Formel 1

Lewis Hamilton: Rücktritt, dann auf den Mount Everest

Von Mathias Brunner - 22.06.2017 15:53

​Formel-1-Superstar Lewis Hamilton enthüllt: Er führt eine Liste von Dingen, die er in seinem Leben noch machen möchte. Und auf dieser Liste stehen Dinge, die mit der Formel 1 nichts zu tun haben.

Vor kurzem schockierte Mercedes-Star mit der Aussage, dass er sich keine Pläne vorgenommen habe. Im Grunde, so der Engländer, wisse er noch nicht mal, ob er im kommenden Jahr Formel 1 fahre. Das wurde teilweise als Hinweis auf einen baldigen Rücktritt verstanden.

Lewis Hamilton im Fahrerlager von Baku: «Ich kann mich noch nicht mal an dieses Interview erinnern. Ich fühle mich derzeit nicht so, als wäre es schon an der Zeit, für jemanden Platz zu machen. Natürlich ist es auch mein Traum, so wie für viele Sportler, auf der Höhe seines Könnens abzutreten. Aber wenn du das tust, dann weisst du später nicht, was du noch alles hättest erreichen können. Viele Sportler haben zu früh aufgehört. Das willst du ja auch nicht.»

So wie Fernando Alonso hat sich auch Lewis Hamilton kritisch über den Ausbau des WM-Programms geäussert. Nun werden wir im kommenden Jahr 21 Grands Prix haben. Lässt das Lewis noch genügend Spielraum für Anderes? Hamilton schmunzelt: «Die Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer süsser. Klar hätte ich gerne mehr Zeit für Privates. Ich geniesse es immer, nach Saisonschluss etwas völlig Anderes zu machen. Von mir aus könnte ich eine Auszeit von einem Jahr nehmen! Es gibt so viel, das ich auf meiner Liste abstreichen möchte.»

Das klingt nun interessant – was steht denn so auf dieser Liste?

Lewis: «Ich möchte den Mount Everest besteigen! Ich möchte die Zeit haben, um eine Fremdsprache richtig zu lernen. Ich war mal in der Schule gut in Französisch und habe alles vergessen, dabei lebe ich dort unten! Ich möchte hundert Bücher lesen. (Beginnt zu lachen.) Wobei mich das wohl den Rest meines Lebens beschäftigen wird! Ich koche nicht, würde es aber gerne können. Ich möchte mich mehr um meine Musik kümmern. Solche Dinge halt.»

Vor einem Jahr war Hamilton in Baku ein wenig von der Rolle. Das will der Engländer nicht wiederholen. «Ich habe mir sehr genau angeschaut, was im vergangenen Jahr hier passiert ist. Und ich werde es vermeiden, die gleichen Fehler zu machen. Ich bin sicher, dass mein Wochenende anders verlaufen wird, nicht zuletzt deshalb, weil wir mit ganz anderen Autos fahren. Ich bin besser vorbereitet auf Baku.»

Natürlich kommt von einem italienischen Kollegen die unvermeidliche Frage nach Ferrari. Lewis Hamilton stellt um auf Stehsatz: «Ich denke nicht an einen Wechsel zu Ferrari. Ich denke nur daran, wie ich Ferrari schlagen kann. Aber ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, welchen Respekt ich für Ferrari habe und wie wichtig diese Marke für den Sport ist. Ich bin auch ein bekennender Fan ihrer Strassenautos. Und wer weiss, was die Zukunft für mich noch alles bereithält. Ich kann mir heute nicht vorstellen, für Ferrari zu fahren. Aber ich liebe das Duell zwischen Mercedes und Ferrari.»

Zwischen Ferrari und Mercedes geht es hin und her. Lewis meint: «Konstanz wird der Schlüssel zum WM-Titel sein, und da müssen wir zulegen. Es ist offensichtlich, dass Ferrari mit Sebastian Vettel mit grösserer Regelmässigkeit Spitzenergebnisse herausfährt als wir. Und daher bleiben sie für mich auch WM-Favorit.»

«Zum ersten Mal seit mehreren Jahren kämpfen wir gegen ein anderes Team, und das erzeugt bei uns eine ganz andere Dynamik. Wenn ich im Werk herumgehe, spüre ich in den verschiedenen Abteilungen diese Energie. Wenn jeder Spezialist bei seiner Arbeit ein klein wenig mehr leistet, dann können wir zusammen Grosses erreichen. Früher war das anders. Vielleicht hat da der eine oder andere gedacht – es spielt doch kein Rolle, ob ich mich jetzt noch ein wenig mehr reinhänge, wir gewinnen den Titel ja ohnehin. Unser Vorsprung auf die Gegner waren gross genug. Nun sind alle im Rennwagenwerk angestachelt und wissen, dass sie über sich hinauswachsen müssen, um den Titel erneut zu erobern.»

«Unser Sieg in Kanada war wichtig für das ganze Team und auch für mich, ich bin auf diesen Erfolg sehr stolz. Wir haben ein tolles Ergebnis errungen, jetzt müssen wir das nur wiederholen. Baku ist ein Rennen, das ich noch nicht gewinnen konnte. Und diese Statistik möchte ich zu gerne korrigieren.»

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