Ross Brawn: «Formel 1 bräuchte mehr Max Verstappen»

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Der Engländer Ross Brawn (62) soll für Formel-1-Grossaktionär Liberty Media den Sport attraktiver gestalten. Dazu gehört auch: Die Formel-1-Fahrer sollen als Helden verstanden werden. Neue wie frühere.

Die tollste Formel 1 aller Zeiten soll wieder her, wenn es nach den Mächtigen des Sports geht. Mit Rennwagen, die Rundenrekorde im Dutzend knacken. Mit Piloten, die sichtlich geschafft aus ihren Boliden steigen, gezeichnet vom Bändigen «dieser Monster», wie sie Mercedes-Teamchef Toto Wolff bezeichnet.

Noch sind wir da nicht ganz auf Kurs: Niemand musste in Australien unseres Wissens aus seinem Rennwagen gehoben werden, keiner war der Erschöpfung nahe. Aber in Sachen Speed sind die neuen GP-Renner schon gut auf Kurs. Die Kurventempi sind wirklich atemraubend.

Zur Heldenbildung gehört auch, dass die Tradition geehrt und die Gegenwart nicht schlechtgeredet wird. In Sachen Historie will Formel-1-Grossaktionär Liberty Media nicht nur die traditionsreichen Rennen in Europa behalten, der Kernmarkt des GP-Sports soll ausgebaut werden. 2018 kehrt der Frankreich-GP zurück, und Deutschland soll wieder einen festen Platz erhalten, also mit einem Rennen jede Saison.

Ferner hat Liberty Media die Weichen dazu gestellt, frühere GP-Piloten auf die Formel-1-Schauplätze zurückzubringen. In der Ära Ecclestone mussten selbst GP-Sieger um die begehrten Karten ins Allerheiligste der Formel 1, ins Fahrerlager, förmlich betteln. Erbärmlich. Liberty Media hat allen früheren Piloten den Teppich ausgerollt mit der Nachricht: Kommt bitte zu den Rennen, lasst euch sehen, erfüllt dann aber auch euren Teil und stellt euch für Aktionen mit den Fans zur Verfügung.

Vielleicht wird ja eines Tages auch eine alte Idee aufgenommen. Wann immer historische GP-Renner im Rahmenprogramm zu sehen sind, klappen nicht nur den Fans wie in Montreal und Austin die Kinnlade runter, auch die Teammitglieder der Formel 1 lassen sich jeweils die Gelegenheit nicht entgehen, die fabelhaften Rennwagen der 60er, 70er und 80er Jahre genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein alter Einfall: In diese Autos die Originalfahrer von damals setzen. Red Bull Ring-Chef Didi Mateschitz macht das mit den Legenden-Demos im Rahmen des Österreich-GP vor, zum grössten Vergnügen der Fans. Jetzt müsste hier der nächste Schritt getan werden.

Ebenfalls im Sinne von Liberty Media: Die Fahrer sollen nicht als Marionetten von Arbeitgebern wahrgenommen werden, sondern als Athleten, die Ecken und Kanten haben sollen. Lewis Hamilton etwa wäre nicht halb so populär, würde er nicht polarisieren. Die Piloten sollen sich selber sein dürfen.

Ross Brawn sagt in Sachen gegenwärtiger Fahrer gegenüber der offiziellen Formel-1-Webpage: «Lewis Hamilton ist die Messlatte für alle anderen Fahrer. Ich bin selber gespannt darauf zu erleben, wie sich Valtteri Bottas gegen ihn schlagen wird. Bei Red Bull Racing haben wir das spannende Duell Daniel Ricciardo gegen Max Verstappen. Max ist ein überaus aufregendes Element der Formel 1. Mein Traum wäre es, in den kommenden Jahren mehr Piloten von seinem Schlag zu haben. Wir sollen wieder in eine Lage kommen, dass nur die Besten in der Formel 1 fahren. Damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen – das fahrerische Niveau in der Formel 1 ist heute sehr hoch. Aber wir haben auch wirtschaftliche Sachzwänge, was gewisse Rennställe angeht, die sie zu entsprechenden Fahrerentscheidungen drängen. Könnten wir das aus der Welt schaffen, hätten wir die Chance, den Standard noch höher zu schrauben.»

Ein guter Anfang wäre: Eine fairere Verteilung der Preisgelder – damit weniger grosse Rennställe nicht auf Bezahlfahrer angewiesen sind.

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