhebliche Bremsplatten zu, dass es keinen Sinn machte, damit weiterzufahren. Mangels weiterer Reifen machte er früher Feierabend als seine Kollegen.

Bei den Dauerläufen zeigte sich: Nach wenigen Runden bauten die Reifen an den Williams so ab, dass die Rundenzeiten um gut 1,5 Sekunden stiegen, bei Red Bull Racing war der Abbau nur so stark, dass ein Zeitverlust von einer Sekunde zu messen war.

Pistenspaziergänger Martin Brundle fiel auf: «Selbst das sonst so gut liegende Mercedes-Chassis macht nach im Dauerlauf mit den weichen Reifen Mucken, Lewis Hamilton hat wegen abbauender Reifen alle Hände voll zu tun. Der Wagen lenkt sehr knackig ein, aber die Hinterachse neigt zum Wegschmieren.»

Auf der Stoppuhr hiess das: Vier Sekunden pro Runde langsamer, die Hitze erzeugte in den Reifen Blasen.

Die Sorgen von Räikkönen wurden nicht geringer: Bremsprobleme, er brachte seinen Ferrari zurück an die Box.

Paul Di Resta fiel auf: «Lewis Hamilton fuhr im Dauerlauf mit den mittelharten Walzen Rundenzeiten, nach denen sich die anderen nur die Finger lecken können.» Aber nicht weit von Hamilton entfernt: Sebastian Vettel im Ferrari.

Top-Ten im zweiten Training: Hamilton, Rosberg, Bottas, Massa, Ricciardo, Verstappen, Vettel, Räikkönen (also ein Paarlauf der Fahrer von Mercedes, Williams, Red Bull Racing und Ferrari), dann Hülkenberg im Force India und Button im McLaren.

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